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Bewusstseinsforschung

Wo steckt das Bewusstsein (2/5) 
Ist das Gehirn Träger oder nur Überträger von Bewusstsein? - Teil 1


Wenn bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) zeigen, welche Gehirnareale bei bestimmten Sinneswahrnehmungen, Körperfunktionen oder Emotionen aktiv sind, muss das nicht zwingend bedeuten, dass sämtliche Wahrnehmungen und Emotionen auch ursächlich im Gehirn entstehen. Theoretisch könnten unsere Hirnaktivitäten genausogut auch die Wirkungen von Bewusstseinszuständen zeigen. Demnach könnte das Gehirn Transmitter (Überträger) und Schnittstelle für ein Bewusstsein sein, das sich gar nicht im Gehirn befindet und erst recht nicht dort erzeugt wird, sondern das aus einer nichtphysischen Ebene heraus mit dem Körper in Verbindung steht. Im nun folgenden Artikel wird dieses Alternativmodell vom Gehirn als "Korrelat" von Bewusstsein anhand zahlreicher Beispiele verständlich vorgestellt.


1) Die Grundlagen des Modells

Zugegeben – die Idee, dass Bewusstsein im Gehirn entsteht, ist recht naheliegend. Hirnforscher können inzwischen recht gut feststellen, welche Bereiche im Gehirn bei verschiedenen Wahrnehmungen und Erlebnissen beteiligt sind. Außerdem kann die Einnahme bestimmter materieller Substanzen, die auf unser Gehirn wirken (psychoaktive Drogen, Psychopharmaka), nachweislich unseren Bewusstseinszustand verändern. Das Gehirn scheint deshalb vordergründig der Träger von Bewusstsein zu sein.

Andererseits leuchtet es intuitiv nicht unbedingt ein, warum Materie ein Bewusstsein entwickeln sollte. Warum fangen Moleküle, sobald sie in einer bestimmten Anordnung auftreten, plötzlich zu denken an? Wie kann bloße Materie in der Lage sein, Gefühle zu erzeugen und Schmerzen zu empfinden? Und wieso sollte Materie sich Fragen nach dem Sinn des Lebens stellen?

Philosophisch betrachtet lässt sich aus einem beobachtbaren Zusammenhang zwischen Gehirnaktivität und Bewusstseinszustand noch keine eindeutige Kausalität ableiten. Oder einfacher formuliert: Die Tatsache, dass bestimmte Gehirnzustände mit bestimmten Bewusstseinszuständen einhergehen, beweist als solche noch nicht, dass das Gehirn zugleich auch die ursächliche Quelle für diese Bewusstseinszustände sein muss. Theoretisch denkbar wäre auch, dass sich das Bewusstsein außerhalb des Gehirns befindet, jedoch mit dem Gehirn in Verbindung steht. Unter dieser Prämisse wäre sogar eine umgekehrte Kausalität denkbar, das heißt die Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Gehirn und Bewusstsein könnte genau andersherum verlaufen: Ein veränderter Gehirnzustand könnte demnach auch einfach nur der physische Ausdruck, also die Folge einer Bewusstseinsveränderung sein und nicht deren Ursache.

Das Gehirn kann man dieser Hypothese folgend als ein Korrelat des Bewusstseins betrachten, so wie ein Monitor und eine Tastatur Korrelate eines Desktopcomputers sind. Monitor, Tastatur und Computer sind getrennte Geräte, aber miteinander verbunden. Was man am Monitor beobachten kann, wird dort nicht ursächlich erzeugt, sondern geht auf die Operationen und Befehle des externen Computers zurück. Und was über die Tastatur eingegeben wird, wird nicht in der Tastatur selbst, sondern im Computer verarbeitet.



2) Eine einfache Analogie: Die Computer-Metapher

Das Gehirn könnte also eine Art Sender und Empfänger für Bewusstseinsinhalte sein. Als Empfänger verhält es sich zum Bewusstsein wie der Monitor zum Computer:

 Es erhält Informationen und Befehle und setzt diese nach außen hin sichtbar um. Was auf dem Monitor verschiedene Formen, Farben und Bildabläufe sind, entspricht im Gehirn der Aktivität verschiedener Gehirnregionen mit den daraus resultierenden Gedanken, Gefühlen und körperlichen Bewegungsabläufen.

Als Sender verhält sich das Gehirn ähnlich wie die Tastatur zum Computer.

Es speist Informationen in den Computer ein, die dort verarbeitet werden und unter Umständen zu einer äußerlich sichtbaren Rückmeldung auf dem Monitor führen. Was bei der Tastatur der Eingabe von Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen entspricht, bedeutet beim Gehirn die Übermittlung sämtlicher Wahrnehmungen wie etwa Sinneseindrücke oder Schmerzempfinden.

Die Verarbeitung aller Informationen, die durch die Tastatur eingegeben werden und die Entscheidung darüber, was an den Monitor ausgegeben wird, erfolgt ausschließlich im Computer, nicht in der Tastatur oder im Monitor. Der Computer ist die Schaltzentrale, in der alle Fäden zusammenlaufen und alle Informationen gespeichert werden. In gleicher Weise finden alle Emotionen und Gedanken sowie die Wertung und Verarbeitung derselben nach dem hier vorgeschlagenen Modell nicht im Gehirn (Monitor und Tastatur), sondern im Bewusstsein (Computer) statt. Im Bewusstsein werden Eindrücke, Gedanken und erlebte Gefühle auch zurückerinnert, so wie Daten auf einer Festplatte im Computer abgespeichert werden und nicht etwa in der Tastatur oder im Monitor. Das Gedächtnis befindet sich demnach nicht im Gehirn und kann dort von Hirnforschern auch nicht gefunden werden. Das Gehirn spiegelt nach dem hier geschilderten Modell nur Erinnerungen wider, die aus dem Bewusstsein stammen, so wie ein Monitor Fotos, Videos und Textdateien anzeigt, die auf der Festplatte des Computers liegen.



3) Eine weitere Analogie: USB-Stick vs. Cloud

Die Frage, ob dieses philosophische Alternativmodell der Wahrheit näherkommt als das naturwissenschaftliche Konzept des Bewusstseins als Konstrukt des physischen Gehirns, hat weitreichende Konsequenzen:

Wenn das Gehirn Quelle und Träger von Bewusstsein wäre, würde das Bewusstsein aufhören zu existieren, sobald der Träger zerstört ist. Das ist so ähnlich, als würde man einen USB-Stick mit einem Hammer zertrümmern und die Einzelteile anschließend verbrennen. All die Informationen, die sich auf diesem Datenträger befanden, sind dann für immer verloren. Anders wäre es, wenn die Daten auf dem Stick nur eine Spiegelung von Daten waren, die ursprünglich aus einer Cloud stammten, für die aber niemand den Zugriffscode kennt. Wird der Stick zerstört, sind die Daten immer noch da. Sie sind allerdings nicht mehr zugänglich, weshalb der Eindruck entstehen könnte, sie seien weg. Tatsächlich sind sie aber noch vorhanden, jedoch in einem nicht zugänglichem Bereich. Sie ahnen schon, worauf wir hinauswollen: Sollte das hier präsentierte Modell des Bewusstseins als vom Gehirn unabhängige Entität zutreffen und das Gehirn nicht dessen Träger, sondern nur sein Überträger sein, dann wäre unser Weiterleben nach dem Tod nicht nur denkbar, sondern eine logische Konsequenz. Die Cloud wäre dann eine passende Metapher für das, was religiöse Menschen gemeinhin als „Jenseits“ bezeichnen.

Sollten wir mit der Cloud und dem USB-Stick unnötige Verwirrung gestiftet haben, können wir das Ganze auch wieder auf unser Beispiel von Monitor, Tastatur und Computer begrenzen: Sollten Monitor und Tastatur kaputtgehen, was in unserem Modell einer Zerstörung des physischen Gehirns gleichkäme, überlebte der Desktopcomputer beziehungsweise unser Bewusstsein diesen Vorgang völlig unbeschadet. Wegen des schwarzen Bildschirms mag es so scheinen, als sei jegliche Aktivität des Computers erloschen, so wie ein lebloser Körper den Anschein erweckt, als sei das Bewusstsein des Verstorbenen nicht mehr existent. Dem ist aber nach dem hier diskutierten Modell nicht so. Im Hintergrund existiert das Bewusstsein weiter, so wie der Desktopcomputer auch ohne Monitor und Tastatur technisch einwandfrei funktioniert. Alle Daten sind noch vorhanden, der Prozessor läuft tadellos. Es gehen halt bloß von der kaputten Tastatur keine Informationen mehr ein und wegen des funktionsunfähigen Monitors ist nach außen hin nichts mehr sichtbar. Mit anderen Worten: Das Gehirn sendet keine Körperwahrnehmungen mehr, die das Bewusstsein verarbeiten könnte, und es empfängt nichts mehr, was es über die Körperaktivität ausdrücken könnte. 

Mit ein wenig Fantasie könnte man sich nun ausmalen, wie der Computer im Hintergrund über eine unsichtbare Funkverbindung trotzdem weiterhin Input erhalten würde – ganz ohne Tastatur und mit anderem Inhalt:

Vielleicht könnte er über eine solche Funkverbindung auch weiterhin nach außen kommunizieren – ganz ohne Bildschirm und an andere Empfänger, die in der Lage wären, sein Funksignal zu empfangen. Die „Funkverbindung“ steht an dieser Stelle symbolisch für eine nichtphysische Informationsübertragung. Dabei sind wir uns dessen bewusst, dass Funkverbindungen eigentlich physischer Übertragungsgeräte bedürfen (so wie jede Cloud eines physischen Datenträgers bedarf). Weil es in unserer physischen Lebensumwelt aber keinerlei Entsprechung für irgendetwas gänzlich Nichtphysisches gibt, müssen wir leider bei holprigen Metaphern wie diesen bleiben. Bitte sehen Sie uns das nach und stellen Sie sich einfach vor, dass es sich hier um eine Funkverbindung handelt, deren Infrastruktur nichtphysisch ist. Dasselbe gilt für den Desktopcomputer, der ja ein nichtphysisches Bewusstsein repräsentiert. Dann passt die Analogie zu der Annahme, dass unser Bewusstsein nach dem physischen Tod dazu in der Lage ist, in nichtphysischen Welten mit anderen nichtphysischen Entitäten zu kommunizieren.

Des Weiteren ließe sich dann spekulieren, ob es vielleicht auch „Funkverbindungen“ geben könnte, die in unsere physische Welt hineinragen. Vielleicht könnten medial begabte Menschen diese Funksignale aus dem „Jenseits“ über entsprechende Schnittstellen empfangen und uns Botschaften von einem Verstorbenen übermitteln.

Vielleicht sind Sie als Leser aber auch der Meinung, dass wir als Autoren das Wort „vielleicht“ gerade ein wenig überstrapazieren und die Spekulationen inzwischen Überhand nehmen. Der Vorwurf der Spekulation lässt sich sehr gut nachvollziehen, sofern Sie als Leser bislang keinerlei persönliche Erfahrungen mit Medialität oder anderen ungewöhnlichen Bewusstseinsphänomenen gemacht haben. Viele Menschen erleben jedoch übersinnliche Dinge dieser Art, die nach einer Erklärung drängen. Es gibt sogar einige Wissenschaftler, die nach entsprechenden Antworten suchen (in unserer Artikelsammlung "Wissenschaftliche Studien zu Jenseitskontakten" finden sie sozialwissenschaftliche Forschungsprojekte, in denen ernsthaft versucht wurde, die Authentizität von Jenseitskontakten in kontrollierten Experimenten nachzuweisen).

4) Zwischenfazit und Ausblick

Zurück zu unserem Modell: Wenn Bewusstsein nichtphysisch ist, wird man es nirgendwo in diesem physischen Universum finden können. Es befindet sich dann in einem „Raum“, der nicht räumlich ausgedehnt ist. Das klingt abstrakt und ist nicht wirklich vorstellbar, weil es sinnlich eben nicht erfahrbar ist. Was nichtphysisch ist, ist reiner Geist, jenseits von Materie, jenseits von Raum und womöglich auch jenseits von linearer Zeit.

Wenn wir vorhin den Desktopcomputer als Metapher für Bewusstsein verwendet haben, dürfen wir uns diesen wie gesagt nicht als physisches Gerät vorstellen. In Wirklichkeit haben wir es in diesem Modell mit einem „metaphysischen Computer“ zu tun, der sich aber mit physischen Ein- und Ausgabegeräten wie einer Tastatur und einem Monitor verbinden kann, so wie sich geistiges Bewusstsein mit einem physischen Gehirn verbinden kann.

Erklärungsbedürftig ist dann, wie man sich genau die Schnittstellen vorzustellen hat und wie konkret die Übersetzung vom Nichtphysischen ins Physische und zurück funktioniert. Verschiedene Interpretationen zu dieser Frage behandeln wir separat im Themenbereich "Philosophie und Wissenschaft", dort finden Sie beim Biologen Rupert Sheldrake sowei bei den Physikern Burkhard Heim und Thomas Campbell entsprechende Theorien. In der nun folgenden Artikelseite soll es zunächst nur darum gehen, das Modell des Gehirns als Sender und Empfänger für ein nichtphysisches Bewusstsein zu nutzen, um verschiedene Erkenntnisse aus der Hirnforschung in einer alternativen, nichtmaterialistischen Weise zu deuten und so das mögliche Zusammenspiel von Gehirn und Bewusstsein anhand verschiedener Beispiele zu verdeutlichen.

5) Weiterführende Informationen und Buchtipps