Themenbereich
Bewusstseinsforschung

Wissenschaftliche Studien zu Jenseitskontakten (2/4)
Internationale und historische Studien


Lernen Sie hier weitere Studien kennen, in denen Medialität wissenschaftlich untersucht wurde.


Inhaltsübersicht:

  1. Oliver Lodge: "Raymond, or, Life and Death"
  2. Prof. Gary Schwartz & Dr. Julie Beischel: Eine "Dreifachblind"-Studie
  3. Dr. Emily Williams Kelly: Eine Studie mit Fotos und Ranglisten
  4. Weiterführende Informationen und Buchtipps

1) Oliver Lodge: "Raymond, or, Life and Death"

Der erste renommierte Wissenschaftler, der ein umfassendes Werk zum Thema Jenseitskontakte publiziert hat, war Sir Oliver Lodge (1851-1940). 

Oliver Lodge war ein auf praktische Anwendungen spezialisierter englischer Physiker.

Er trieb die Entwicklung der Funktelegrafie voran und konstruierte Zündkerzen, Vakuumröhren und Lautsprecher. Noch vor Heinrich Hertz entdeckte er die elektromagnetische Strahlung.

Von 1900 bis 1920 leitete Oliver Joseph Lodge die Universität von Birmingham und von 1901 bis 1903 sowie 1932 war er Präsident der Society for Psychical Research, einer Vereinigung zur Erforschung parapsychologischer Phänomene. Diese Vereinigung wurde 1882 in London gegründet und war die erste ihrer Art. Als Parapsychologe nahm Lodge an, dass unser Bewusstsein den physischen Tod überlebt. Seine diesbezügliche Haltung begründete er ausführlich in seiner Veröffentlichung "The Survival Of Man. A Study in Unrecognised Human Faculty" aus dem Jahr 1909 (diese Schrift ist als PDF unter diesem Link abrufbar: https://archive.org/details/in.ernet.dli.2015.222828/page/n7/mode/2up).

Nachdem wenige Jahre später sein Sohn Raymond im ersten Weltkrieg starb, suchte er ein Medium auf, um mit seinem Sohn in Kontakt zu treten - was nach eigenen Angaben auch gelang. Dieses Ereignis bewog Lodge dazu, systematisch an der Möglichkeit von Jenseitskontakten zu forschen und deren Realität zu belegen. Seine Bemühungen mündeten in seinen Bestseller aus dem Jahr 1916 "Raymond, or, Life and death", der heute noch als Reprint erhältlich ist - siehe hierzu die Quellenangaben am Seitenende (Weiterführende Informationen und Buchtipps).

2) Prof. Gary Schwartz & Dr. Julie Beischel: Eine "Dreifachblind"-Studie

Gary Schwarz ist Professor für Psychiatrie und Psychologie an der Universität von Arizona. Zusammen mit der Psychologin Dr. Julie Beischel hat er 2007 eine „Dreifachblind“-Studie durchgeführt, um die Authentizität von Jenseitskontakten durch ausgewählte Medien zu überprüfen. Mit „dreifachblind“ ist gemeint, dass auf dreifache Weise versucht wurde, die Möglichkeit einer natürlichen Informationsübertragung zu eliminieren:

1. Die Hinterbliebenen standen vorab in keinerlei Kontakt zu den getesteten Medien und waren während der Sittings auch gar nicht anwesend. So konnte ausgeschlossen werden, dass die Hinterbliebenen absichtlich oder versehentlich Informationen über die verstorbene Person an die Medien weitergeben oder die Medien Cold Reading betreiben.

2. Die Rolle der Hinterbliebenen nahmen in den Sittings jeweils Stellvertreter ein, die aber in keinerlei Beziehung zu den Verstorbenen oder den Hinterbliebenen standen und deshalb ebenfalls über keinerlei Informationen verfügten. Sie dienten bloß als Ansprechpartner für die Medien, damit diese überhaupt jemanden vor sich sitzen hatten, dem sie ihre Informationen übermitteln konnten.

3. Auch den Medien wurde natürlich seitens der Versuchsleiter nichts über die Verstorbenen oder ihre Angehörigen mitgeteilt. Sie erhielten nur den Auftrag, die verstorbenen Angehörigen der ihnen unbekannten Hinterbliebenen zu kontaktieren, zu beschreiben und gegebenenfalls empfangene Botschaften zu übermitteln.

Die Experimentatoren gingen nach einem sehr ausgeklügelten Protokoll vor. Insgesamt wurden acht Medien getestet. Als Hinterbliebene wurden acht Studenten der Universität von Arizona angeheuert. Vier von diesen acht Studenten hatten jeweils ein Elternteil verloren, die anderen vier jeweils einen Freund.
Die Experimentatoren „gruppierten“ nun die Verstorbenen in Zweiergruppen: Jeweils einer der vier verstorbenen Freunde wurde einem der vier verstorbenen Elternteile zugeordnet, sodass für die Untersuchung eine Auflistung von vier Zweiergruppen entstand (bestehend aus je einem Freund und einem Elternteil). Jedem der acht Medien wurde nun eine solche Zweiergruppe zugeteilt. Weil es nur vier Zweiergruppen aber acht Medien gab, erhielten jeweils zwei Medien dieselbe Zweiergruppe als „Kontaktziel“.

Jedes der acht Medien sollte nun in einem ersten Sitting die erste Person und in einem zweiten Sitting die zweite Person kontaktieren und möglichst zutreffend beschreiben. – Nochmal zur Erinnerung: Nur die Experimentatoren wussten zu diesem Zeitpunkt, welches Medium in welcher Reihenfolge welche Person kontaktieren soll. Weder die Medien selbst noch die Hinterbliebenen beziehungsweise die Stellvertreter waren darüber im Bilde. Sie waren eben alle drei „blind“ ins Experiment gegangen.

Nach den Sittings wurden den acht Hinterbliebenen jeweils zwei Beschreibungen vorgelegt: Einmal die Beschreibung ihres verstorbenen Angehörigen und einmal die Beschreibung des fremden Verstorbenen, der ihrem eigenen verstorbenen Angehörigen bei der Bildung von „Zweiergruppen“ zugeteilt wurde. Das Ganze geschah dann ein zweites Mal, weil ja für jede Zweiergruppe zwei Medien beauftragt wurden. Für alle erhaltenen Berichte mussten die Hinterbliebenen dann auf einer Skala von eins bis sechs bewerten, wie gut diese ihre verstorbenen Angehörigen beschreiben. Eine Sechs bedeutete „maximale Übereinstimmung“, eine Eins bedeutete „keine Übereinstimmung“.

Mit der „Zielperson“ ist hier jeweils der verstorbene Angehörige eines befragten Hinterbliebenen gemeint. Die „Kontrollperson“ bezeichnet jeweils den fremden Verstorbenen aus der „Zweiergruppe“.
Beurteilung der Zielperson Beurteilung der Kontrollperson. Quelle: Eigene Grafik auf Basis der Daten von Schwartz & Beischel

Sollten Jenseitskontakte nur esoterischer Unfug sein, dann dürfte eigentlich keine einzige Beschreibung wirklich gut passen und es müssten ausschließlich Werte Nahe eins oder zwei angegeben werden – es sei denn, ein Medium hätte einen glücklichen Zufallstreffer gelandet. Dann könnte im sehr unwahrscheinlichen Einzelfall auch ein höherer Wert erzielt worden sein. 

Allerdings könnte man vorab nicht sagen, bei welchem der beiden Verstorbenen aus einer Zweiergruppe dieser Wert dann auftauchen würde. Ob eventuelle Glückstreffer beim „richtigen“ Verstorbenen oder beim „fremden“ Verstorbenen erfolgen, wäre ja, wenn die Medien ohnehin nur raten, reiner Zufall. Sollten Jenseitskontakte hingegen echt sein und funktionieren, sollte man erwarten, dass die acht Hinterbliebenen aus den ihnen vorliegenden Beschreibungen stets diejenigen deutlich höher bewerten, die für ihre verstorbenen Angehörigen erstellt wurden. Man sollte dann auch erwarten dürfen, dass zumindest einige besonders treffende Beschreibungen dabei sind, die mit einer Vier, einer Fünf oder sogar höher bewertet werden.

Tatsächlich zeigte sich das Bild, das Sie der Tabelle entnehmen können. In keinem einzigen Fall bewerteten die Hinterbliebenen die Beschreibung der Kontrollperson höher als die der Zielperson. Das spricht klar gegen Zufall. Bei den ersten drei Medien bewerteten die Hinterbliebenen die Beschreibung der Zielperson sogar fast mit dem Maximalwert. Das deutet darauf hin, dass hier tatsächlich ein funktionierender Jenseitskontakt stattgefunden haben muss. Denn für bloße Zufallstreffer, also richtiges Erraten, sind diese Resultate viel zu unwahrscheinlich. Eigentlich dürfte man, sofern die Medien einfach nur raten würden, in keinem einzigen Fall Werte von 5.0 oder höher erwarten. Die Chance, dass ein Medium rein zufällig eine umfassende und spezifische Personenbeschreibung liefert, die fast durchgehend stimmig ist, liegt nahe Null. Tatsächlich tauchen Werte von 5.0 oder höher aber gleich drei (!) Mal auf. Vor allem aber tauchen sie ausnahmslos bei den Zielpersonen (!) und nicht bei den Kontrollpersonen auf. Wäre der Zufall am Werk, hätten sich die Glückstreffer mit derselben statistischen Wahrscheinlichkeit auch bei den Kontrollpersonen zeigen müssen. Dort finden wir jedoch ausnahmslos schlechte Beurteilungen.

Die Ergebnisse verraten allerdings auch, dass nicht alle Medien treffsicher waren. Schlechte Beurteilungen finden wir nämlich auch bei den Zielpersonen. Das deutet darauf hin, dass entweder nicht jedes Medium ausreichend talentiert und kompetent ist, dass die Verstorbenen sich vielleicht gar nicht zu erkennen geben wollten beziehungsweise ihrerseits gar kein Interesse an einem Kontakt hatten oder dass es bei solchen Jenseitskontakten zu „Störungen“ in der Informationsübertragung kommen kann. Offensichtlich lassen sich Experimente zur Medialität darum nicht in jedem Fall erfolgreich reproduzieren – weshalb ihnen die breite Anerkennung durch die wissenschaftliche Fachwelt verwehrt bleibt (siehe hierzu unsere Artikelseite "Wann gilt etwas als wissenschaftlich bewiesen?"). 

3) Dr. Emily Williams Kelly: Eine Studie mit Fotos und Ranglisten

Zwei Studien aus dem Jahr 2011 bestätigen diesen Befund. Beide Studien führte die Psychologin Dr. Emily Williams Kelly durch. Nur die zweite dieser beiden Studien stufte sie als signifikant ein. 

An dieser zweiten Studie nahmen 40 Hinterbliebene teil. Es wurden neun verschiedene Medien beauftragt, für jeweils mehrere dieser Hinterbliebenen Jenseitskontakte durchzuführen. Die Hinterbliebenen waren dabei nicht anwesend und standen zu keinem Zeitpunkt in direktem Kontakt zu den Medien. Sie stellten den Experimentatoren lediglich ein Foto „ihres“ Verstorbenen zur Verfügung, das diese dann an die Medien weitergaben. Das Foto war die einzige Information, auf die sich die Medien stützen konnten.

Im Anschluss an die medialen Kontaktversuche wurden den Hinterbliebenen jeweils sechs Beschreibungen von Verstorbenen zugeschickt. Darunter befand sich natürlich die Beschreibung „ihres“ Verstorbenen sowie fünf weitere, zufällig ausgewählte Beschreibungen aus den anderen Jenseitskontakten. Die Hinterbliebenen sollten nun die Beschreibungen in eine Reihenfolge bringen: Diejenige Beschreibung, die am ehesten auf „ihren“ Verstorbenen zutrifft, sollten sie auf den ersten Platz setzen, die zweitbeste auf den zweiten Platz und so weiter. Von den 40 Hinterbliebenen haben zwei ihre Antworten nie eingereicht, sodass Emily Williams Kelly nur 38 Ranglisten auswerten konnte.

Wären Jenseitskontakte nicht möglich und die Medien nur zum Raten verdammt, hätte die Zusammenstellung der Ranglisten durch die Hinterbliebenen einem Würfelspiel gleichen müssen. Denn bei sechs Verstorbenen pro Rangliste läge die Chance ja genau bei eins zu sechs, dass der „richtige“ Verstorbene zufällig am besten beschrieben wurde. 

Bei insgesamt 38 Ranglisten sollte man demnach etwa sechs bis sieben Ranglisten erwarten, in denen der „richtige“ Verstorbene an der ersten Stelle steht. Tatsächlich setzten die Hinterbliebenen den „richtigen“ Verstorbenen aber in 14 Fällen an die erste Stelle und weitere sieben Male an die zweite Position. Kein einziges Mal landete er auf dem letzten Platz, was bei 38 Ranglisten ebenfalls gegen eine zufällige Verteilung spricht.

Aufschlussreich ist es auch hier, die Resultate jedes einzelnen Mediums separat zu betrachten. Während nämlich manche Medien mit ihrer Trefferquote kaum oberhalb des zu erwartenden Zufallswertes lagen, lieferte eines der Medien ausschließlich Volltreffer ab: Alle sechs Beschreibungen, die es vorgenommen hatte, wurden von den jeweiligen Hinterbliebenen auf den ersten Platz gesetzt. Das bestätigt die Vermutung, dass Jenseitskontakte tatsächlich real sind, aber eben nicht alle Medien in gleicher Weise oder unter streng kontrollierten Bedingungen dazu fähig sind.

4) Weiterführende Informationen und Buchtipps