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Philosophie & Wissenschaft

Heim's 6-dimensionales Weltbild (1/4) 
Burkhard Heim und seine Deutung der 6 Dimensionen


Burkhard Heim (1925-2001) gilt unter seinen Anhängern als eines der größten wissenschaftlichen Genies des 20. Jahrhunderts. Gelegentlich wird er auf eine Stufe mit Albert Einstein gehoben – und doch ist er einer breiten Öffentlichkeit völlig unbekannt. Auch in akademischen Fachkreisen nimmt man von Burkhard Heim keine Notiz. Wer war dieser Burkhard Heim? Und was hat es mit seinem 6-dimensionalen Weltbild auf sich?


Inhaltsübersicht:

  1. Zum Leben Burkhard Heims: Wie ein Schicksalstschlag alles änderte
  2. Heims 6-dimensionales Weltmodell: Was steckt hinter den Dimensionen 5 und 6?
  3. Weiterführende Informationen und Buchtipps 

1) Zum Leben Burkhard Heims: Wie ein Schicksalsschlag alles änderte

Der Physiker Burkhard Heim wurde 1925 in Potsdam geboren. Er begann sich bereits mit 10 Jahren für Chemie - speziell Sprengstoffchemie - zu interessieren. Direkt nach dem Abitur wurde Heim zum Wehrdienst eingezogen, wurde jedoch 1944 an die Chemisch-Technische Reichsanstalt in Berlin-Tegel versetzt, wo er Kontakt zum Quantenphysiker und Nobelpreisträger Werner Heisenberg bekam und sich der Forschung widmen konnte.

Dass Heim in Fachkreisen und Öffentlichkeit dennoch bis heute hin ein Unbekannter ist, liegt zum einen daran, dass seine Theorie der herrschenden Lehrmeinung fundamental widerspricht. Zweitens ist sie mit ihren hohen mathematischen Ansprüchen und komplizierten Wortneuschöpfungen derart schwer zugänglich, dass sich kaum jemand an sie heranwagt. Drittens war Heim in der wissenschaftlichen Community trotz der Bekanntschaft zu Heisenberg schlecht vernetzt. Er war in keine akademische Einrichtung dauerhaft eingebunden und hatte niemals eine Professur inne. Er publizierte nicht in Fachzeitschriften und nahm kaum an wissenschaftlichen Tagungen Teil. Seine theoretische Forschungsarbeit betrieb er weitgehend isoliert im Privaten, unterstützt von Freunden und Förderern. Wie es dazu kam, ist an Tragik kaum zu überbieten: Bei einem verhängnisvollen Laborunfall im Jahr 1944 verlor Burkhard Heim beide Hände und beinahe auch sein Seh- und Hörvermögen.

Bildquelle: https://heim-theory.com/ (mit freundlicher Genehmigung von Dipl. Ing. Hannes Schmid)

Aufgrund seiner Behinderung blieb Heim eine gewöhnliche wissenschaftliche Karriere verwehrt. 

Seinen Abschluss als Diplom-Physiker an der Universität Göttingen erlangte Heim nur dank der großen Unterstützung durch seinen Vater Heinrich und seine Frau Greta, die ihm laut aus Büchern vorlasen. Um schreiben zu können, ließ sich Heim außerdem seine Unterarmstümpfe operativ in Spaltarme umwandeln. Dabei wurden seine Unterarme vom Ende her „eingeschnitten“, sodass Elle und Speiche wie eine Art Greifer einen Stift oder ein Stück Kreide halten konnten. Trotzdem war an einen normalen Forscheralltag in einem akademischen Umfeld nicht zu denken. Bereits der Austausch mit Fachkollegen gestaltete sich infolge der massiven Seh- und Hörschädigung als ein kaum zu überwindendes Hindernis.

Das Gesamtwerk Burkhard Heims lässt sich ohne Kenntnis höherer Mathematik und ohne profundes Vorwissen im Bereich der Quantenphysik und der Relativitätstheorie nicht durchdringen. Glücklicherweise haben sich inzwischen verschiedene Autoren um verständlichere Einführungen in seine Theorie bemüht. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der Physiker Illobrand von Ludwiger (1937-2023), ein langjähriger Freund und Weggefährte Burkhard Heims. Seine beiden Veröffentlichungen „Das neue Weltbild des Physikers Burkhard Heim“ sowie „Unsere sechsdimensionale Welt“ liegen den nun anstehenden Betrachtungen ebenso zugrunde wie die online frei verfügbaren Heim-Einführungen von Dr. Wolfgang Ludwig, Prof. Ernst Senkowski und Horst Willigmann. Als hilfreich erweist sich auch Prof. Arnim Bechmanns mit zahlreichen schematischen Illustrationen gespicktes Buch „Zugänge zu Burkhard Heims einheitlicher Beschreibung der Welt“. Dessen Untertitel „Mutmaßungen und Annäherungen“ verrät bereits, dass der Autor hier keine vertiefende Facharbeit, sondern eher eine mit eigenen Interpretationen versehene Zusammenfassung vorgelegt hat. All diese und weitere Quellen finden Sie am Ende dieser Artikelseite im Abschnitt "Weiterführende Informationen und Buchtipps".

Überdies könnte zum Einstieg eine Video-Reihe helfen, die der Ingenieur Hannes Schmid auf seinem YouTube-Kanal „6 Dimensionen in Farbe“ veröffentlicht hat: https://www.youtube.com/@6DimensioneninFarbe

2) Heims 6-dimensionales Weltmodell: Was steckt hinter den Dimensionen 5 und 6?

Aus den oben genannten Gründen können wir hier nicht ansatzweise auf die mathematische Herleitung von Heims Weltbild eingehen. Auch die physikalische Forschungsfrage, die Heim erst dazu brachte, ein sechsdimensionales Weltbild zu entwerfen, kann hier nicht erörtert, sondern allenfalls genannt werden: Heim wollte eine einheitliche Feldtheorie entwickeln, die die Naturkräfte der Gravitation und des Elektromagnetismus in zusammenhängender Weise zu erklären vermag. Mit demselben Vorhaben hatte sich bekanntlich auch Albert Einstein befasst, jedoch ohne zu einer Lösung zu gelangen.

Bei seinen Überlegungen stellte Heim fest, dass er, um seine gesuchte Feldtheorie mathematisch formulieren zu können, zu den vier bekannten Weltdimensionen, also den drei Raumdimensionen sowie der Zeit als der vierten Dimension, zwei weitere Dimensionen hinzufügen muss. Das ist in der theoretischen Physik erstmal nichts Ungewöhnliches. Auch andere Versuche zur Entwicklung einer einheitlichen Feldtheorie (etwa die Stringtheorie) verwenden für ihre Rechenmodelle mehrere Dimensionen. Doch was hat das philosophisch zu bedeuten? Was konkret verbirgt sich hinter diesen zusätzlichen Dimensionen?

Während die Stringtheorie mit ihren bis zu 26 Dimensionen hierzu keine sinnvollen Angaben machen kann, nahm Heim die philosophischen Implikationen aus seinem sechsdimensionalen Rechenmodell sehr ernst. Denn sollte sein mathematisches Gedankengebäude die Realität unseres Universums zutreffend abbilden, dann mussten seine zusätzlich angenommenen Dimensionen ja irgendeine Entsprechung in unserer Lebenswelt haben. Die drei Raumdimensionen (X1 bis X3) spannen den physischen Raum auf, innerhalb dessen sich materielle Objekte wie dieses Buch oder Ihr physischer Körper manifestieren. Entlang der vierten Dimension (X4) vollziehen sich Zustandsveränderungen. Das ist die Zeitdimension: Vorhin blickten Ihre Augen noch auf die vorige Seite. Inzwischen ist Ihr Blick aber wieder einige Zeilen weiter und auf diese neue Seite gewandert. Was aber ist dann X5? Heim deutet X5 als Strukturdimension. Sie verleiht der Welt Gestalt und Form, indem sie all ihre Einzelelemente und zusammengesetzten Gebilde koordiniert und organisiert, und zwar von den Elementarteilchen über makroskopische Objekte wie Bücher, Augen und ganze Körper bis hin zu den Galaxien. Hier zeigt sich eine Parallele zu Sheldrakes Konzept der morphischen Felder, denn auch Sheldrake nahm ja an, dass Materie sich nicht aus sich selbst heraus organisiert, sondern dass dieser Prozess durch nichtmaterielle Felder koordiniert wird (siehe hierzu unsere Artikelsammlung über Shekdrakes morphische Felder). Heim verortet den Bereich X5 allerdings als eigene Dimension jenseits von Raum und Zeit, wohingegen Sheldrake seine Felder als im Raum ausgedehnt postulierte. Heims fünfte Dimension gleicht insofern eher Platons Ideenwelt, das heißt einem metaphysischen Bereich, der sämtliche „Strukturpläne“ für die Ausgestaltung der Materie als Möglichkeit enthält. Daran schließt sich die Frage an, was für die laufende Verwirklichung dieser Möglichkeiten in Raum und Zeit sorgt. Warum verketten sich zum Beispiel Moleküle und warum wachsen Pflanzen? Warum bilden sich komplexe Lebewesen wie Menschen heraus, die dann auch noch die Absicht entwickeln, Bücher zu lesen?

Die Antwort finden wir in der Dimension X6, die eine Zieldynamik ausdrückt und für die Steuerung der Prozesse in der Raumzeit verantwortlich ist. Hier schlägt sich vielleicht etwas Ähnliches nieder wie dasjenige, was Schopenhauer „Wille“ nannte oder was Platon als „das Gute“ im Sinne einer Zweckursache bezeichnete. Denn gleich ob blinder Trieb oder vernunftorientierte Zielverfolgung:

In beiden Fällen ermöglicht die Steuerung aus der Dimension X6 die Verwirklichung von Strukturmöglichkeiten (X5) im Raum (X1 bis X3). Diese Verwirklichung und Entwicklung möglicher Strukturformen im Raum geschieht vermittels der Zeit (X4). Die Zeitdimension stellt insofern eine Art Schnittpunkt dar: Die Zieldynamik aus X6 aktualisiert und modifiziert die räumlichen Manifestationen (X1-X3) von möglichen Strukturen (X5) im Zeitverlauf (X4). Oder anders ausgedrückt: Damit eine räumlich ausgedehnte Struktur (zum Beispiel eine Pflanze) in eine andere mögliche Struktur überführt werden kann (zum Beispiel wächst oder Blüten treibt), muss Zeit vergehen. Nur dann kann X6 seine Wirkung entfalten.

Sollten Sie also beschließen, diese Artikelseite zu Ende zu lesen, zeigt sich darin eine Zieldynamik (X6). Diese Absicht ist nichts Räumliches (X1 bis X3) und spiegelt als solche auch keine Struktur (X5) wider. Sie tritt aber in einem bestimmten Zeitfenster (X4) auf und kann in diesem Zeitfenster laufend die Strukturen im Raum anpassen beziehungsweise aktualisieren. Sie führt zum Beispiel dazu, dass sich Ihre Augen fortwährend von links nach rechts und von oben nach unten bewegen. 

Bevor wir tiefer in Heims Modell eintauchen, möchten wir vorab bereits auf eine ganz bedeutsame Konsequenz aus diesen ersten Überlegungen hinweisen: 

Weil X6 außerhalb der Raumzeit liegt, bewegen Sie sich mit Ihrer Absicht, die Lektüre fortzusetzen, in einer metaphysischen Dimension. Ebenso tut es die Pflanze, wenn sie dem Ziel folgt, wachsen und gedeihen zu wollen. Dabei wirkt das Metaphysische in das Physische hinein: Genauso wie Ihr Wunsch, die Lektüre fortzusetzen, die Aktivtäten Ihres Gehirns und Ihrer Augen steuert, sorgt das Wachstumsziel der Pflanze dafür, dass diese ihre Blätter zur Sonne hin ausrichtet.

Anhand dieser simplen Beispiele können Sie leicht nachvollziehen, dass sich hinter Heims metaphysischen Dimensionen eigentlich nichts Abstraktes und Unbegreifliches verbirgt. Jeder von uns kann diese Dimensionen im Alltag erfahren und tut das auch tagtäglich. Als Menschen sind wir laut Heim keine dreidimensionalen, sondern sechsdimensionale Wesen.

Was daraus folgt, insbesondere für das Verhältnis von Körper und Geist, folgt auf den nächsten Artikelseiten.  Vorher müssen wir außerdem die Dimensionen X5 und X6 noch ein wenig genauer durchleuchten. Im Unterschied zu den übrigen Dimensionen X1 bis X4 gibt es hier nämlich eine Schwierigkeit zu überwinden: Es scheint nicht so leicht möglich, eine Größenskala anzulegen. Damit meinen wir, dass man die Strukturmöglichkeiten der Dimension X5 und die Zieldynamiken der Dimension X6 nicht in Metern oder Sekunden ausdrücken kann. Bei Raum und Zeit ist das anders. Räumliche Distanzen und eine zeitliche Dauer lassen sich mit quantitativen Einteilungen problemlos vermessen. So können wir eine Strecke in Millimeter und Zentimeter unterteilen und auf einem Zeitstrahl Sekunden und Minuten abtragen. Etwas Vergleichbares ist mit den Dimensionen X5 und X6 offensichtlich nicht möglich, denn in welcher Einheit sollte man verschiedene mögliche Strukturen oder verschiedene Zieldynamiken vergleichbar machen? Offenkundig lassen sich hier keine quantitativen Größen mit gleichmäßigen Abständen zuordnen. Das würde aber auf den ersten Blick bedeuteten, dass es unmöglich wäre, verschiedene Strukturen oder Zieldynamiken entlang einer imaginären Dimensionsachse X5 oder X6 hierarchisch zu ordnen, so wie man das bei einer räumlichen Achse beziehungsweise bei einem Zeitstrahl gewohnt ist: Dort sind zwei Meter mehr als ein Meter beziehungsweise zwei Stunden dauern länger als nur eine Stunde. Aber wie könnte man zum Beispiel für eine Dimensionsachse X5 entscheiden, ob ein bestimmter Strukturentwurf (zum Beispiel für ein Buch oder für ein Auge) höher anzusiedeln ist als ein anderer Strukturentwurf (zum Beispiel für ein einfaches Blatt Papier oder für eine Zelle)? Und in welchen Begrifflichkeiten könnte man das ausdrücken? Mehr dazu erfahren Sie auf der nächsten Artikelseite.

3) Weiterführende Informationen und Buchtipps