Die große Pyramide von Gizeh ist ein Meisterwerk der Baukunst. Bis heute ist nicht vollends geklärt, wie genau sie errichtet wurde.
Querschnitt durch die Cheops-Pyramide: 1. Ursprünglicher Eingang; 2. al-Ma'mun-Tunnel (heutiger Zugang); 3. Verbindung zwischen ab- und aufsteigendem Korridor; 4. Absteigender Korridor; 5. Felsenkammer; 6. Aufsteigender Korridor; 7. Königinnenkammer mit „Luftschächten“ (7′); 8. Horizontaler Gang; 9. Große Galerie; 10. Königskammer mit „Luftschächten“ (10′); 11. Korridor zur Königskammer mit Blockiersteinkammer; 12. Luft- oder Fluchtschacht mit „Grotte“
BILDQUELLE: https://de.wikipedia.org/wiki/Cheops-Pyramide#/media/Datei:Kheops-coupe.svg (gemeinfrei)
Nach klassischer Vorstellung der Archäologen nutzten die Ägypter eine Kombination aus Rampen, Hebeln und Holzrollen, um die tonnenschweren Steine aus Steinbrüchen am Nil heranzuschaffen und präzise in Position zu bringen.
Der Kern der Pyramide besteht aus grob behauenen Kalksteinen, während die Außenschicht aus feinerem Kalkstein bestand, der die Pyramide hell glänzend erscheinen ließ. Granitblöcke für die Königskammer und Entlastungskammern wurden vermutlich aus Aswan herangeschafft – über 800 Kilometer den Nil hinauf. Alle Steine wurden in sorgfältig geplanter Weise übereinandergeschichtet. Die Gesamthöhe der Pyramide betrug ursprünglich 146,6 Meter bei einer Grundfläche von ca. 230 x 230 Metern.
Konkrete Baupläne oder schriftliche Quellen mit zeitgenössischen Berichten zum Pyramidenbau wurden leider nie gefunden - zumindest keine, die Aufschluss über die Bauweise und den Zweck des Baus geben. Die schriftlichen Quellen beschränkten sich lange Zeit nur auf Darstellungen des griechischen Gelehrten Herodot, der allerdings 2000 Jahre (!) später lebte, sowie auf Inschriften auf Steinen, die auf mutmaßlich beteiligte Personen hinweisen, etwa auf den Verwaltungsbeamten Hemiunu. Die direkte Zuordnung dieser Inschriften und Personen zum Pyramidenbau in Gizeh bleibt jedoch spekulativ.
Erst zu Beginn der 2010er Jahre fand ein französisches Archäologenteam im antiken Hafen Wadi al-Dscharf am Roten Meer ein Papyrus-Dokument, das eindeutige Angaben zum Bau der Pyramide enthält. Es wird als „Tagebuch des Merer“ (oft auch als Logbuch des Merer oder Papyrus Jarf) bezeichnet und ist der älteste jemals entdeckte Papyrus mit Text. Dabei handelt es sich um ein administratives Logbuch aus der Regierungszeit des Pharaos Cheops (Khufu), verfasst von einem mittleren Beamten namens Merer. Dieser leitete eine etwa 200 Mann starke Arbeitsgruppe und beschreibt in seinem Tagebuch detailliert, wie sein Team weiße, feine Kalksteinblöcke aus den Steinbrüchen von Tura abholte. Diese tonnenschweren Steine wurden auf Boote verladen, über den Nil transportiert und Richtung Gizeh verschifft. Merer selbst macht in seinem Logbuch leider keine Angaben darüber, wozu die Steine vor Ort benötigt und wie sie weiterverwendet wurden. Historiker vermuten, dass sie dem Bau der Außenhülle der Pyramide dienten. Grundsätzlich aber enthält das Tagebuch des Merer weder Hinweise zum Bauprozess noch zur Zweckbestimmung der Pyramide.
Auch die Fundstücke, auf die sich Ägyptologen beziehen können, sind spärrlich: einige Werkzeuge, Reste von vermuteten Rampenanlagen, Steinbrüche und Lagerplätze. Dazu kommen geophysikalische Untersuchungen und Satellitenbilder. Auf dieser Basis versucht man dann abzuleiten, wie die Pyramiden errichtet worden sein könnten. Mit digitalen Rekonstruktionen im Computermodell und durch experimentelle Nachbauten im kleinen Maßstab versuchen Forschende zu zeigen, wie Rampen, Hebel und Schlitten mutmaßlich eingesetzt wurden. Ob die Pyramiden wirklich auf diese Weise gebaut wurden, wissen wir aber mangels zuverlässiger Quellen nicht wirklich.
Warum geht die Ägyptologie trotzdem von einer Bauzeit von nur 20 (oder maximal 30) Jahren aus? Ganz einfach: Weil es bei einer deutlich späteren Fertigestellung nicht möglich gewesen wäre, das Bauwerk als Grabmal für den Pharao zu nutzen. Dies ist aber die Funktion, die Historiker den Pyramiden zuweisen. Sollte sich diese Hypothese als falsch erweisen, würde unser gesamtes heutiges Bild über die Cheops-Pyramide mit einem Mal zerbrechen. Was das für die Ägyptologie bedeuten würde und warum ein offenes, selbstkritisches Infragestellen vonseiten der Ägyptologie nicht zu erwarten ist, können Sie auf unserer Artikelseite "Starre Paradigmen und kognitive Dissonanz" nachlesen.
Kritische Fragen kommen darum auch nicht so sehr von den Historikern und Archäologen, sondern eher von Außenstehenden - zum Beispiel von Steinmetzen, Statikern, Architekten und Ingenieuren, die sich mit dem Bau der Cheops-Pyramide befassen.
121 Minuten, deutsch
Dieser Dokumentarfilm beleuchtet die außergewöhnlichen Merkmale der großen Pyramide und stellt sie auch in den Kontext anderer monumentaler Bauwerke des Altertums. Der Bericht wirkt zwar in seiner Aufmachung sehr sensationsheischend und tendenziös, ist aber dennoch zumindest in den ersten 80 Minuten stark faktenbasiert und lässt eine Reihe teils hochkarätiger Experten zu Wort kommen. Ab Minute 81 nimmt der Film dann eine spekulative Wendung, weil ab hier die bis dahin präsentierten Fakten interpretiert werden. Die Autoren des Films gehen von der "Lost-Zivilisation-Hypothese" aus, nehmen also an, dass eine verschollene Hochkultur der wahre Erbauer der Pyramiden ist. Dies lässt sich natürlich nicht beweisen und stellt nur eine von mehreren möglichen Deutungen der Fakten dar. Mehr dazu erfahren Sie auf der vorigen Artikelseite.
Anmerkung: Anfang 2023 wurde der volle Film auf Youtube gelöscht, sodass Sie hier nur noch einen kleinen Ausschnitt sehen können. Das ganze Video können Sie aber auf anderen, anonymen Portalen schauen (von denen wir uns ansonsten inhaltlich distanzieren wollen, weil hier auch viel Ungeprüftes und Unseriöses gepostet wird):
https://gloria.tv/post/8VmXAVdNFWYY4iEbxkEuYMdQ2#105
Alternativ können Sie den Film auch auf DVD beziehen, z.B. hier: https://www.amazon.de/Das-Geheimnis-Pyramiden-2-DVDs/dp/B0052I3YC6