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Philosophie & Wissenschaft

Sheldrake's morphische Felder (3/4) 
Lassen sich morphische Felder beweisen?


Als Wissenschaftler war Sheldrake immer viel daran gelegen, seine Thesen auch experimentell zu überprüfen. Was aus seiner Sicht erfolgreich gelang, wird von Kritikern bezweifelt. In diesem Artikel stellen wir beide Sichtweisen gegenüber.


1) Experimente zu Telepathie und Vorahnungen

In der Artikelsammlung "Studien zur Thelepathie" finden Sie unter anderem ein interessantes Gemeinschaftsexperiment der Parapsychologin Marylin Schlitz und dem bekannten Skeptiker Richard Wiseman:

In insgesamt 16 Sitzungen richtete ein Experimentator seine Aufmerksamkeit bewusst auf zufällig ausgewählte Versuchspersonen und starrte sie gezielt an. In 16 weiteren Sitzungen mit denselben Versuchspersonen starrte der Experimentator diese nicht an und richtete seine Aufmerksamkeit von ihnen weg. In beiden Fällen wurde der Hautleitwiderstand der Versuchspersonen aufgezeichnet, so wie man das auch von Lügendetektoren kennt. Damit wollten Schlitz und Wiseman herausfinden, ob die Versuchspersonen durch das Anstarren eine physiologische Erregung zeigen. Insgesamt waren also 32 Sitzungen vorgesehen, zur Hälfte mit und zur Hälfte ohne Anstarren. Und jetzt kommt das Besondere: Einmal wurden die 32 Sitzungen von der Parapsychologin Marilyn Schlitz durchgeführt. Mit ihr als Experimentatorin zeigten die Versuchspersonen in den 16 „Anstarr-Sitzungen“ messbare Reaktionen, die signifikant höher lagen als in den 16 „Nicht-Anstarr-Sitzungen“. Dieses Ergebnis legt die Realität einer erfolgreichen telepathischen Kommunikation zwischen Schlitz und ihren Probanden nahe. Ein anderes Mal leitete der Skeptiker Richard Wiseman 32 Sitzungen. Mit ihm als Experimentator blieben signifikante Unterschiede im gemessenen Hautleitwiderstand aus – und das, obschon er dasselbe Labor, dieselbe Vorgehensweise und dieselben Apparaturen nutzte wie Marilyn Schlitz. Der Verdacht, der sich aufdrängt, ist folgender: Richard Wiseman ist Skeptiker. Er hält Telepathie für unmöglich und glaubt nicht daran, dass das Experiment funktioniert. Deshalb funktioniert es auch nicht. Marylin Schlitz ist Parapsychologin. Sie hält Telepathie für real und glaubt daran, dass sie funktioniert. Und deshalb funktioniert sie auch.

Rupert Sheldrake hat ebenfalls eine ganze Reihe von Anstarr-Experimenten durchgeführt und dabei ähnliche Beobachtungen gemacht. Im Rahmen seiner Theorie der morphischen Felder führt ihn das zu zwei Schlussfolgerungen: 

Erstens müssen unsere Gedankenfelder, die unser Gehirn umhüllen und in ihm wirken, weit über das Gehirn hinausreichen, ähnlich wie sich zum Beispiel das Gravitationsfeld der Sonne weit über die Sonne hinaus ins Weltall erstreckt. Nur so kann man in Gedanken andere Menschen erreichen, die sich an anderen Orten befinden. Zweitens – und das erklärt die Bedeutung des Glaubens für das Gelingen der Experimente – sind gezielte Aufmerksamkeit und Absicht die Faktoren, die darüber entscheiden, ob unsere Gedankenfelder mit anderen Gedankenfeldern in Verbindung treten oder nicht. Je überzeugter und klarer unsere Absicht ist, desto stärker wird die Verbindung der mentalen Felder ausfallen. Wer hingegen keine echte Überzeugung aufbringt, dem könnte diese Verbindung misslingen. Prinzipiell funktionieren Anstarr-Experimente demnach durchaus. Sie lassen sich aber wissenschaftlich nicht zuverlässig reproduzieren, sofern es sich bei den Teilnehmern und Experimentatoren um skeptische Zweifler wie Richard Wiseman handelt.

Telepathische Kommunikation kann sich auch in Vorahnungen ausdrücken. Von Haustierbesitzern wird häufig berichtet, dass ein Hund angeblich „spürt“, wenn sich dessen Herrchen dem Haus nähert. 

Wenn zum Beispiel ein Hundehalter auf der Heimfahrt von einem längeren Einkauf noch kilometerweit entfernt in seinem Auto unterwegs ist, könnte sein Hund bereits aufgeregt mit wedelndem Schwanz vor der Haustüre auf- und ablaufen – und zwar unabhängig von der Uhrzeit. Eine Art „innere Uhr“ scheidet damit als mögliche Erklärung für dieses Verhalten aus. Auch der Geruchssinn kann bei großen Entfernungen nicht als Erklärung herangezogen werden. In seinem Buch „Der siebte Sinn der Tiere“ hat Sheldrake diese und weitere ungewöhnliche Verhaltensweisen von Tieren untersucht, um sie erneut mithilfe seiner Theorie der morphischen Felder zu deuten: Ähnlich wie bei den Anstarr-Experimenten unterstellt er eine Verbindung mentaler Felder, in diesem Fall zwischen Herrchen und Haustier. Sofern mentale Felder weit über das Gehirn hinausreichen, gelingt diese Verbindung auch über große Distanzen.

Während die räumliche Nähe also nicht so wichtig zu sein scheint, spielt die emotionale Nähe eine umso bedeutendere Rolle. 

Das Zusammengehörigkeitsgefühl von Mensch und Haustier ermöglicht erst die Verbindung ihrer mentalen Felder. Mit fremden Menschen wird ein Haustier hingegen kaum in gedankliche Resonanz treten. Gleiches gilt für Menschen untereinander. Je näher Menschen sich emotional stehen, desto einfacher sollte die telepathische Verbindung selbst über große räumliche Distanzen hinweg funktionieren. Davon zeugen auch Telefonversuche, die Sheldrake mit Menschen auf verschiedenen Kontinenten durchgeführt hat. Darin wollte er einem Phänomen auf den Grund gehen, das viele Menschen kennen: Man denkt an eine bestimmte Person – und schon klingelt das Telefon und genau diese Person ruft an. Alles Zufall? Für Sheldrake nicht: Er sieht hierin die Wirkung mentaler Felder. Die Absicht des Anrufers, mit einer ihm nahestehenden Person in Kontakt zu treten, wird von eben dieser Person registriert, und zwar unabhängig davon, ob sich diese Person im Raum nebenan oder auf einem anderen Kontinent aufhält.



2) Tierexperimente zum Lernverhalten

Ob die oben genannten Haustier- und Telefonexperimente wirklich geeignet sind, das Phänomen der Telepathie zu beweisen, wird von konventionellen Wissenschaftlern stark in Zweifel gezogen. Sie monieren eine mangelhafte Methodik und einen zu großen Interpretationsspielraum der ermittelten Daten. Und selbst wenn Sheldrakes Experimente den zweifelsfreien Beweis für telepathische Kommunikation liefern sollten – einen Beweis für die Existenz morphischer Felder liefern sie damit noch nicht. Denn morphische Felder stellen nur eine mögliche, keinesfalls aber die einzig zwingende Erklärung für Telepathie dar.

Dasselbe gilt für weitere Experimente, die Sheldrake in seinem Buch „Sieben Experimente, die die Welt verändern könnten“ vorgeschlagen und zum Teil auch durchgeführt hat. Insofern steckt Sheldrake in einem Dilemma: Da man die von ihm postulierten Felder als solche weder sehen noch messen kann und die ihnen unterstellten Wirkungen vielleicht auch auf andere Weise erklärbar wären, stellt sich die ganz grundsätzliche Frage, ob seine Hypothese überhaupt wissenschaftlich überprüfbar ist. Kritiker werfen ihm aus genau diesem Grund Pseudowissenschaft vor: Seine Behauptungen seien nicht falsifizierbar und insofern auch nicht wert, überhaupt diskutiert zu werden.

War es das also schon mit dem wissenschaftlichen Gehalt von Sheldrakes „morphischen Feldern“? Noch nicht ganz. In der Wissenschaft misst man konkurrierende Theorien daran, inwiefern sie in der Lage sind, zutreffende Prognosen aufzustellen. Bezogen auf Sheldrakes Theorie hieße das, dass man zwar wie erwähnt niemals die morphischen Felder selbst erfassen könnte, wohl aber vorhersagbare Wirkungen dieser mutmaßlichen Felder überprüfen könnte, die sich dann als Indiz für deren Existenz deuten ließen. Besser als seine umstrittenen Telepathie-Experimente eignen sich hierfür Experimente zum Lernverhalten. Ein Beispiel: Gemäß der Hypothese der sozialen Felder kann sich Information mittels morphischer Resonanz von einer bestimmten Tiergruppe auf eine andere Gruppe der gleichen Art übertragen, sodass verschiedene Exemplare einer Spezies voneinander lernen können, ohne sich zu begegnen. Eine Bestätigung hierfür sah Sheldrake rückwirkend im Lernverhalten von Ratten, das in den 1920er Jahren in einem Labor der Harvard University in den USA experimentell untersucht wurde (Drew, George C: McDougall’s Experiments on the Inheritance of Acquired Habits, in: Nature Nr. 143, 1939). Der Psychologe William McDougall hatte damals beobachtet, wie Laborratten deutlich schneller aus einem Labyrinth herausfanden, nachdem andere Ratten bereits zuvor den Ausweg gefunden hatten. Sheldrake deutet das so, dass das Wissen um den richtigen Ausweg von den früheren Ratten mittels morphischer Resonanz in das soziale Feld der Rattenspezies eingespeist und daraufhin von den späteren Ratten mittels morphischer Resonanz abgegriffen wurde.

Auf dieser Deutung basierend wagte Sheldrake zu Beginn der 1990er Jahre eine Vorhersage: 

Wenn man Küken mittels klassischer Konditionierung beibringen würde, dass bestimmte Körner Übelkeit verursachen, würden spätere Generationen von Küken diese Körner gar nicht erst probieren wollen. Im Labor des Skeptikers Steven Rose in London startete im Jahr 1992 ein entsprechendes Experiment: Täglich wurde neugeborenen Küken eine Leuchtdiode vorgesetzt. Die Küken pickten nach dieser Leuchtdiode, so wie sie auch nach verschiedenen anderen auffälligen Objekten pickten, die sich in Reichweite befanden. Dann kam die klassische Konditionierung ins Spiel: Nachdem die Küken nach der Leuchtdiode gepickt hatten, wurde ihnen eine Substanz injiziert, die eine leichte Übelkeit verursachte. Wenig überraschend rührten die Küken die Leuchtdiode danach nicht mehr an. Einer Kontrollgruppe von Küken wurde statt der Leuchtdiode eine verchromte Perle vorgelegt. Nachdem die Küken danach pickten, wurde ihnen eine harmlose Salzwasserlösung injiziert. Weil die Küken dies offenbar nicht als schlimm empfanden, pickten sie weiterhin nach der kleinen Perle. Mit der Zeit passierte dann genau das, was Sheldrake vorhergesagt hatte: Spätere Generationen von Küken pickten, nachdem sie geschlüpft waren, nicht mehr so häufig nach der Leuchtdiode. Bei der Kontrollgruppe mit der verchromten Perle zeigte sich derweil keine Veränderung.
Ist das also der Beweis, dass Sheldrakes morphische Felder existieren? Haben die neuen Küken-Generationen mittels morphischer Resonanz von den älteren Generationen gelernt? Wurde das Wissen um die Übelkeit, die beim Picken der Leuchtdiode droht, im sozialen Feld der Küken abgespeichert?

Wie es nicht anders zu erwarten war, lehnen Skeptiker diese Schlussfolgerung entschieden ab und monieren wie üblich methodische Unsicherheiten und vorschnelle Interpretationen – so unter anderem auch der Skeptiker Steven Rose selbst, der das Experiment zusammen mit Sheldrake geplant und in seinem Labor durchgeführt hatte. 

Womöglich waren es auch neuere Entwicklungen in der Genforschung, die die Skepsis bezüglich Sheldrakes morphischen Feldern derart groß werden ließen, dass jeder noch so kleinste Zweifel gegen ihn verwendet wurde: Im Jahr 1995 erhielt die Biochemikerin Christiane Nüsslein-Volhard den Medizin-Nobelpreis für ihre Entdeckung der sogenannten Morphogene. Bei den Morphogenen handelt es sich um Substanzen, die bestimmte Gene an- und abschalten und damit die Gestaltbildung der Organismen organisieren. Das war natürlich Wasser auf die Mühlen aller Skeptiker. Sie sahen darin den Beweis dafür, dass die Formbildung biologischer Organismen keinerlei Einflussnahme durch unsichtbare Felder bedarf. Sheldrake hätte sich demnach bereits bei seiner Ausgangshypothese bezüglich der gestaltbildenden morphogenetischen Felder verrannt. Warum sollte man dann die Ausweitung seines Konzepts auf soziale Felder oder gar mentale Felder ernst nehmen?

Sheldrake selbst lässt diesen Einwand natürlich nicht gelten. Aus seiner Sicht bleibt immer noch offen, woher ein Morphogen eigentlich weiß, welches Gen es aktivieren soll und welches nicht. Vielleicht verhält es sich mit den Morphogenen ja wie mit dem Gehirn: Die Schaltzentrale liegt außerhalb – Sheldrake würde sagen, sie liegt in einem Feld. Was wir physisch beim Morphogen beobachten können, würde demnach nichts weiter als die bloße Ausführung von Informationen sein, die jedoch ursprünglich aus einer nichtmateriellen Quelle, eben aus einem morphischen Feld stammen. Und so stehen wir vor dem altbekannten Dilemma: Was man nicht eindeutig sehen und messen kann, darüber lässt sich vortrefflich streiten: Die Skeptiker sagen „nein“, Sheldrake sagt „doch“.

3) Kritische Einordnung: Was beweisen Sheldrakes Experimente?

Wie lässt sich der Streit zwischen Sheldrake und seinen Kritikern nun entscheiden? Da wir aufgrund der Informationen aus den Themenbereichen "Bewusstseinsforschung" und "Rätselhafte Anomalien" schließen können, dass die Welt sehr wahrscheinlich mehr sein muss als nur das, was man sehen und messen kann, müssen wir das materialistische Weltmodell der Naturwissenschaft als unvollständig betrachten. Es ist deshalb nicht nur legitim, sondern sogar zwingend notwendig, sich ernsthaft auch mit solchen Erklärungsmodellen auseinanderzusetzen, die wie dasjenige Rupert Sheldrakes über das rein Physische hinausreichen und sich deshalb experimentell kaum beweisen lassen. Das bedeutet freilich nicht, dass wir unkritisch annehmen sollten, dass morphische Felder wirklich existieren. Im Gegenteil gilt es, Sheldrakes Theorie wie jede andere Theorie gründlich zu hinterfragen. Ob es die morphischen Felder gibt, können wir nach allem, was wir bis hierhin darüber erfahren haben, nicht beurteilen. Wo keine klare Beweisbarkeit gegeben ist, können wir nicht mehr tun, als uns auf Plausibilitätsüberlegungen zu stützen und den Nutzen einer vorgeschlagenen Theorie an ihrer Erklärungskraft in Bezug auf eben jene ungelösten Rätsel der Wissenschaft festmachen, die in den Themenbereichen "Bewusstseinsforschung" und "Rätselhafte Anomalien" dokumentiert sind: Je mehr Phänomene sich mit den morphischen Feldern plausibel erklären lassen, umso hilfreicher wäre das Modell. Je weniger Rätsel es zu lösen weiß, desto geringer wäre seine Aussagekraft. Nur das kann in Ermangelung empirischer Beweise unser Maßstab sein, wenn wir eine Theorie beurteilen wollen, die über das physisch Messbare hinausreicht. – Was kann das Modell der morphischen Felder also leisten?

In der Soziologie bieten Sheldrakes Felder eine Erklärung für das, was man Gemeinschaftsgefühl oder kollektive Identität nennt. 

Kulturelle Gemeinschaften mitsamt ihren Denk- und Verhaltensweisen sind ja unleugbar da, materiell aber nicht greifbar und nicht messbar. Sie zeigen sich in Form von Bräuchen, Traditionen, Überzeugungen und Glaubensinhalten als über lange Zeiträume stabile Gebilde. Zugleich sind sie jedoch wandelbar und es treten immer wieder gewisse Moden und Trends auf. Der Volksmund spricht in diesem Zusammenhang gerne vom „Zeitgeist“. Der Begriff „Geist“ drückt bereits die implizite Annahme aus, dass hierfür wohl keine Atome und Moleküle verantwortlich gemacht werden können. Sheldrake deutet die unsichtbaren Bande einer Gesellschaft als soziales beziehungsweise kulturelles Feld, das wie ein kollektives Gedächtnis wirkt. Als dynamischer Informationsspeicher vermittelt es aber auch Veränderung und ermöglicht durch morphische Resonanz eine Verbindung zwischen vormaligen, aktuellen und künftigen Generationen.

Besonders interessant wird es, wenn man eine Verbindung zwischen Menschen auch in Bezug auf mentale Felder annimmt. Dann leistet Sheldrakes Konzept einen hilfreichen Deutungsrahmen, innerhalb dessen wir telepathische Fähigkeiten wie Vorahnungen (etwa bei Telefonanrufen) oder das Gefühl dafür, angestarrt zu werden, erklären könnten: Menschen treten in Resonanz zueinander und verbinden sich über ihre weit in den Raum hineinreichenden mentalen Felder. Sheldrakes Felder können also durchaus Phänomene erklären, die Naturwissenschaftler nicht erklären können. In dieser Hinsicht sind sie zumindest als Modell brauchbar.

Abgesehen von einer möglichen Erklärung für Kultur, Gedächtnis, Identität und Telepathie bleiben in Sheldrakes Theorie allerding noch einige Fragen offen – zum Beispiel, ob es ein Leben nach dem Tod gibt oder nicht. 

Sheldrakes Modell beschreibt geistige Aktivität als Wechselwirkung unseres Gehirns mit einem mentalen Informationsfeld, welches unser Gehirn umgibt und weit über dasselbe hinausreicht. Doch was passiert dann, wenn wir sterben? Wenn keine Wechselwirkung von Gehirn und mentalem Feld mehr möglich ist – kann es dann trotzdem noch ein bewusstes Ich geben?

Sheldrake geht hierauf nicht ein, weil diese Frage seiner Meinung nach wissenschaftlich nicht mehr zu beantworten ist. Während sich morphische Felder indirekt durch ihre Wirkungen nachweisen ließen (wie bei seinen Telepathie-Experimenten, die die Mainstream-Wissenschaft jedoch nicht als Beweis anerkennt), sei die metaphysische Frage, ob es ein von der Wechselwirkung zwischen Gehirn und mentalen Feldern unabhängiges „Ich“ geben könnte, nicht mehr experimentell überprüfbar. Zwar sei das Konzept der morphischen Felder für diese Denkmöglichkeit prinzipiell anschlussfähig. Für Sheldrake ist es also durchaus vorstellbar, dass es ein den Feldern übergeordnetes Ich-Bewusstsein geben könnte, welches mit diesen Feldern in Verbindung tritt und dadurch in der physischen Welt wahrnehmen und handeln kann. Diese Hypothese bleibt aber nicht mehr als eine spekulative Option, sie ergibt sich nicht zwingend aus seiner Theorie.

Weil nicht klar beantwortet werden kann, ob und wie das Ich-Bewusstsein den Tod überdauert, lassen sich auch die in den Themenbereichen "Bewusstseinsforschung" und "Rätselhaften Anomalien" dokumentierten paranormale Phänomene wie Jenseitskontakte (Studien zur Medialität) oder kindliche Spontanerinnerungen an Vorleben (Reinkarnationsforschung) mit dem Konzept der morphischen Felder nicht schlüssig erklären. Morphische Felder helfen auch nicht bei der Einordnung von Nahtoderfahrungen mit all ihren erstaunlichen Charakteristika wie zum Beispiel außerkörperlichen Wahrnehmungen, der Lebensrückschau oder Begegnungen mit Verstorbenen beziehungsweise anderen nichtphysischen Wesen (siehe hierzu unsere Artikelsammlung zur Nahtodforschung). Für weitere aus wissenschaftlicher Sicht unverständliche und deshalb nicht anerkannte Phänomene wie Telekinese, oder das Sehen ohne Augen liefert die Theorie der morphischen Felder ebenfalls keine gewinnbringenden Rückschlüsse.

4) Weiterführende Informationen und Buchtipps