Themenbereich
Bewusstseinsforschung

Forschung an Kindern, die vorgeben, frühere Leben zu erinnern (4/5)
Fallbeispiel: Ryan Hammons


Ein jüngerer Fall aus den USA - überprüft vom Kinderpsychiater Prof. Jim Tucker von der University of Virginia


1) Auf der Suche nach der Identität der erinnerten Person

Ein weiteres starkes Fallbeispiel handelt von einem kleinen Jungen namens Ryan Hammons. Im Alter von fünf Jahren begann er, seiner Mutter von Erinnerungen an ein früheres Leben zu erzählen. Er habe als erfolgreicher Mann in Hollywood gelebt und wolle nun gerne dorthin zurück. Seine verunsicherte Mutter besorgte daraufhin Bücher über das alte Hollywood und zeigte sie ihrem Sohn. Ryan erkannte sich auf einem der dort abgebildeten Fotos wieder, nämlich als Mann in einem Szenenbild aus dem Film „Night after Night“ aus dem Jahr 1932. In diesem Film spielte der Mann allerdings nur eine Statistenrolle. Das Buch enthielt darum keine Angaben zu seiner Identität.

Wie im Falle des kleinen James Leininger hatten auch Ryans Eltern einen christlichen Hintergrund und konnten mit dem Konzept der Wiedergeburt nichts anfangen. 

Weil Ryan sich aber beharrlich mit seinem Vorleben auseinandersetzte und ihm die Erinnerungen erhebliche Identitätsprobleme bereiteten, wandte sich seine Mutter hilfesuchend an den Kinderpsychiater Prof. Jim Tucker. Diesem gelang es, mit Hilfe einer Hollywood-Archivarin herauszufinden, wer der Mann auf dem Foto war. Es handelte sich um einen gewissen Marty Martyn. Dieser lebte einst in Beverly Hills, war Schauspieler und betrieb eine außerordentlich erfolgreiche Agentur für aufstrebende Künstler.

Nachdem Professor Tucker das herausgefunden hatte, ließ er die Familie Hammons noch eine ganze Weile im Ungewissen. Nur so konnte er sicherstellen, dass Ryan und seine Eltern keine eigenen Recherchen betreiben und diese womöglich die Authentizität von Ryans Erinnerungen überlagern würden. Glücklicherweise konnte man im Internet ohnehin kaum Informationen zu Marty Martyn finden. Als Agent, der eher im Hintergrund die Fäden zog und als Schauspieler allenfalls in kleinen Nebenrollen auftrat, war er keine Berühmtheit.

2) Die Überprüfung von Ryans Aussagen

In den weiteren Gesprächen mit Ryan und seiner Mutter zeigte Professor Tucker dem kleinen Ryan Fotos, auf dem Freunde und Weggefährten Marty Martyns abgebildet waren, aber auch Personen, mit denen der Schauspieler nichts zu tun hatte. Professor Tucker wollte herausfinden, ob Ryan diejenigen Personen auf den Fotos (wieder-)erkennen würde, die Marty Martyn nahestanden. 

Des Weiteren notierte Professor Tucker sämtliche Aussagen, die der kleine Ryan über sein Vorleben tätigte. Diese Aussagen wollte Professor Tucker dann mithilfe der ihm zugänglichen Archiveinträge überprüfen, um festzustellen, ob sie auf die Person „Marty Martyn“ zutreffen. Manche von Ryans Aussagen erwiesen sich allerdings als derart spezifisch und detailliert, dass auch die Hollywood-Archivarin nicht mehr weiterhelfen konnte. So blieb Professor Tucker nur die Option, noch lebende Familienmitglieder und Freunde Marty Martyns ausfindig zu machen, um diese um eine Bestätigung oder um eine Widerlegung zu bitten. Tatsächlich gelang es Professor Tucker, die noch lebende Tochter Marty Martyns sowie dessen Stiefsohn zu befragen. Und tatsächlich konnten diese nahezu alle der mehr als 50 Aussagen bestätigen. Damit Sie ein besseres Bild davon haben, welche Art von Aussagen hier gemeint sind, finden Sie nachstehend einige Beispiele:

- „Ich war reich und hatte einen großen Swimmingpool.“
- „Ich hatte eine Tochter, der ich im Alter von sechs Jahren einen Hund schenkte – doch sie mochte diesen Hund nicht.“
- „Ich hasste Katzen.“
- „Ich hatte ein grünes Auto, mit dem ich niemand anderen fahren ließ.“
- „Ich spielte gern Klavier. Es stand ein Klavier in meinem Haus.“
- „Ich war oft verheiratet und hatte darüber hinaus mehrere Affären.“
- „Ich hatte eine Sammlung von Sonnenbrillen.“
- „Ich reiste nach Paris und besichtigte den Eiffelturm.“

Diese präzisen und teils sehr privaten Informationen hätten Ryan oder seine Mutter niemals durch Internet- oder Buchrecherchen herausfinden können. Im Übrigen verliefen auch die Tests mit den Fotos ungewöhnlich ergiebig. Ryan konnte die Personen, die Marty Martyn nahestanden, korrekt identifizieren. Aus Sicht von Professor Tucker sind dies starke Hinweise dafür, dass man die Reinkarnationshypothese ernst nehmen muss.

VIDEO: Der Fall Ryan Hammons

6:01 Minuten, englisch

Im US-Fernsehen lief 2015 dieser Bericht über den Fall Ryan Hammons. Inzwischen gibt es auch eine sehenswerte Netflix-Dokumentation über die Arbeit von Prof. Tucker, in der auch der Fall Ryan Hammons präsnetiert wird - inklusive Interviews mit Ryan selbst und verschiedenen Familienangehörigen.

3) Weiterführende Informationen und Buchtipps