Heim postulierte 6 Dimensionen (siehe vorige Artikelseite), wobei es bei der Strukturdimension X5 und der Zieldimension X6 offensichtlich nicht möglich ist, quantitative Abstandsmessungen vorzunehmen, wie das mit einem Metermaß im Raum (X1-X3) oder mit einer Uhr in der Zeit (X4) möglich ist. Doch wie kann man dann Strukturen oder Ziele hierarchisch ordnen? Wie sollte man zum Beispiel für eine imaginäre Dimensionsachse X5 entscheiden, ob ein bestimmter Strukturentwurf (zum Beispiel für ein Buch oder für ein Auge) höher anzusiedeln ist als ein anderer Strukturentwurf (zum Beispiel für ein einfaches Blatt Papier oder für eine Zelle)? Welchen Maßstab soll man hier anlegen und in welchen Begrifflichkeiten könnte man das ausdrücken? Und was verrät all das über die Ordnung des Universums?
Das kann uns später dabei helfen, paranormale Phänomene zu verstehen und Antworten auf bislang ungelöste Rätsel der Wissenschaft zu reflektieren (siehe hierzu die folgenden Artikelseiten aus dieser Artikelsammlung).
Zur qualitativen Bewertung verschiedener Strukturmöglichkeiten orientiert sich Heim an deren Komplexitäts- und Freiheitsgrad. Strukturen, die sich in dieser Hinsicht sehr ähnlich sind, fasst Heim als „Totalitäten“ zusammen. Diese Totalitäten lassen sich sodann auf einer gedachten Skala von „einfach und unselbständig“ bis hin zu „komplex und autonom“ hierarchisch anordnen.
Ein Atomkern ist zum Beispiel simpel und unfrei, ein Mensch hingegen ist komplex und in der Lage, autonome Entscheidungen zu treffen.Die verschiedenen Totalitäten (Gruppen von ähnlichen Strukturen) fasst Heim zu vier aufeinander aufbauenden Bereichen zusammen: „Physis“, „Bios“, „Psyche“ und „Pneuma“. Ein höherer Bereich setzt sich durch einen deutlichen Sprung in seinen qualitativen Wesensmerkmalen von einem unteren Bereich ab. Die vier aufeinander aufbauenden Bereiche bilden insofern Gruppen ähnlicher Totalitäten, die ihrerseits Gruppen ähnlicher Strukturen bilden. Die hier gezeigte Abbildung stellt diese Systematik übersichtlich zusammen.
Der Bereich der „Physis“, der die Strukturen der unbelebten Materie umfasst, bildet die „niedrigste“, weil einfachste und unselbständigste Gruppe von Totalitäten. Das geringste Organisationsniveau wohnt den von Heim postulierten Vorformen der Materie inne (Totalitäten 1 und 2), gefolgt von den Strukturplänen der Elementarteilchen (Totalität 3), der Atome (Totalität 4), der einfachen Moleküle (Totalität 5) und der Makromoleküle, also unbelebter materieller Objekte gleich welcher Größenordnung, die sich aus verschiedenen Molekülen zusammensetzen (Totalität 6). Wichtig ist zu verstehen, dass sämtliche der hier genannten Formen von Materie, seien es nun die Elementarteilchen oder die Makromoleküle, ohne einen entsprechenden Strukturentwurf aus der Dimension X5 nicht existieren könnten. Denn Materie, die keine räumliche Struktur besitzt, die kann ja nicht im Raum ausgedehnt sein.
Materie braucht etwas, was sie organisiert. Je komplexer die Struktur der Materie, desto höher ist ihr Entwurf auf der imaginären Dimensionsachse X5 angesiedelt. Dasselbe Prinzip gilt auch für die belebte Materie, die in Heims hierarchischer Betrachtung der Welt eine völlig neue Gruppe von Totalitäten darstellt, nämlich den Bereich des „Bios“. Mit „Bios“ meint Heim nicht das Leben selbst, das heißt nicht dasjenige, was die Lebendigkeit verursacht. „Bios“ bezeichnet bloß die materiellen Strukturen, in denen sich das Leben vollzieht. Diese Strukturen des „Bios“ setzen sich aus den weniger komplexen Strukturen der „Physis“ zusammen. Wenn man so will, enthält der „Bios“ die „Physis“, ist zugleich aber mehr als nur die Summe seiner Teile. Denn die materiellen Strukturen des „Bios“ können anders als die Strukturen der reinen „Physis“ zum Zweck der Selbsterhaltung und Fortpflanzung in eine aktive Wechselwirkung mit ihrer Umwelt treten. Die Strukturpläne für biologische Strukturen sind entsprechend komplexer aufgebaut und ermöglichen ausgehend von den kleinsten biologischen Einheiten wie der DNA (Totalität 7) über die Zellen (Totalität 11) bis hin zu den vollständigen Organismen (Totalität 15) immer mehr Gestaltungsfreiheit. Tiere (auf Totalitätsstufe 15) können sich zum Beispiel aus eigener Kraft fortbewegen und entscheiden, wohin sie gehen wollen. Deshalb nimmt ihr Strukturniveau auf unserer imaginären Dimensionsachse X5 eine deutlich höhere Position ein als die Strukturpläne der weiter unten angesiedelten toten Materie der „Physis“.
Wir Menschen stehen biologisch betrachtet übrigens auf derselben Stufe wie die Tiere (Totalität 15). Biologisch gesehen sind wir schließlich nichts anderes als ein Säugetier. Was uns laut Heim dennoch von den übrigen Säugetieren unterscheidet, wird sich erst später erschließen, wenn wir uns mit verschiedenen Qualitäten von Bewusstsein befassen werden.
Für den Bereich der „Psyche“ muss man sich das analog vorstellen: Die für das Gehirn zuständige „psychische Schaltzentrale“ aus Totalität 23 integriert und koordiniert sämtliche untergeordneten „psychischen Steuerzentralen“ der darunterliegenden Totalitäten 16 bis 22.
Die „psychischen Steuerzentralen“, wie wir sie hier lapidar genannt haben, bezeichnete Heim als „Intermittierende Leitmetroplexe korrelativer Eigenschaften“ – abgekürzt „Ilkor“. Aus welchen Vorüberlegungen Heim diesen sperrigen Begriff abgeleitet hat, würde an dieser Stelle zu weit führen und ist für das Verständnis der weiteren Überlegungen auch nicht relevant. Wichtiger ist es, das Zusammenwirken der biologischen Strukturen mit ihrem jeweiligen „Ilkor“ noch etwas genauer zu umreißen.
Wie oben schon kurz erwähnt, läuft die Kopplung von „Psyche“ und „Bios“ über sogenannte „Aktivitätenströme“. Je mehr Aktivitätenströme zwischen „Psyche“ und „Bios“ ausgetauscht werden, desto höher ist der Grad an Bewusstheit des entsprechenden Lebewesens und desto intensiver sind folglich sein Gewahrsein und seine Empfindungen. Weil diese immateriellen Aktivitätenströme aus den metaphysischen Dimensionen X5 und X6 ausgehen, sind sie nicht an Raum und Materie gebunden. Bewusstheit im Sinne von Gewahrsein und Empfindung ist darum in Heims Modell kein durch materielle Prozesse induziertes Gehirnphänomen.
In der Kopplung zwischen „Psyche“ und „Bios“ vollziehen sich die Sinneswahrnehmungen, die emotionalen Empfindungen, die Reiz-Reaktionsverarbeitung und die Steuerung sämtlicher biologischer Prozesse. Das hat aber noch nichts mit dem zu tun, was wir als logisch denkendes Ich-Bewusstsein im Sinne eines reflektierenden Geistes bezeichnen würden. Genau das unterscheidet uns Menschen laut Heim aber von den Tieren. Menschen können abstrakt denken und sich Dinge vorstellen, die sinnlich gar nicht wahrnehmbar sind oder als mögliches Szenario in der Zukunft liegen. Das erlaubt es uns, Pläne zu schmieden und aus einer Vielzahl von Möglichkeiten durch bewusste Entscheidungen einige wenige auszuwählen. Das gilt sowohl in Bezug auf unsere Alltagsgestaltung als auch in Bezug auf einen ganzen Lebensentwurf.
Bewusstheitsgrade gemäß Heims Theorie nach von Ludwiger, Illobrand: Unsere 6-dimensionale Welt, München 2020, S. 250f.