Themenbereich
Religion, Mythologie und Spiritualität

Die 'Michael-Teachings' und der 'Ra-Kontakt' (6/7)
Besteht die Welt aus Schwingungen?


Wie "Ra" und "Michael" sowohl die materielle als auch die geistige Beschaffenheit des Universums erklären


1) Licht und Schwingung

Im Laufe dieser Artikelsammlung haben wir gesehen, wie unsere zyklische Reise durch das kosmische Dasein in entscheidender Weise durch die Zahl 7 strukturiert wird. Gemäß den „Michael-Teachings“ durchlaufen wir sieben Wirklichkeitsebenen und sieben Seelenalter, nehmen eine von sieben Seelenrollen an und wählen bei den variablen Seelenmerkmalen („Overleaves“) stets aus sieben verschiedenen Möglichkeiten. Doch warum ausgerechnet sieben? „Michael“-Medium Shepherd Hoodwin bemerkt hierzu Folgendes:

„In diesem Universum zerfällt das Tao in die sieben Rollen, wie weißes Licht, das durch das Prisma, das dieses Universum bietet, in die sieben Regenbogenfarben gebogen wird. Ein anderes Universum könnte ein anderes Prisma haben, das zu etwas führt, das in diesem Universum nicht verstanden werden kann. Unser Siebenersystem ist nur eine Möglichkeit, ein vollkommenes Ganzes zu differenzieren.“ (Hoodwin, Shepherd: Journey of Your Soul, Berkeley 2013, S. 363, eigene Übersetzung)

Die Analogie zum Prisma taucht auch bei „Ra“ auf, der genau sieben Entwicklungsstadien („Dichten“) innerhalb der Selbsterkundung des All-Einen unterscheidet:

„Ihr habt das Prisma gesehen, das alle Farben zeigt, die vom Sonnenlicht stammen. Dies ist ein vereinfachtes Beispiel der Einheit.”(Elkins, Don; McCarty, Jim; Rückert, Carla L.: Der Ra-Kontakt, S. 24)

Dasjenige, was die Unterschiedlichkeit der durch das Prisma aufgetrennten Farben ausmacht, ist bekanntlich die Art und Weise, in der das Licht schwingt (Wellenlänge/Frequenz). Wenn aber das Licht, so wie es „Ra“ behauptet, als Baustein des gesamten physischen Universums fungiert (siehe hierzu die Artikelseite "Schöpfung, Menschenbild und der Sinn des Daseins"), würde das bedeuteten, dass das gesamte Universum in einer ständigen Schwingung begriffen ist.

2) Anhaltspunkte aus der modernen Physik 

Seit Einstein und seiner berühmten Formel E=mc² wissen wir, dass Materie als eine „kondensierte“ Form von Energie betrachtet werden kann. Eine solche „Verdichtung“ von Energie zu Materie lässt sich im Alltag zwar nicht beobachten. In den Teilchenbeschleunigern des CERN wird sie aber seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert: Wenn kleinsten Teilchen durch Beschleunigung auf nahezu Lichtgeschwindigkeit eine extrem hohe Bewegungsenergie zugeführt wird und die hochbeschleunigten Teilchen dann aufeinanderprallen, entlädt sich die zugeführte Energie in neu entstehende Materie. Im Jahr 2021 ist es einem Forscherteam sogar gelungen, Materie allein durch die Kollision von Photonen (also aus Licht) zu erzeugen (Adam J. et al 2021).

Teilchenbeschleuniger CERN, Bildquelle: Wikimedia Commins (Julian Herzog)

Die Äquivalenz von Energie und Materie eröffnet Raum für theoretische Spekulationen. Die Stringtheorie vermutet, dass sämtliche Elementarteilchen an ihrer Basis aus kleinsten, schwingenden „Energiefäden“ (Strings) hervorgehen. 

Auch im „Ra-Kontakt“ wird Materie als Folgeresultat energetischer Schwingungen abgeleitet, wobei die zugrunde gelegte Energie laut „Ra“ dem All-Einen („intelligente Unendlichkeit“) entspringt und im Sinne einer ordnenden, erschaffenden Kraft als „Liebe“ bezeichnet wird. Diese Energie sei ursprünglich weder sicht- noch messbar, könne sich aber durch Schwingung in physischer Form manifestieren. So bringe „Liebe“ zunächst das Licht und später die weiteren Elementarteilchen hervor:

Don Elkins: „Diese Schwingung, die wir aus Mangel an besserem Verständnis reine Bewegung nennen würden; sie ist reine Liebe; […] sie ist nichts, das schon verdichtet ist, sagen wir, um irgendeine Art oder Dichte der Illusion zu bilden. Diese Liebe erschafft dann durch diesen Schwingungsprozess ein Photon, wie wir es nennen, welches das grundsätzliche Partikel des Lichts ist. Dieses Photon verdichtet sich dann durch hinzugefügte Schwingungen und Rotationen weiter zu Partikeln der […] verschiedenen Dichtegrade, die wir erfahren. Ist dies richtig?“ – Ra: „Dies ist richtig.” (Elkins, Don; McCarty, Jim; Rückert, Carla L.: Der Ra-Kontakt: Das Gesetz des Einen lehren – Gesamtausgabe, Oberkrämer 2021, S. 192)

„Ra“ und Don Elkins beziehen sich in diesem Dialog allerdings nicht auf die Stringtheorie, die je nach Ausprägung zehn Dimensionen oder mehr voraussetzt. Vielmehr nimmt Don Elkins Anleihen beim Modell der „reziproken Systeme” des theoretischen Physikers Dewey Larson (1898-1990), der ähnlich wie Burkhard Heim von 6 Dimensionen ausgeht, diese aber etwas anders ausdeutet und zueinander in Beziehung setzt. 

Larson hält das gesamte Universum letztlich für ein Resultat von Schwingungen:

Don Elkins: „Ich werde eine Aussage machen, die ich der Physik von Dewey Larson entnommen habe, die dem nahe liegen kann, oder auch nicht, was du versuchst zu erklären. Larson sagt, dass alles Bewegung sei, was wir als Schwingung auffassen können, [...] die reine Schwingung ist und in keiner Weise oder Form oder Dichte physikalisch ist [...] – [das] erste Produkt dieser Schwingung ist das, was wir das Photon nennen, Lichtpartikel. Ich habe versucht, eine Analogie herzustellen zwischen dieser physikalischen Lösung und dem Konzept von Liebe und Licht. Kommt dies dem Konzept der Liebe, die Licht erschafft, nahe oder nicht?” – Ra: „Du liegst richtig.” (S. 192)

3) Ist auch Bewusstsein Schwingung?

Auch in den „Michael Teachings“ bilden Schwingungen die Basis des Universums: 

„Alles im Universum ist Energie mit einer bestimmten Frequenz.“ (Hoodwin, Shepherd: Journey of Your Soul, Berkeley 2013, S. 116, eigene Übersetzung)

Folglich muss die Unterschiedlichkeit zwischen verschiedenen Materieteilchen auf unterschiedliche Muster von Schwingungen zurückzuführen sein, so wie verschiedene Farben auf unterschiedlichen Frequenzen von Lichtwellen beruhen und verschiedene Töne durch unterschiedlich schwingende Schallwellen entstehen. Was für die äußere Manifestation des Schöpfers gilt, das heißt für das äußerlich wahrnehmbare Universum als Objekt des Erkennens, gilt zwangsläufig auch für den Schöpfer als erkennendes Subjekt, das heißt für das innerlich wahrnehmbare Bewusstsein auf all seinen Stufen des Daseins und in all seinen fraktalen Unterteilungen:

„Sowohl Musik als auch Farbe sind äußere physikalische Phänomene, aber die gleichen Muster existieren für jede Ebene des Seins.“ (S. 116) 

Gleichlautend formuliert „Ra”:

„Das Universum, in dem ihr lebt, ist Wiederholung der intelligenten Unendlichkeit in jedem Teil. Deshalb wirst du die gleichen Muster in physischen und metaphysischen Bereichen wiederholt sehen.” (Elkins, Don; McCarty, Jim; Rückert, Carla L.: Der Ra-Kontakt, S. 192) 

Die von „Michael” beschriebenen Seelenmerkmale und die damit verbundenen Persönlichkeitszüge könnten demnach ebenso wie die von „Ra” postulierten Dichtestufen mit verschiedenartigen seelischen Schwingungsmustern korrelieren.

Das macht vielleicht auch den Oktav-Begriff aus dem „Ra-Kontakt” etwas verständlicher: Beim Spielen einer Tonleiter nimmt die Schwingungsfrequenz jeden Tones zu, je näher man der Oktave kommt. Analog dazu könnte man annehmen, dass wir seelisch um so höher „schwingen”, je näher wir beim Durchlaufen der Dichtestufen zur Erfahrung von Einheit vorstoßen. Sobald wir das Einheitsbewusstsein erreichen und damit unseren Entwicklungszyklus (die Oktave) abschließen, stehen wir wieder dort, wo wir ursprünglich herkamen, sind in der Zwischenzeit allerdings um die Erfahrung eines ganzen Universums reicher geworden. Analog dazu klingt die Oktave bei einer Tonleiter genau gleich wie der Ausgangston, nur dass sich die Frequenz verdoppelt hat und der Ton deshalb höher schwingt und klingt.

Zugleich hält das Konzept der „seelischen Schwingung” eine mögliche Erklärung dafür bereit, warum nichtphysische Kontakte zwischen uns Menschen und höherdimensionalen Wesen so ungewöhnlich sind: Weil „Geistwesen” ganz anders „schwingen” als wir, können wir kaum mit ihnen in Resonanz treten. Damit ein stabiler Kontakt zustande kommen kann, bedarf es deshalb erheblicher Anstrengungen von beiden Seiten: Während wir Menschen unsere „Schwingung” erhöhen müssen (zum Beispiel durch Meditation), müssen die Geistwesen ihre Schwingung heruntertransformieren.

In esoterischen und spirituellen Kreisen ist die Rede von der „Erhöhung der eigenen Schwingung” derart geläufig, dass sich niemand die Frage zu stellen scheint, was denn da eigentlich schwingt.

Wahrscheinlich wäre es auch müßig, das modellieren zu wollen. Seelische Schwingungsmuster sind halt nicht greifbar. Unsere Seele ist kein materielles Objekt, das sich hin- und herbewegt wie eine Gitarrensaite. Wie nichtphysische Schwingungen verstanden werden können, bleibt darum notwendigerweise abstrakt, sodass wir nicht mehr tun können, als auf Metaphern und Analogien zurückzugreifen.

Das bereits mehrfach bemühte Bild der Resonanz eröffnet in dieser Hinsicht einige weitere Deutungsmöglichkeiten. Umgangssprachlich sprechen wir zum Beispiel von guten „Vibes” (Vibrations), wenn gute Stimmung herrscht. Oder man sagt, dass gewisse Menschen auf „der gleichen Wellenlänge” liegen. Menschen, die sich sympathisch sind, schwingen offensichtlich ähnlich, sodass sie, weil sie miteinander resonieren, eine starke Verbindung zueinander spüren. Vielleicht wohnt auch unserer emotionalen Empfänglichkeit für Musik eine Art von seelischem Resonanzphänomen inne: Wenn die Musik uns „packt”, schwingt unsere Seele mit.

4) Weiterführende Informationen und Buchtipps