Themenbereich
Religion, Mythologie und Spiritualität

Zur Essenz der Weltreligionen (4/4)
Weltrelgionen im Vergleich - Teil 3: Götter, Geister und jenseitige Welten


Wo trotz aller Unterschiede im Detail der gemeinsame Kern aller Religionen steckt


1) Gibt es geistige Wesen wirklich?

Eine weitere Gemeinsamkeit aller Religionen besteht in der Annahme geistiger Wesen in nichtphysischen Dimensionen. In den abrahamitischen Religionen sind sie als Engel, Dämonen oder Dschinn bekannt. Engel gelten Juden, Christen wie Muslimen als von Gott geschaffene und ihm unterstellte Helfer und Boten. Ihr Wohnsitz befindet sich bei Gott – im metaphysischen Himmel. Laut jüdischem Talmud (Chagiga II, 1; 12b) und dem Koran (Sure 17,44) besitzt der Himmel eine vielschichtige Struktur: Beide unterscheiden sieben Himmel. Im Neuen Testament finden wir im 2. Brief des Apostel Paulus an die Korinther ebenfalls einen Hinweis darauf, dass es im „Jenseits“ mehrere „Schichten“ geben soll – und zwar mindestens drei: „Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde.” (2. Kor, 2,12)

Neben dem Himmel existiert im Christentum die Hölle als ein weiterer metaphysischer Seinsbereich. Und mit den Dämonen existiert eine weitere Kategorie geistiger Wesen. Dämonen sind laut Christentum gefallene Engel, die sich Gott nicht länger unterordnen wollten und sich aus freiem Willen in egoistischer Selbstsucht gegen ihn entschieden. Der Engel Luzifer, Anführer der Rebellion, wurde daraufhin mit seiner Gefolgschaft aus dem Himmel verstoßen (Höllensturz) und herrscht seitdem als Satan über die Hölle. Als das personifizierte Böse versucht er uns Menschen von Gott zu entzweien und uns damit vom rechten Weg abzubringen. Somit liefert er den Christen eine weitere mögliche Erklärung für das Leid in der Welt.

Im Judentum ist Satan hingegen keine von Gott abgetrennte Wesenheit mit einem eigenen, freien Willen. Im Judentum gibt es auch keine Höllenvorstellungen, wie wir sie aus dem Christentum und dem Islam kennen. 

Satan untersteht im Judentum vollständig Gottes Kontrolle und wird von Gott eingesetzt, um Gläubige durch Leid oder Verführung auf die Probe zu stellen. Satan ist im Judentum also eher mit einem Engel (also einem Gehilfen Gottes) vergleichbar.

Auch im Islam gibt es keinen Satan im Sinne eines mächtigen und offen rebellierenden Gegenspielers. Wohl aber gibt es mit dem Geistwesen „Iblis“ eine zumindest in einem Einzelaspekt ungehorsame Gestalt: Iblis soll sich Gottes Aufforderung widersetzt haben, sich vor dessen Schöpfungswerk des Menschen in Person von Adam zu verneigen. Von Gott verstoßen, tritt er seither als Feind der Menschen auf und versucht sie zur Sünde zu verführen – so wie es auch der christliche Satan tut.

Grundsätzlich gibt es im muslimischen Glauben neben den Engeln noch eine zweite Kategorie von Geistwesen, die mitunter auch Böses im Schilde führen und uns Menschen negativ beeinflussen können. Diese Geistwesen werden im Islam „Dschinn“ genannt. Dschinn sind aber keinesfalls allesamt bösartig oder ungehorsam. Deshalb sind sie nicht pauschal mit den christlichen Dämonen vergleichbar. Wie Menschen wurden sie von Allah geschaffen, um ihm zu dienen. Und wie bei den Menschen sind einige von ihnen folgsam und andere nicht. Die Menschen sind laut Islam höhergestellt als die Dschinn. Weil die Dschinn geistige Wesen sind, verfügen sie dennoch über Eigenschaften, die sie aus menschlicher Sicht überlegen machen:

Sie können sich grenzenlos durch den Raum bewegen, die Zukunft voraussehen, ihre Form wandeln und die Menschen, vor allem dann, wenn sie geistig nicht gefestigt sind, mental manipulieren.

Für aufgeklärte Ohren mag das alles nach märchenhaften Erzählungen klingen, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren. In den Themenbereichen "Bewusstseinsforschung" und "Rätselhafte Anomalien" finden Sie jedoch glaubwürdige Erfahrungsberichte, die eine alternative Interpretation solcher Geistererzählungen zulassen. Bei Nahtoderfahrungen nehmen manche Betroffene „Lichtwesen“ wahr, die einen Vergleich mit Engeln nahelegen. Von „Astralreisenden“ wissen wir, dass sie im Zuge ihrer außerkörperlichen Erfahrungen gelegentlich auf nichtphysische Wesenheiten treffen. Und manche Ufologen wie zum Beispiel der Astrophysiker und Informatiker Dr. Jaques Vallée stufen Nahkontakte mit UFOs und Aliens als mögliche Begegnungen mit „formwandelnden“ Geistern ein. Vielleicht ist dasjenige, was in den Religionen berichtet wird, also gar nicht so weit hergeholt – natürlich nicht in allen Einzelheiten, aber zumindest im Grundsatz. Vielleicht sind die in den Religionen reichlich ausgeschmückten Erzählungen von Geistern nicht gänzlich frei erfunden, sondern teils von realen menschlichen Erfahrungen inspiriert.

Auch die fernöstlichen Religionen kennen Geister aller Art. Teuflische Wesenszüge schreiben etwa die Buddhisten dem Dämon „Māra“ zu, der Menschen daran hindern möchte, Erleuchtung zu erlangen. Der Legende nach soll er sogar versucht haben, Buddha vom rechten Weg abzubringen – was ihm aber nicht gelang. 

Māra und seine Gefolgschaft bedienen sich nach dem Glauben der Buddhisten nicht nur der Verführung und anderer manipulativer Techniken. Sogar Naturgewalten soll Māra über die Menschen bringen können. Im Hinduismus heißen Dämonen „Asuras“. Ihnen gegenüber stehen die „Devas“, denen verschiedene Aufgaben bei der Erhaltung der Schöpfung zukommen, indem sie zum Beispiel die Naturerscheinungen lenken. In dieser Hinsicht ähneln diese übernatürlichen Wesen den Göttern, wie wir sie aus den vorchristlichen Kulturen Europas kennen. Auch im Taoismus existieren übernatürliche und götterähnliche Wesen. Und es existieren (mehrere) Himmel und die Unterwelt.

Buddha hatte sich, wie bereits auf einer vorigen Artikelseite erwähnt, nicht mit metaphysischen und kosmologischen Fragen befassen wollen. Dennoch hat sich im Laufe der Zeit auch unter Buddhisten die Vorstellung von Himmel und Hölle durchgesetzt, die sich wiederum stark an hinduistischen Glaubenstraditionen orientiert. Dort wird die Hölle „Naraka“ genannt. Weil die fernöstlichen Religionen von Reinkarnation ausgehen, meint „Naraka“ allerdings keinen Ort ewiger Verdamnis, sondern nur einen vorübergehenden, läuternden Übergang, in dem Sünder auf ihre nächste Wiederverkörperung vorbereitet werden. Auch der Himmel ist im Hinduismus keine Endstation. Er besteht aus verschiedenen Sphären („Lokas“), in denen sich verschiedene Wesenheiten aufhalten. In einer erdnahen Ebene warten die Seelen gewöhnlicher Verstorbener auf ihre Wiedergeburt. In höheren Sphären sind die Götter beheimatet. Dort sind sie dem Prinzip des Karma und dem Kreislauf von Tod und Wiedergeburt („Samsara“) ebenso unterworfen wie alle anderen Geschöpfe, die noch keinen Erlösungszustand („Moksha“ beziehungsweise im Buddhismus „Nirwana“) erreicht haben.

Wenn man sich fragt, woher die Religionen die hier kolportierten Geschichten ursprünglich hernehmen, stößt man - mit Ausnahme des Buddhismus - bei den Vertretern der jeweiligen Religionen auf die Behauptung, es handele sich um Offenbarungen: Gott beziehungsweise das Göttliche habe sich in irgendeiner Weise mitgeteilt. 

Entweder sei Gott in einen Menschen verkörpert auf die Erde gekommen (so wie Jesus im Christentum und nach dem traditionellen Glauben Chinas auch der Begründer des Taoismus, Laozi). Oder Gott habe Botschaften überbracht, die dann zu „heiligen Schriften“ der jeweiligen Religionen wurden. Beispiele hierfür sind die Übergabe der zehn Gebote an Moses oder das mündliche Diktat sämtlicher Koranverse an Mohammed. In beiden Fällen sandte Gott einen Engel als Übermittler. Eine dritte Möglichkeit der Offenbarung besteht darin, dass Menschen einen unmittelbaren, intuitiven Empfang göttlichen Wissens erfahren. So begründen zum Beispiel zahlreiche Gelehrte des Hinduismus den vermeintlichen Wahrheitsgehalt ihrer jahrtausendealten Glaubensinhalte. Der bekannte Yoga-Meister Swami Sivananda schreibt hierzu in seiner Einführung in die hinduistische Philosophie des Vedanta:

„Die Seher und Heiligen von einst haben Nachforschungen über Meditation durchgeführt und ihre spirituellen Erfahrungen weitergegeben. Dieses Wissen ist Autorität. Wir dürfen keine Zeit damit verschwenden, ihre anfänglichen Experimente zu wiederholen.“ (Sivananda, Swami: Vedanta für Anfänger, Horn-Bad Meinberg 2023, S. 11)

2) Alte und neue Offenbarungen - eine Einordnung

Wie wir in unserer Artikelsammlung "Informationsübertragung aus höheren Dimensionen: Illusion oder Wirklichkeit?" erfahren können, gibt es auch heute noch Menschen, die behaupten, Botschaften aus höheren Welten zu empfangen. Und bei Lichte betrachtet hat Thomas Campbell in Zusammenarbeit mit Robert Monroe und Dennis Mennerich doch nichts anderes getan als das, was Yoga-Meister Sivananda für Zeitverschwendung hält: Durch Meditation und Bewusstseinsexperimente versuchte er, einen außerkörperlichen Zustand zu erreichen, um an metaphysische Wahrheiten zu gelangen. Interessanterweise ähneln die Erkenntnisse, die er dabei erlangte, den fernöstlichen Konzepten von Brahman (AUO), Atman (IUOC), Maja (PMR-Simulation) und der Befreiung von negativem Karma (Überwindung der Angst, Entwicklung zur Liebe). Näheres hierzu finden Sie auf der entsprechenden Artikelseite zu Thomas Campbells Simulationstheorie.

Wenn Offenbarungen und der Zugang zu „höheren Welten“ auch heutzutage noch Realität sein sollten, wirft das die berechtigte Frage auf, warum Religionen, die selbst auf Offenbarungswissen basieren, sich für zeitgenössisches Channeling und zeitgenössische „Astralreisen“ nicht interessieren und sogar ausdrücklich davon abraten, sich darauf einzulassen. 

Aus unserer Sicht kann das nur mit Absolutheits- und Herrschaftsansprüchen begründet werden. Denn warum sonst sollte immer nur diejenige Offenbarung richtig sein, die der eigenen Religion zugrunde liegt? Was gibt einem das Recht, zu behaupten, alle anderen und späteren Offenbarungen seien grundsätzlich und ausnahmslos falsch?

Um zu entscheiden, ob eine vermeintliche Offenbarung echt ist oder nicht, hilft Dogmatismus nicht weiter. Stattdessen helfen rationale Methoden, die Sie in unserer Artikelsammlung "Channeling - EInbildung oder Realität?" vorfinden. Dazu gehört neben der Prüfung der transkribierten Texte anhand verschiedener qualitativer Kriterien eine kritische Einschätzung der Glaubwürdigkeit derjenigen Personen, die vorgeben, entsprechende Botschaften empfangen zu haben. Bei historischen Botschaften, die erst aufgeschrieben wurden, nachdem sie zuvor über Jahre hinweg nur mündlich weitergetragen wurden, bleibt in Punkto Entstehungskontext vieles im Dunkeln. Daraus folgt ein gravierendes Problem. Denn wie will man die Authentizität von einer Botschaft abschätzen, wenn man noch nicht einmal genau wissen kann, wer sie wann unter welchen Umständen aufgeschrieben hat und von wem sie ursprünglich tatsächlich formuliert wurde? Und wie will man rückwirkend die Glaubwürdigkeit von Propheten beurteilen, die seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden tot sind?

Es liegt auf der Hand, dass die Quellenlage bei den zeitgenössischen Channelings deutlich sicherer und transparenter ist. Und genau deshalb räumen wir ihnen im Rahmen dieses Themenbereichs "Religion, Mythologie und Spiritualität" entsprechenden Raum ein – siehe hierzu unsere Artikelsammlungen "Informationsübertragung aus höheren Dimensionen: Illusion oder Wirklichkeit?" sowie "Die 'Michael-Teachings' und der 'Ra-Kontakt'"). 

3) Fazit: Die Gemeinsamkeiten im Überblick

An dieser Stelle können wir ein weiteres Zwischenfazit ziehen – diesmal in Hinblick auf „höhere“ Welten und Wesen:

1. Alle Religionen gehen davon aus, dass neben unserer materiellen, physischen Lebensrealität eine metaphysische Lebensrealität mit geistigen Bewohnern existiert.

2. Alle Religionen unterscheiden innerhalb jener metaphysischen Lebensrealität verschiedene Sphären/Bereiche/Ebenen.

3. Alle Religionen sind sich einig, dass es unter den geistigen Wesen – wie auch unter uns Menschen auf der Erde – nicht nur liebevolle und wohlwollende, sondern auch gemeine und bösartige („dämonische“) Wesen gibt.

4. Alle Religionen sind sich einig, dass zwischen geistigen Wesen und uns Menschen Kommunikation möglich ist. Die geistigen Wesen können demnach in unser Denken hineinwirken und uns auch Botschaften überbringen.

4) Weiterführende Informationen und Buchtipps