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Rätselhafte Anomalien

Rätselhafte Funde und Bauwerke (1/5)
Alles nur Pseudowissenschaft?


Muss die Geschichte der Menschheit neu geschrieben werden? Das behaupten mit Verweis auf rätselhafte Funde abseitige Experten und Journalisten. Doch wie seriös sind ihre Behauptungen?


1) "Out of Place"-Artefakte: Herausforderung für die Archäologie?

Weltweit gibt es eine Reihe von archäologischen Funden, die auf den ersten Blick rätselhaft wirken. Dazu gehören beispielsweise Steinformationen unter Wasser, etwa die Ostsee-Anomalie oder das Yonaguni-Monument. Wegen ihrer geraden Linien erwecken sie den Anschein, künstlich angelegt zu sein. Die klassische Archäologie kann Steinformationen wie diese allerdings keiner ihr bekannten Zivilisation zuordnen (deshalb: „Out of Place“). Die große Mehrheit aller Archäologen geht deshalb davon aus, dass es sich bei solchen Funden letztlich nur um natürliche Steinformationen handelt, auch wenn sie etwas außergewöhnlich aussehen.

Das Yonaguni-Monument, Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Yonaguni_Monument_Main_Terrace.jpg (cc)

Ein weiterer Dauerbrenner sind megalithische Bauwerke wie die große Pyramide von Gizeh, von der bis heute nicht ganz klar ist, wie die extrem großen und schweren Steinblöcke mit damaliger Technologie bewegt worden sein könnten. 

Es gibt hierzu eine Reihe von Theorien, aber kein gesichertes Wissen. Dennoch zweifelt heute kaum ein renommierter Archäologe an der vorherrschenden Theorie, dass die große Pyramide von den alten Ägyptern als Pharaonengrab errichtet worden sein muss.

Wer die Konstruktion solch erstaunlicher megalithischer Bauwerke oder den Fund von vermeintlichen „Out of Place“-Artefakten auf alternative Weise erklärt, gilt gemeinhin als Pseudowissenschaftler, was insofern verständlich ist, als entsprechende Alternativtheorien mangels klarer Beweise spekulativ bleiben.

Im Folgenden können Sie sich einen Überblick über solche Alternativtheorien verschaffen. Auf den nächsten Artikelseiten werden wir außerdem einige der ungewöhnlichsten Funde und Bauwerke unseres Planeten etwas detaillierter präsentieren und insbesondere erklären, welche ungelösten Rätsel sie (noch) bergen.

2) Die "Lost Civilistaion"-Hypothese

Nach unserem aktuellen historischen Verständnis haben sich vor etwa 5500 bis 5000 Jahren die ersten Hochkulturen gebildet: zunächst in Mesopotamien und dann in Ägypten. 

Vertreter der „Lost Civilisation“-Hypothese argumentieren, dass es unwahrscheinlich sei, dass die Ägypter als frühe Hochkultur in der Lage waren, solch unglaubliche Bauwerke wie die große Pyramide von Gizeh zu errichten, die selbst heute - mit modernster Technik - schwer zu errichten wären. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie genau die riesigen Steinblöcke bewegt und in große Höhen gebracht wurden, sondern auch darum, wie es sein kann, dass das Bauwerk offenbar deutlich präziser gebaut wurde, als es auf Basis der damaligen technischen Fertigkeiten der Ägypter zu erwarten gewesen wäre (mehr dazu erfahren Sie auf der folgenden Artikelseite). So vermuten einige alternative Forscher, dass hier womöglich eine technologisch potentere Hochkultur am Werk war, die dann aber aus irgendwelchen uns unbekannten Gründen untergegangen sein muss, und die – abgesehen von megalithischen Bauwerken wie der großen Pyramide und ähnlich unerklärlichen Bauten an anderen Orten der Welt – keine Spuren hinterlassen hat.

Ergänzend bedienen sich die Vertreter dieser Hypothese mythologischer Erzählungen. Eine besondere Auffälligkeit sehen sie in der Sage von der Sintflut, von der in vielen Kulturen der Welt unabhängig voneinander berichtet wird. Auch wird in Mythologien häufig von hochentwickelten Wesen (Götter/Halbgötter) berichtet, die den Menschen technologisches Wissen brachten und uns die Zivilisation lehrten.

In der Deutung der „Lost Civilisation“-Hypothese könnte die Sintflut eine reale Naturkatastrophe gewesen sein, ausgelöst zum Beispiel durch einen Polsprung oder einen Meteoriteneinschlag. Dies könnte dazu geführt haben, dass eine frühere Hochkultur mit fortschrittlichem Wissen zerstört wurde. Die (Halb-)Götter aus den verschiedenen Mythologien könnten demnach Überlebende solch fortschrittlicher Zivilisationen gewesen sein, die ihr Wissen dann an die übrigen, noch steinzeitlich lebenden Gesellschaften weitergaben.

Der populärste Vertreter dieser Hypothese ist der US-amerikanische Journalist Graham Hancock. Seine Bücher „Fingerprints of God“ und „America before“ haben sich millionenfach verkauft (siehe Quellenangaben unten). Auf Netflix gibt es eine eigene Doku-Serie zu Graham Hancock und seiner Theorie. Den Trailer dazu und den Link zur Serie haben wir unten eingefügt.

Die „Lost Civilisation“-Hypothese ist durchaus reizvoll und weist immerhin eine gewisse innere Logik auf – harte empirische Beweise fehlen jedoch. Das Vorhandensein unerklärlicher oder schwer erklärbarer Bauwerke liefert nicht mehr als Indizien. Die Bauwerke als solche verraten uns ja noch nicht, wer sie wann und warum gebaut hat. Und leider lässt sich Stein auch nicht wie organisches Material datieren, sodass wir nicht sicher nachprüfen können, wann die fraglichen Bauwerke jeweils errichtet wurden.

VIDEO: Trailer zu Netflix-Doku zur "Lost Civilisation"-Hypothese

2:12 Minuten, englisch

In dieser Netflix-Doku-Serie wird Graham Hancock und seine Theorie einer verschollenen Hochkultur ausführlich präsentiert. Hier gelangen Sie direkt zur Doku-Serie:
https://www.netflix.com/title/81211003

3) Die "Ancient Aliens"-Hypothese bzw. "Präastronautik"

Die „Ancient Aliens“-Hypothese bzw. "Präastronautik" argumentiert eigentlich genau gleich wie die „Lost Civilisation“-Hypothese, nur dass sie anstelle einer verschollenen menschlichen Kultur außerirdische Besucher als Urheber unerklärlicher Bauwerke und als Überbringer moderner Technik und Zivilisation sieht.

Die Götter und Halbgötter, die in vielen Mythologien vom Himmel kamen, waren demnach nichts anderes als Aliens.

Der populärste Vertreter dieser Hypothese ist Erich von Däniken (1935-2026). Sein Buch "Erinnerungen an die Zukunft" aus dem Jahr 1968 war ein Weltbestseller. Nachstehend finden Sie ein Video, in dem Erich von Däniken einige seiner Argumente vorstellt.

Auch die „Ancient Aliens“-Hypothese (Präastronautik) hat natürlich ihren Reiz. Wie bei der „Lost Civilisation“-Hypothese fehlen aber auch hier harte empirische Beweise. Sie bleibt spekulativ und darum aus Sicht der klassischen Archäologie nur Pseudowissenschaft.

Zur Verteidigung der pseudowissenschaftlichen „Lost Civilisation“- sowie der „Ancient Aliens“-Hypothese sei abschließend bemerkt, das auch die klassische Archäologie in vielen Aspekten spekulativ bleiben muss. Das liegt an den gleichen Gründen: Es mangelt an harten Beweisen. Stein lässt sich wie gesagt nicht datieren und über den Entstehungskontext und die Konstruktionsweise rätselhafter Bauwerke und Funde weltweit besteht kein gesichertes Wissen, solange es an eindeutigen Quellen mangelt. Machen Sie sich gerne selbst ein Bild von potentiellen „Out of Place“-Funden und studieren Sie hierzu die folgenden Artikelseiten.

VIDEO: Erich von Däniken und seine These der Präastronautik

92 Minuten, deutsch

1970 wurde Erich von Dänikens Weltbestseller "Erinnerungen an die Zukunft" verfilmt. Befürworter bewundern seine origenellen Interpretationen und Gedankengänge. Kritiker bezeichnen Dänikens Herangehensweise hingegen als pseudowissenschaftlich.

4) Weiterführende Informationen und Buchtipps