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Bewusstseinsforschung

Forschung an Kindern, die vorgeben, frühere Leben zu erinnern (3/5)
Fallbeispiel: Titu Singh


Über verfizierte Erinnerungen und ein Körpermerkmal, das zur Todesursache im berichteten Vorleben passte


1) Körpermerkmale in der Reinkarnationsforschung

In manchen Fällen weisen Kinder, die ein Vorleben erinnern, auffällige Körpermerkmale auf, die mit ihrem mutmaßlichen Vorleben in Verbindung zu stehen scheinen. Dabei kann es sich zum Beispiel um ein auffälliges Muttermal an der gleichen Stelle handeln, an der die Person aus dem erinnerten Vorleben ebenfalls ein auffälliges Muttermal trug. Oder ein Kind weist auffällige Narben an genau der Körperstelle auf, an der die Person aus dem erinnerten Vorleben tödlich verletzt wurde.

Bitte machen Sie sich für einen Moment klar, was das bedeutet. Wenn wir von einer materialistischen Position ausgehen, darf es für solche Übereinstimmungen nur natürliche Erklärungen geben. Eine solche gibt es jedoch nicht. 

Sofern das Kind mit der Person, deren Vorleben es erinnert, in keinem biologischen Verwandtschaftsverhältnis steht, scheidet eine genetische Vererbung als Erklärung aus. Auch eine zufällige Übereinstimmung solcher Körpermerkmale ist nahezu unmöglich: Die Wahrscheinlichkeit, dass nicht irgendeine beliebige Person, sondern ausgerechnet diejenige Person, von der das Kind behauptet, in deren Körper gelebt zu haben, genau an der gleichen Körperstelle wie das Kind selbst eine ungewöhnliche Auffälligkeit aufweist (Verstümmelung, Muttermal, Narbe beziehungsweise als Entsprechung zur Narbe oder zum Muttermal eine Schusswunde oder andere tödliche Verletzung), beträgt nahezu null.

Erstaunlicherweise gibt es aber eben nicht nur einen oder zwei von solchen Fällen, die man dann vielleicht noch als Glückstreffer abtun könnte. Nach den Auswertungen von Dieter Hassler, einem deutschen Privatforscher, den wir Ihnen auf einer separaten Artikelseite in dieser Artikelsammlung näher vorstellen werden, finden sich übereinstimmende Körpermerkmale bei knapp einem Drittel (!) aller internationalen Fälle von kindlichen Erinnerungen an ein Vorleben. Manche davon mögen interpretationswürdig sein, sehr viele dieser Übereinstimmungen sind jedoch sehr offensichtlich und durch Fotos oder medizinische Unterlagen der verstorbenen Personen auch zweifelsfrei belegt. Die meisten dieser Fälle hängen wie oben schon angedeutet mit dem Tod derjenigen Person zusammen, an deren Leben sich das heutige Kind erinnert. Genau dort, wo sich die tödlichen Wunden der Personen aus dem Vorleben befanden, zeigen sich bei den mutmaßlich wiedergeborenen Kindern auffällige Muttermale, Narben oder andere körperliche Anomalien. Hierzu schauen wir uns im Folgenden ein gut dokumentiertes Fallbeispiel an.



2) Der Fall Titu Singh

Titu Singh aus Indien kam am 10.12.1983 auf die Welt. Sobald er sprechen konnte, äußerte er seiner Mutter gegenüber seltsame Dinge:

Er mache sich Sorgen um seine Kinder und um seine Frau. Die Mutter solle bitte seinem Großvater Bescheid geben, sich gut um sie zu kümmern. Außerdem stamme er eigentlich aus Agra und wisse nicht, wie er nach Bad gekommen sei.

Agra ist eine Großstadt im Norden Indiens. Der kleine Titu lebte etwa 15 Kilometer entfernt in einem dörflichen Vorort namens „Bad“. Zwischen Titus aktueller Familie und seiner früheren Familie aus Agra bestand keine Verwandtschaft oder Bekanntschaft.

Je älter Titu wurde, umso mehr erzählte er von seinem früheren Leben und umso stärker bestand er darauf, zu seiner alten Familie und zu seinem Geschäft zurückzuwollen. Früher habe er Suresh Verme geheißen und als Eigentümer von „Suresh Radios“ Transistorradios und andere Elektrogeräte verkauft – bis er eines Tages ermordet worden sei.

Um die Erzählungen des kleinen Titu zu überprüfen, machten sich seine älteren Brüder in Agra auf die Suche nach einem Geschäft namens „Suresh Radios“. Zu ihrem Erstaunen wurden sie tatsächlich fündig und erzählten der Verkäuferin im Laden von den Behauptungen ihres Bruders Titu. 

Bei der Verkäuferin handelte es sich um Uma Verme, der Witwe von Suresh Verme. Sie bestätigte, dass ihr Mann Suresh am 28.08.1983 erschossen wurde.

Nachdem Uma Verme ihren Schwiegereltern von der Begebenheit mit Titus Brüdern erzählte, waren diese so beeindruckt, dass sie beschlossen, mit ihrer gesamten Familie nach Bad zu fahren. Bei diesem unangekündigten Besuch soll Titu seine vormaligen Familienangehörigen sofort wiedererkannt haben. Des Weiteren soll er viele Geschichten aus seinem Vorleben erzählt haben, die außer der Familie Verme niemand hätte wissen können und die allesamt durch die Familie bestätigt wurden. Beispielsweise berichtete er detailreich von gemeinsamen Familienausflügen. Weitere Details verriet er über seine Ermordung: Als er nach Hause gekommen war, hätte ihn ein Mann in seinem Auto erschossen. Der Schuss habe ihn auf seiner rechten Kopfseite getroffen.

Die Angaben Titus deckten sich mit dem Polizeibericht, den Prof. Mills einsehen durfte. Bei dieser Gelegenheit entdeckte sie ein weiteres interessantes Detail: Im Autopsiebericht war die exakte Position und auch das exakte Ausmaß der Einschusswunde vermerkt. Sie befand sich – wie von Titu korrekt beschrieben – auf der rechten Kopfseite, wenige Zentimeter rechts oberhalb des Ohrs. Just an der Stelle trägt Titu seit seiner Geburt ein Narbe. Sie hat die gleiche Größe wie die Einschusswunde laut Autopsiebericht.

Später wurden zwei weitere Besuche arrangiert, einmal in Bad und schließlich auch in Agra, wo Titu zum ersten Mal „seinen“ alten Laden betrat (siehe hierzu auch die BBC-Reportage im Video). 

Wieder erkannte der kleine Titu anwesende Personen und identifizierte Veränderungen im Laden, von denen kein Außenstehender hätte wissen können.

Titu Singh ist wie erwähnt kein Einzelfall. In seinem Buch „Reincarnation and Biology“ dokumentiert Professor Stevenson nicht weniger als 225 weitere Fälle, in denen Kinder Körpermerkmale aufweisen, die in einem unmittelbaren Zusammenhang mit ihrem Vorleben zu stehen scheinen – meistens mit den Todesumständen. Weitere Fälle finden sich bei anderen Forschern wie Prof. Haraldsson oder Prof. Pasricha.

VIDEO: BBC-Reportage über Titu Singh (auf Sat1 ausgestrahlt)

7:46 Minuten, deutsch

Ein BBC-Team dokumentierte den Fall Titu Singh in einer kurzen Reportage, die im Rahmen einer Sat1-Sendung schließlich auch in Deutschland ausgestrahlt wurde. Neben Titu selbst kommen hier verschiedene Familienmitglieder zur Wort.

3) Theoriebildung: Wie kommt es zur Übertragung körperlicher Merkmale?

Körpermerkmale sind ganz besondere Indizien, weil sie anders als kindliche Erinnerungen, Alpträume und Spielhandlungen nicht bloß Ausdruck von Gedanken sind. Sie sind physisch sichtbare Materie und als solche objektiv überprüfbar. Man kann sie sich nicht ausdenken und man kann darüber nicht lügen. Sofern natürliche Erklärungen oder der Zufall für solche biologischen Übereinstimmungen zwischen erinnerndem Kind und erinnerter Person nicht plausibel sind, drängt sich die Vermutung auf, dass der Körper sowohl des Kindes als auch der verstorbenen Person als physischer Ausdruck ein und desselben Geistes zu verstehen sind.

Religiöse Menschen würden diesen Geist als „Seele“ bezeichnen. Andere sprechen lieber von einem individuellen „Bewusstsein“. Sofern unsere Seele oder unser Bewusstsein – suchen Sie sich aus, welcher Begriff Ihnen eher zusagt – den physischen Tod überlebt und sich alsbald in einen neu entstehenden Körper begibt, könnten also bei der Herausbildung des Fötus im Mutterleib Aspekte aus unserem Vorleben einen biologischen Einfluss ausüben. Das klingt als Ansatz für ein Erklärungsmodell sicherlich gewöhnungsbedürftig, ist aber immerhin plausibler als absurde materialistische Erklärungsversuche wie Vererbung oder Zufall. Professor Jim Tucker äußert sich hierzu in einem Interview wie folgt:

„Man könnte im Hinblick auf unsere Fälle schließen: Wenn jemand gewaltsam ermordet wurde, können die traumatischen Erinnerungen Teil seines Bewusstseins bleiben, das nach dem Tod weiterbesteht und dann einen sich neu entwickelnden Fötus beeinflusst – ähnlich wie durch Hypnose sichtbare Effekte auf den Körper erzielt werden können. Allerdings handelt es sich um einen bleibenden Effekt […].“ (https://youtu.be/hRAMIHpkHBY  ab Minute 34:07)

In ähnlicher Weise mutmaßt der deutsche Reinkarnationsforscher Dieter Hassler:

„Man könnte diesen Sachverhalt so interpretieren, dass Fälle mit Muttermalen solche sind, bei denen der seelische Schock kurz vor dem Tod besonders groß war, zu wenig Zeit verblieb, um ihn zu verarbeiten und daher körperlich und geistig zu einer ‚bleibenden‘ Erinnerung wurde, die sich bis ins nächste Leben hineinzieht.“  (Hassler, Dieter: Früher, da war ich mal groß. Indizienbeweise für ein Leben nach dem Tod und die Wiedergeburt. Band 1: Spontanerinnerungen kleiner Kinder an ihr früheres Leben, Düren 2011, S. 187)

Und weiter:

„Wenn man den Zusammenhang zwischen Geburtsmalen einer heutigen Person mit Körpereigenschaften einer früheren Person akzeptiert, so hat das eine bedeutende Konsequenz: Man erkennt damit an, dass es neben der Vererbung (Genetik) und den Umwelteinflüssen (Konstitution, Krankheiten, Medikamente) noch einen psychischen Einfluss der Seele auf die körperliche Entwicklung des werdenden Kindes geben muss.“ (Hassler, Dieter: a.a.O., S. 194)

4) Weiterführende Informationen und Buchtipps