Warum die Kriterien der wissenschaftlichen Beweisführung die Wahrheitsfindung einengen und warum etwas nicht falsch sein muss, nur weil es sich wissenschaftlich nicht nachweisen lässt
Karl R. Popper (Wikimedia CC)
Dies führt nämlich dazu, dass neue, bessere Theorien und Modelle erdacht werden müssen, die eine höhere Erklärungskraft besitzen und bessere Prognosen erlauben – wobei auch diese neuen Theorien und Modelle wiederum nur „vorläufig bestätigtes“, aber kein endgültiges oder „wahres“ Wissen darstellen (siehe Quellennachweise: Popper, Karl).
Dessen ungeachtet wird in Wissenschaftsmagazinen in Internet und Fernsehen sowie in unseren Alltagsgesprächen immer wieder so getan, als handele es sich bei wissenschaftlichen Erkenntnissen um felsenfeste Wahrheiten. Eifrig wird dann verkündet, dieses oder jenes sei „wissenschaftlich bewiesen“, so als sei jeder Zweifel unangebracht. Doch so einfach ist es nicht. Wissenschaftliche Beweise liefern grundsätzlich eine nur behelfsmäßige Erkenntnis auf Zeit. Darüber hinaus sollte man sich fragen, wie Wissenschaftler überhaupt zu einem „wissenschaftlichen Beweis“ gelangen, wie also die Kriterien für einen „wissenschaftlichen Beweis“ definiert sind. Damit dasjenige, was ein Naturwissenschaftler herausfindet, als vorläufig „bewiesen“ gelten kann, sollte seine Forschungsarbeit mindestens die drei folgenden Kriterien erfüllen: Objektivität, Kontrollierbarkeit und Wiederholbarkeit. Für jedes dieser drei Kriterien gibt es sinnvolle Gründe. Zugleich schränkt aber auch jedes dieser Kriterien den Weltzugang eines Wissenschaftlers dramatisch ein. Schauen wir uns das im Folgenden anhand einiger anschaulicher Beispiele an (siehe folgende Abschnitte 2-4).
Im Rahmen einer solchen Nahtoderfahrung spüren die Betroffenen, wie sie scheinbar ihrem Körper entschweben. Dann sehen sie ihren regungslosen Körper von oben am Unfallort oder auf dem OP-Tisch liegen. Manchmal empfinden sie daran anschließend einen Sog, der sie in eine andere Welt katapultiert, oft durch einen Tunnel, an dessen Ende ein Licht wartet. Dort treffen sie entweder auf verstorbene Anverwandte oder auf engelhafte „Lichtwesen“. Einige Betroffene erleben eine intensive Lebensrückschau, in der aber nicht etwa berufliche Erfolge und materieller Reichtum, sondern emotionale Beziehungen und moralische Aspekte im Vordergrund stehen. Wieder andere erleben verschiedenste Formen der Bewusstseinserweiterung. Es soll sogar schon blinde Menschen gegeben haben, die während einer Nahtoderfahrung plötzlich sehen konnten (siehe in der Artikelsammlung "Nahtodforschung" im Themenbereich "Bewusstseinsforschung"). Doch was folgt daraus? Kann es aufgrund all dieser Erfahrungsberichte als wissenschaftlich bewiesen gelten, dass uns ein Leben nach dem Tod erwartet?
Niemand außer den Betroffenen selbst hat diese anderen Welten gesehen und niemand kann darum feststellen, ob das Erlebte der Wahrheit entspricht. Jedes einzelne Nahtoderlebnis wird als persönliche Anekdote erzählt, die sich objektiven Blicken von außen prinzipiell entzieht. Man kann deswegen nie sicher wissen, ob solche Geschichten nicht einfach nur frei erfunden sind oder – so mutmaßen Naturwissenschaftler – Resultat einer Gehirnillusion, vielleicht ausgelöst durch Sauerstoffmangel.
Um von einem wissenschaftlichen „Beweis“ zu sprechen, müsste ein Sachverhalt anders als eine Nahtoderfahrung nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv beobachtbar sein – wie zum Beispiel beim freien Fall eines Gegenstandes: Wenn Sie auf einen Tisch steigen, Ihren Arm ausstrecken und einen Stein aus Ihrer Hand fallen lassen, kann im Prinzip jeder dabei zusehen. Sie könnten den Vorgang sogar filmen und das Video nachträglich anderen Menschen zeigen. Wissenschaftler aus aller Welt könnten das Video in Ruhe auswerten und zum Beispiel die Zeit messen, die der Stein bis zum Auftreffen auf den Boden benötigt. So lässt sich der freie Fall unabhängig von Ihnen selbst – also objektiv – dokumentieren und analysieren. Und das ist eben der Unterschied zum Erlebnis einer Nahtoderfahrung, die niemand außer den Betroffenen selbst nachvollziehen kann.
Was auf der einen Seite einleuchtet, weil es für Transparenz und Nachprüfbarkeit sorgt, stellt auf der anderen Seite eine potenzielle Beschränkung dar. Was wäre nämlich, wenn die Betroffenen einer Nahtoderfahrung weder lügen noch halluzinieren? Was wäre, wenn ihr Erleben zwar nur subjektiv, aber trotzdem authentisch wäre und wenn es folglich wahrhaftig ein vom Körper unabhängiges und unsterbliches Bewusstsein gäbe? Offensichtlich würde dann ein Phänomen, das real wäre, von der Wissenschaft mangels „Objektivität“ nicht anerkannt werden können.
Wie das Kriterium der Objektivität bringt aber auch das Kriterium der Kontrollierbarkeit eine potenzielle Beschränkung mit sich, die Naturwissenschaftler daran hindert, womöglich wahrhaftige Phänomene als solche zu akzeptieren. Machen wir uns das an einem anderen, eher ungewöhnlichen Beispiel klar: Es soll Menschen geben, die behaupten, Gegenstände allein mit Gedankenkraft bewegen zu können (siehe die Artikelsammlung "Telekinese" im Themenbereich "Rätselhafte Anomalien"). Im Internet kursieren hunderte Videos von Menschen, die angeblich ein sogenanntes PSI-Wheel allein durch mentale Anstrengung andrehen. Beim PSI-Wheel handelt es sich um ein zu einer Art kleines Dach gefaltetes Papier, das man mittig auf eine Nadelspitze auflegt, auf welcher es dann rotieren kann.
Die besagten Internetvideos mögen größtenteils unterhaltsame Fälschungen sein. Aus Neugier und zu Testzwecken haben verschiedene Mitglieder aus unserem Matrixwissen-Team trotzdem den Versuch gewagt, eigene PSI-Wheels zu basteln und sie in mehreren Freizeitexperimenten allein mit Willenskraft zu bewegen. Tatsächlich hatte sich das ein oder andere Rad gelegentlich in ungewöhnlich ruckartiger Weise hin- und her bewegt. Unser Mitglied Frank hat solche seltsamen Bewegungen einmal spontan mit seiner Handykamera aufgezeichnet (siehe nachstehendes Video).
1:02 Minuten
Frank aus dem Matrixwissen-Team experimentiert mit einem Psi-Wheel und bemüht sich, Luftströme durch Wärmeentwicklung zu vermeiden (Computer aus, Heizung aus, Maske über Mund und Nase zwecks Zurückhaltung seiner Atemluft, Fenster und Türen geschlossen etc.).
12:45 Minuten, deutsch
Der bekannte US-Chirurg Dr. Lloyd Rudy (1934-2012) spricht über eine besondere Nahtoderfahrung eines Patienten
6:15 Minuten, deutsch
Hans-Peter Dürr (1929 – 2014) war ein deutscher Physiker, Philosoph und Friedensaktivist. Er war Schüler von Werner Heisenberg und langjähriger Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik in München.