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Philosophie & Wissenschaft

Sheldrake's morphische Felder (4/4) 
Gegenwind aus der Wissenschaftlichen Community


Von zensierten Vorträgen und einem "Aufruf" zur Bücherverbrennung


1) Sir Maddox und sein "Aufruf" zur Bücherverbrennung

Für die Behauptung, dass wir Menschen durch unsichtbare Felder miteinander verbunden sind, wird Sheldrake in spirituellen Kreisen hoch gehandelt. Seine Theorie wird hier mitunter als wissenschaftliche Bestätigung für Praktiken herangezogen, deren Spektrum von der Geistheilung über Familienaufstellungen bis hin zum Hellsehen reicht („Lesen“ im morphischen Feld).

Ob diese flexiblen Interpretationen des Feldbegriffs noch mit Sheldrakes ursprünglichem Konzept konform gehen, sei mal dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass es völlig vermessen wäre, die angebliche Wirksamkeit solcher Praktiken mit Verweis auf Sheldrake als wissenschaftlich erwiesen zu bezeichnen! Selbst wenn solche Praktiken funktionieren sollten, kann das Konzept der morphischen Felder keinesfalls als wissenschaftliche Bestätigung dafür herhalten. Denn das Konzept ist bloß ein theoretisches Modell, das noch dazu in Fachkreisen nicht anerkannt ist.

In der wissenschaftlichen Community gelten morphische Felder als pseudowissenschaftlicher Unfug und Sheldrake wird trotz seiner unbestreitbaren Intelligenz, seiner profunden biologischen Fachkenntnis und seiner überaus ansehnlichen akademischen Vita (Sheldrake studierte an Eliteuniversitäten in Cambridge und Harvard und war Mitglied der „Royal Society“,  einer altehrwürdigen englischen Gelehrtenvereinigung) als Persona non grata isoliert.

Kaum hatte Sheldrake 1981 sein Werk „Das schöpferische Universum“ veröffentlicht, erschien im weltweit führenden naturwissenschaftlichen Fachmagazin „Nature“ umgehend eine vernichtende Rezension. Der Herausgeber, Sir John Maddox, bezeichnete Sheldrakes Werk als legitimen Kandidaten für eine Bücherverbrennung (!) – sofern diese Praxis noch legal wäre. In einem Interview mit der BBC im Jahr 1994 (siehe nachstehendes Video) rechtfertige Maddox seine wortgewaltige Kritik:

„Sheldrakes Theorie ist keine wissenschaftliche Theorie. Sheldrake propagiert Magie statt Wissenschaft, und das kann mit genau der Sprache verurteilt werden, mit der die Päpste Galilei verurteilten, und aus den gleichen Gründen: Es ist Ketzerei.“ (Maddox, John: A book for burning?, in: Nature, 293, 24. September 1981, S. 245-246)

VIDEO: Sir Maddox' dogmatische Kritik an Sheldrake

1:54 Minuten, englisch

Sir Maddox war zum Zeitpinkt der Veröffentlichung von Sheldrakes Theorie der Herausgeber der wohl renommiertesten Fachzeitschrift im Bereich der Naturwissenschaften - "Nature". Sein Urteil über Sheldrake könnte deutlicher kaum ausfallen.



2) Der Eklat um Sheldrakes TedX-Vortrag im Jahr 2013

Sheldrakes Verbannung aus der wissenschaftlichen Community setzte sich mit der nachträglichen Zensur eines Beitrages im Rahmen der Londoner TEDx Konferenz vom Januar 2013 fort:

Passend zu deren Motto „Existierende Paradigmen hinterfragen“ hielt Sheldrake damals einen Vortrag über Dogmen der materialistischen Naturwissenschaft. Später empörten sich atheistische Aktivisten über die angebliche Unwissenschaftlichkeit seines Vortrages und beschwerten sich beim Veranstalter. Dieser berief daraufhin einen wissenschaftlichen Beirat ein. Tatsächlich stimmte das Gremium der Beschwerde zu und der Veranstalter löschte den Vortrag auf seinen Online-Kanälen. Während der gesamten Prozedur bekam Sheldrake keine Gelegenheit, mit dem wissenschaftlichen Beirat in einen Austausch zu treten. Die Identität seiner Mitglieder wurde geheim gehalten.

Inzwischen ist der Vortrag an anderer Stelle wieder online gestellt worden. Falls Sie neugierig geworden sind, schauen Sie sich gerne das folgende Video an und machen Sie sich selbst ein Bild davon, wie unwissenschaftlich oder wissenschaftlich dieser Vortrag wirklich war und ob die Zensur in diesem Fall gerechtfertigt war oder nicht. 

VIDEO: Sheldrakes zensierter TEDx-Talk

18:19 Minuten, englisch mit deutschem Untertitel

Re-Upload von Sheldrakes zensiertem TEDx-Vortrag

3) Kritische Einordnung der Anfeindungen gegen Sheldrake

Der Gegenwind, der Sheldrake vonseiten der Mainstream-Wissenschaft ins Gesicht bläst, bestätigt im Grunde genau das, was Sheldrake ihr in seinem Vortrag vorwirft: Sie verhält sich dogmatisch. Statt in den Dialog zu treten und sich ergebnisoffen mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen, greift sie zu harschen Worten und drastischen Maßnahmen. Die Art und Weise, wie hier mit Sheldrake umgegangen wurde, halten wir für beschämend und alarmierend. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sheldrake mit seinen umstrittenen Thesen recht hat oder nicht . Es gibt gute und sachliche Gründe, Sheldrakes Theorie kritisch zu hinterfragen (siehe hierzu die vorige Artikelseite "Lassen sich morphische Felder beweisen?"). Das ist aber kein Grund, polemisch zu werden.

Die Anfeindungen gegen Sheldrake zeigen einmal mehr, wie sehr sich Wissenschaft in engen paradigmatischen Grenzen bewegt und wie schwer es ihr fällt, konstruktiv mit alternativen Denkweisen umzugehen (siehe hierzu unsere Artikelseite "Starre Paradigmen und kognitive Dissonanz").

4) Weiterführende Informationen: