Themenbereich
Religion, Mythologie und Spiritualität

Spirituelles Erwachen (4/4)
Die Macht der Gedanken - Was ist wirklich dran am Manifestieren?


Warum Manifestieren kein Wunschkonzert ist und man trotzdem die Realität beeinflussen kann


1) Welchen Einfluss unsere Gedanken auf uns haben

In spirituellen Kreisen liest und hört man häufig, dass wir Menschen uns unsere Realität angeblich selbst erschaffen. Manchmal wird das mit Verweis auf das Doppelspaltexperiment so (miss-)verstanden, als würden wir Menschen die uns umgebende physische Welt durch unser Bewusstsein erst erzeugen. Das ist insofern nicht ganz falsch, als wir ja auf seelischer Ebene an das All-Eine und damit an den Schöpfer des Universums angebunden sind (siehe hierzu die vorherigen Artikelseiten). Die Schöpfung unserer physischen Lebensumwelt leisten wir aber nicht individuell als einzelnes Fragment des All-Einen. Als individuelle Menschen können wir unsere physische Umgebung allenfalls mit Bewusstsein beeinflussen. Wie das geht, erfahren Sie weiter unten.

Der Schwerpunkt dieses Artikels liegt zunächst auf einem anderen Aspekt: Viel wichtiger und einfacher als die bewusste Manipulation der physischen Realität scheint in Hinblick auf eine positive Lebensführung die Veränderung der eigenen Wahrnehmung derselben. In diesem Sinne erschaffen wir unsere Realität tatsächlich vollständig selbst – nämlich als deren Beurteilung in unserem Geiste: Die Welt ist für uns stets das, was wir von ihr denken. Und genau das zeigt sich dann auch entsprechend in unseren Taten.

Wer die Welt für einen schlechten Ort und sich selbst für ein Opfer widriger Umstände hält, dem wird es schwerfallen, positive Lebensenergie zu schöpfen. Entweder findet er gar keinen Antrieb oder er schöpft seine Kraft aus Wut, Aggression und Verzweiflung. Daraus erwachsen dann aber keine positiven Handlungen. 

Gewiss gibt es Lebensumstände, die objektiv schrecklich sind. Von hungernden Menschen in einem unhygienischen und überbelegten Flüchtlingslager kann man kaum verlangen, sie mögen doch bitte nicht so negativ dreinblicken. Erst recht wäre es zynisch, dem Opfer in einem Foltergefängnis vorzuschlagen, er solle doch an einer positiveren Wahrnehmung seiner Situation arbeiten. Glücklicherweise sind wir in unserer westlichen Welt von diesen dramatischen Ausnahmesituationen weit entfernt. Die meisten von uns haben durchaus die freie Wahl, mit welcher Perspektive sie durchs Leben gehen wollen, wenngleich die einen aufgrund ihres sozialen Umfelds, ihrer Kindheitserfahrungen und ihrer körperlichen Verfassung von mehr oder weniger schwierigen Voraussetzungen ausgehen als die anderen.

Jeder von uns hat einen anderen Ausgangspunkt. Von dort aus kann aber jeder selbst entscheiden, um welche Weltsicht er sich bemühen möchte: Verzweifelt man am Leid oder fokussiert man sich auf Wege der Besserung? Ist das Glas halbleer oder ist das Glas halbvoll? Suhlt man sich in Problemen oder sucht man nach Lösungen? Sieht man in seinen Mitmenschen vor allem das Schlechte oder auch das Gute? Betrachtet man sich als unwichtigen Niemand oder begreift man sich als aktiven Mitschöpfer?

In der Regel bilden sich unsere Einstellungen zur Welt, zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst infolge unbewusster Denk- und Reaktionsmuster heraus, die wir uns im Laufe unserer Sozialisation angeeignet haben. Bewusstseinsarbeit bedeutet, sich dieser unbewussten Muster und Überzeugungen bewusst zu werden und aktiv daran zu arbeiten, sie in eine positive Richtung zu verändern.

Bewährte Techniken, die das möglich machen können, kennen Sie bereits aus dem vorigen Artikel: Selbstreflexion, Autosuggestion und das Setzen von Absichten. Vergessen Sie nicht, dabei nachsichtig mit sich selbst zu sein. Es ist nicht zielführend, sich selbst dafür anzuklagen, wie man ist und wie man denkt. Akzeptieren Sie sich selbst und versuchen Sie, sich in einem Tempo und in einem Ausmaß von negativen Gedanken und Urteilen zu befreien, das Ihnen realistisch scheint. Je positiver Sie die Welt und Ihre aktive Rolle darin sehen, desto mehr Kraft werden Sie schöpfen können. Je weniger misstrauisch und verachtend Sie anderen Menschen gegenüberstehen, desto freundlicher und liebevoller können Sie mit ihrer Umwelt interagieren. Und je mehr Vertrauen Sie ins Dasein entwickeln, desto gelassener können Sie durchs Leben gehen.

2) Welchen Einfluss Medien auf unsere Gedanken haben

Ein weiterer wichtiger Faktor beim Erlernen positiven Denkens ist unser Medienkonsum. In Filmen und Videospielen begegnen wir manchmal verstörender Gewalt. In sozialen Netzwerken lauern Hate Speech und Fake News, die zu Wut und Empörung aufwiegeln. Nachrichtensendungen präsentieren uns tagtäglich Negativereignisse wie Kriege, Katastrophen und Attentate. Die vielen positiven Dinge, die jeden Tag auf der Welt geschehen, sind im Vergleich dazu medial völlig unterrepräsentiert. Insofern könnte es sehr hilfreich sein, nicht alles an sich heranzulassen und seinen Medienkonsum entsprechend einzuschränken oder zumindest bewusster zu selektieren, womit man sich beschäftigen möchte.

Positives Denken bedeutet nicht, dass man negative Ereignisse und Entwicklungen ignoriert oder gar verdrängt. Es bedeutet nur, dass man der Negativität nicht unverhältnismäßig viel Raum gibt und sich durch sie nicht herunterziehen lässt.

Positivität bedeutet, das Gute überall dort zu erkennen, wo es vorhanden ist, und mit Optimismus an der Überwindung der noch bestehenden Missstände mitzuwirken – sei das nun im privaten, im beruflichen oder im gesellschaftlichen Umfeld.

Eine optimistische Haltung ist schon allein deshalb angebracht, weil sie eine ganz reale Grundlage hat. Da wir mutmaßlich auf der Erde inkarnieren, um zu lernen, werden wir mit jeder „Spielrunde“ an Erfahrung dazugewinnen und unsere Bewusstseinsqualität bestenfalls ein wenig anheben können. Sofern äußere Taten stets Manifestationen des inneren Bewusstseinszustandes sind, wird sich also Vieles von ganz allein verbessern – individuell wie gesellschaftlich.

Ein flüchtiger Blick in die Menschheitsgeschichte bestätigt das. Trotz gelegentlicher Rückfälle kann man doch feststellen, dass es auf der Erde insgesamt zivilisierter zugeht als noch vor wenigen Jahrhunderten oder Jahrtausenden (man denke an Sklaverei, öffentliche Folter und Hinrichtungen und dergleichen mehr - an dieser Stelle sei auch die menschheitshistorische Langzeituntersuchung von Prof. Steven Pinker empfohlen). Behalten Sie also das große Bild im Auge. So lebt es sich entspannter.

3) Wie Gedanken die physische Realität beeinflussen können

Wie sehr unsere Gedanken die physische Realität um uns herum steuern, ist zumindest in einem Aspekt offensichtlich: Wer zum Beispiel den unbedingten Willen aufbringt, ein erfolgreiches Unternehmen zu führen oder ein erfolgreicher Spitzensportler zu werden, der wird seinen Körper beständig die dazu passenden Handlungen ausführen lassen (früh aufstehen und in die Firma gehen, hart trainieren und so weiter). So erschaffen diese Menschen Produkte, um den Markt zu erobern oder bringen ihren Körper in Höchstform, um Wettbewerbe zu gewinnen. 

Das demonstriert sehr anschaulich, wie Gedanken und innere Haltungen mittels entsprechender körperlicher Aktivität auf äußerliche Ereignisse in unserer physischen Lebensumwelt einwirken können. So weit, so normal.

Ungewöhnlich – und insofern paranormal – wäre es nun, wenn sich eigene Gedanken und innere Haltungen auch ohne unser körperliches Zutun auf Ereignisse und Objekte außerhalb unseres Körpers auswirken würden: wenn Menschen also unmittelbar die physische Realität manipulieren, ohne dass sie dabei mit ihrem Körper selbst Hand anlegen.

Tatsächlich scheint das aber möglich zu sein. Parapsychologische Experimente wie jene von Prof. Jahn oder Dr. Dean Radin konnten offenbar nachweisen, dass wir allein mit Willenskraft auf physikalische Vorgänge einwirken können (siehe hierzu unsere Artikelsammlung "Studien zur mentalen Beeinflussung von Zufallsprozessen" im Themenbereich "Bewusstseinsforschung"). Die weiter unten verlinkte Video-Dokumentation "Die Mechanik des Zufalls" zeigt, wie solche Experimente funktionieren. Sie zeigt allerdings auch, dass das Ausmaß, in dem die innere Absicht äußerliche Vorgänge lenken kann, nur sehr geringfügig ist. 

Insofern finden wir doch sehr zweifelhaft, was in spirituellen Kreisen unter dem Schlagwort „Manifestieren“ kolportiert wird. 

Esoterische Influencer und Ratgeber behaupten immer wieder, dass man allein Kraft seiner Gedanken Geld, Erfolg und den perfekten Partner in sein Leben „ziehen“ kann. Als Mechanismus dahinter wird ein vermeintliches „Gesetz der Anziehung“ postuliert: Wer durch entsprechende Affirmationen positive Energie und positive Haltungen ins Universum hineinsende, dem liefere das Universum entsprechende physische Manifestationen zurück.

Leider gibt es keine einzige empirische Bestätigung für die Zuverlässigkeit dieses Mechanismus. Und so fragen sich vermutlich Millionen leichtgläubiger Follower und Leser, was sie nur falsch gemacht haben, wenn das große Glück, das die Influencer und Autoren mit Verweis auf ihren eigenen Erfolg in Aussicht stellen, ausbleibt. Zweifelhaft finden wir überdies, in erster Linie das Manifestieren von Geld und Erfolg zu empfehlen. Es widerspricht dem spirituellen Wachstum, das eigene Ego zu nähren. Gier und Ruhmsucht helfen uns nicht dabei, Empathie zu entwickeln. Insofern sind entsprechende Ratgeber eher Ausdruck einer pervertierten Pseudo-Spiritualität in einer individualistischen Konsumgesellschaft.

Manifestieren, also das gedankliche Beeinflussen äußerer Umstände, ist kein Wunschkonzert. Das „Gesetz der Anziehung“ funktioniert allenfalls als subtile Tendenz.

So wie sich Zufallsgeneratoren durch fokussierte Aufmerksamkeit nur sehr leicht beeinflussen lassen, können wir das Weltgeschehen und die Herausbildung bestimmter Lebenssituationen nur in einem geringen Umfang gedanklich steuern. Theoretische Erklärungen dafür, wie das funktionieren könnte, finden Sie unter anderem bei den Physikern Burkhard Heim und Thomas Campbell.

4) Sich selbst erfüllende Prophezeihungen und Synchronizitäten

Daneben gibt es noch weitere interessante Wirkungen vom inneren Denken und Fühlen auf die äußere Erfahrungsrealität. 

Wir alle kennen zum Beispiel das Prinzip der sich selbsterfüllenden Prophezeiung: Wer mit schlechter Laune zu einem Date geht, weil er davon ausgeht, dass ohnehin nichts daraus wird, der erhöht die Chancen, es aufgrund seiner schlechten Laune tatsächlich zu vermasseln. Wer hingegen mit einer positiven Ausstrahlung in ein Date geht, der wird deutlich attraktiver auf die Person wirken, die ihn erwartet. Er erhöht darum die Chancen, dass aus dem Date tatsächlich etwas erwachsen kann. Das Beispiel ist beliebig übertragbar: Wenn Sie Menschen und Situationen mit Positivität begegnen, steigern Sie grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit, im Gegenzug auch Positivität zu erfahren.

Eine besonders mysteriöse Verquickung von Bewusstsein und physischen Ereignissen behauptet das Konzept der „Synchronizität“, das auf den Psychiater Carl Gustav Jung (1875-1961) und den Quantenphysiker Wolfgang Pauli (1900-1958) zurückgeht.

Ein Beispiel für Synchronizität wäre, wenn Sie während einer langen Autofahrt über ein bestimmtes Thema nachgrübeln und plötzlich im Autoradio ein aufschlussreicher Beitrag zu genau diesem Thema läuft. Oder Sie haben eine Kerze für einen im Sterben liegenden Verwandten angezündet und just in dem Moment, in dem die Kerze erlischt, erhalten Sie den Anruf, dass die betreffende Person verstorben ist. Ein weiteres Beispiel für Synchronizität stammt von Carl Gustav Jung selbst:  

„Eine junge Patientin hatte in einem entscheidenden Moment ihrer Behandlung einen Traum, in welchem sie einen goldenen Skarabäus [Anm. d. Verf.: ein Glücksbringer in Gestalt eines mythologischen Käfers] zum Geschenk erhielt. Ich saß, während sie mir den Traum erzählte, mit dem Rücken gegen das geschlossene Fenster. Plötzlich hörte ich hinter mir ein Geräusch, wie wenn etwas leise an das Fenster klopfte. Ich drehte mich um und sah, dass ein fliegendes Insekt von außen gegen das Fenster stieß. Ich öffnete das Fenster und fing das Tier im Fluge. Es war die nächste Analogie zu einem goldenen Skarabäus, welche unsere Breiten aufzubringen vermochten, nämlich ein Scarabaeide (Blatthornkäfer), Cetonia aurata, der gemeine Rosenkäfer, der sich offenbar veranlasst gefühlt hatte, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten in ein dunkles Zimmer gerade in diesem Moment einzudringen.” (Jung, Carl Gustav: Gesammelte Werke. Band 8, Ostfildern 1993, S. 497)

Sowohl Jung als auch seine Patientin waren von dieser Begebenheit zutiefst ergriffen. Durch den Vorfall konnte sich die Patientin erstmals der Behandlung öffnen. Sie war überzeugt, ein bestätigendes Zeichen erhalten zu haben. 

Synchronizitäten beschreiben also einen bedeutungsvollen und oftmals emotional berührenden Zusammenhang zwischen Gedankenwelt und physischer Außenwelt, dem keine naturwissenschaftliche Kausalität zugrundliegt. Skeptiker interpretieren solche Ereignisse als puren Zufall. Jung und Pauli sowie viele derjenigen Menschen, die solche Ereignisse erlebt haben, meinen hingegen, dass die Häufigkeit solcher Vorkommnisse sowie die emotionale Ergriffenheit, die mit ihnen einhergeht, zu unwahrscheinlich sind, um sie in jedem Einzelfall als bloßen Zufall abzutun (siehe hierzu auch die nachstehend verlinkte Videoquelle ab Minute 33:36).

VIDEO: Die Mechanik des Zufalls (ZDF)

59:28 Minuten, deutsch

Diese Doku zeigt verschiedene Experimente, mittels derer versucht wurde, den Einfluss von Geist auf physikalische Prozesse (hier: Zufallsgeneratoren) nachzuweisen. Später wird auch das Phänomen der Synchronizität thematisiert.


5) Fazit

Unabhängig davon, ob es sich bei den Synchronizitäten um ein reales Phänomen oder doch nur um subjektiv konstruierte Interpretationen rein zufälliger Ereignisse handelt, lässt sich eine Wechselwirkung zwischen unserem Denken und unserem äußeren Erleben aufgrund der übrigen auf dieser Artikelseite genannten Beispiele (Parapsychologische Experimente zur mentalen Beeinflussung physischer Vorgänge, äußere Umsetzung innerer Zielsetzungen, sich selbst erfüllende Prophezeiungen) durchaus feststellen.

Es spricht insofern alles dafür, dass wir durch eine absichtsvolle Änderung unserer inneren Haltung gezielt auf den Verlauf unseres Lebens und auf die Geschehnisse um uns herum einwirken können.

Wer bewusste Absichten setzt und an seiner inneren Haltung arbeitet, wird die Welt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu seinen Gunsten beeinflussen können als jemand, der sich nichts „wünscht“ oder alles nur negativ sieht. Wenngleich wir nicht allmächtig sind, sind wir in diesem Sinne alle (Mit-)Schöpfer unserer Realität. Die aus spiritueller Sicht entscheidende Frage lautet natürlich, wie wir unsere gedankliche Schöpferkraft inhaltlich ausrichten: Wollen wir auf Kosten anderer Macht, Ruhm und Reichtum anstreben (Ego/Trennung)? Oder entscheiden wir uns für die Liebe (Verbindung)?

6) Weiterführende Informationen und Buchtipps