Warum Manifestieren kein Wunschkonzert ist und man trotzdem die Realität beeinflussen kann
Gewiss gibt es Lebensumstände, die objektiv schrecklich sind. Von hungernden Menschen in einem unhygienischen und überbelegten Flüchtlingslager kann man kaum verlangen, sie mögen doch bitte nicht so negativ dreinblicken. Erst recht wäre es zynisch, dem Opfer in einem Foltergefängnis vorzuschlagen, er solle doch an einer positiveren Wahrnehmung seiner Situation arbeiten. Glücklicherweise sind wir in unserer westlichen Welt von diesen dramatischen Ausnahmesituationen weit entfernt. Die meisten von uns haben durchaus die freie Wahl, mit welcher Perspektive sie durchs Leben gehen wollen, wenngleich die einen aufgrund ihres sozialen Umfelds, ihrer Kindheitserfahrungen und ihrer körperlichen Verfassung von mehr oder weniger schwierigen Voraussetzungen ausgehen als die anderen.
Jeder von uns hat einen anderen Ausgangspunkt. Von dort aus kann aber jeder selbst entscheiden, um welche Weltsicht er sich bemühen möchte: Verzweifelt man am Leid oder fokussiert man sich auf Wege der Besserung? Ist das Glas halbleer oder ist das Glas halbvoll? Suhlt man sich in Problemen oder sucht man nach Lösungen? Sieht man in seinen Mitmenschen vor allem das Schlechte oder auch das Gute? Betrachtet man sich als unwichtigen Niemand oder begreift man sich als aktiven Mitschöpfer?
Positivität bedeutet, das Gute überall dort zu erkennen, wo es vorhanden ist, und mit Optimismus an der Überwindung der noch bestehenden Missstände mitzuwirken – sei das nun im privaten, im beruflichen oder im gesellschaftlichen Umfeld.
Eine optimistische Haltung ist schon allein deshalb angebracht, weil sie eine ganz reale Grundlage hat. Da wir mutmaßlich auf der Erde inkarnieren, um zu lernen, werden wir mit jeder „Spielrunde“ an Erfahrung dazugewinnen und unsere Bewusstseinsqualität bestenfalls ein wenig anheben können. Sofern äußere Taten stets Manifestationen des inneren Bewusstseinszustandes sind, wird sich also Vieles von ganz allein verbessern – individuell wie gesellschaftlich.
Ein flüchtiger Blick in die Menschheitsgeschichte bestätigt das. Trotz gelegentlicher Rückfälle kann man doch feststellen, dass es auf der Erde insgesamt zivilisierter zugeht als noch vor wenigen Jahrhunderten oder Jahrtausenden (man denke an Sklaverei, öffentliche Folter und Hinrichtungen und dergleichen mehr - an dieser Stelle sei auch die menschheitshistorische Langzeituntersuchung von Prof. Steven Pinker empfohlen). Behalten Sie also das große Bild im Auge. So lebt es sich entspannter.
Esoterische Influencer und Ratgeber behaupten immer wieder, dass man allein Kraft seiner Gedanken Geld, Erfolg und den perfekten Partner in sein Leben „ziehen“ kann. Als Mechanismus dahinter wird ein vermeintliches „Gesetz der Anziehung“ postuliert: Wer durch entsprechende Affirmationen positive Energie und positive Haltungen ins Universum hineinsende, dem liefere das Universum entsprechende physische Manifestationen zurück.
Leider gibt es keine einzige empirische Bestätigung für die Zuverlässigkeit dieses Mechanismus. Und so fragen sich vermutlich Millionen leichtgläubiger Follower und Leser, was sie nur falsch gemacht haben, wenn das große Glück, das die Influencer und Autoren mit Verweis auf ihren eigenen Erfolg in Aussicht stellen, ausbleibt. Zweifelhaft finden wir überdies, in erster Linie das Manifestieren von Geld und Erfolg zu empfehlen. Es widerspricht dem spirituellen Wachstum, das eigene Ego zu nähren. Gier und Ruhmsucht helfen uns nicht dabei, Empathie zu entwickeln. Insofern sind entsprechende Ratgeber eher Ausdruck einer pervertierten Pseudo-Spiritualität in einer individualistischen Konsumgesellschaft.
Ein Beispiel für Synchronizität wäre, wenn Sie während einer langen Autofahrt über ein bestimmtes Thema nachgrübeln und plötzlich im Autoradio ein aufschlussreicher Beitrag zu genau diesem Thema läuft. Oder Sie haben eine Kerze für einen im Sterben liegenden Verwandten angezündet und just in dem Moment, in dem die Kerze erlischt, erhalten Sie den Anruf, dass die betreffende Person verstorben ist. Ein weiteres Beispiel für Synchronizität stammt von Carl Gustav Jung selbst:
„Eine junge Patientin hatte in einem entscheidenden Moment ihrer Behandlung einen Traum, in welchem sie einen goldenen Skarabäus [Anm. d. Verf.: ein Glücksbringer in Gestalt eines mythologischen Käfers] zum Geschenk erhielt. Ich saß, während sie mir den Traum erzählte, mit dem Rücken gegen das geschlossene Fenster. Plötzlich hörte ich hinter mir ein Geräusch, wie wenn etwas leise an das Fenster klopfte. Ich drehte mich um und sah, dass ein fliegendes Insekt von außen gegen das Fenster stieß. Ich öffnete das Fenster und fing das Tier im Fluge. Es war die nächste Analogie zu einem goldenen Skarabäus, welche unsere Breiten aufzubringen vermochten, nämlich ein Scarabaeide (Blatthornkäfer), Cetonia aurata, der gemeine Rosenkäfer, der sich offenbar veranlasst gefühlt hatte, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten in ein dunkles Zimmer gerade in diesem Moment einzudringen.” (Jung, Carl Gustav: Gesammelte Werke. Band 8, Ostfildern 1993, S. 497)
59:28 Minuten, deutsch
Diese Doku zeigt verschiedene Experimente, mittels derer versucht wurde, den Einfluss von Geist auf physikalische Prozesse (hier: Zufallsgeneratoren) nachzuweisen. Später wird auch das Phänomen der Synchronizität thematisiert.
Wer bewusste Absichten setzt und an seiner inneren Haltung arbeitet, wird die Welt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu seinen Gunsten beeinflussen können als jemand, der sich nichts „wünscht“ oder alles nur negativ sieht. Wenngleich wir nicht allmächtig sind, sind wir in diesem Sinne alle (Mit-)Schöpfer unserer Realität. Die aus spiritueller Sicht entscheidende Frage lautet natürlich, wie wir unsere gedankliche Schöpferkraft inhaltlich ausrichten: Wollen wir auf Kosten anderer Macht, Ruhm und Reichtum anstreben (Ego/Trennung)? Oder entscheiden wir uns für die Liebe (Verbindung)?