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Religion, Mythologie und Spiritualität

Spirituelles Erwachen (3/4)
Meditationstechniken - Tipps für Kopfmenschen und Ungelenkige


Wie man als völlig unesoterischer Mensch erfolgreich meditieren kann


1) Wie geht Meditieren?

Der Markt ist überschwemmt mit Ratgebern zur Meditation. Auch zu den wissenschaftlich nachweisbaren Effekten bestimmter Meditationstechniken auf unser Wohlbefinden gibt es inzwischen haufenweise Literatur. Insofern wollen wir hier nicht unnötig wiederholen, was schon dutzende Male zuvor geschrieben und veröffentlicht wurde. Was wir beisteuern können, sind Tipps für Ungeduldige und/oder ungelenkige Menschen, die ihr Denken nur schwer abstellen oder aber sich mangels Dehnbarkeit gar nicht erst in den Schneidersitz, geschweige denn in den Lotussitz setzen können. Glücklicherweise gibt es Herangehensweisen, die zugänglicher sind und womöglich in einem klassischen Meditations-Ratgeber, der sich an standardisierte Techniken oder historisch überlieferte Traditionen hält, nicht zu finden sind.

Meditation hat viele Facetten. Im weitesten Sinne bedeutet Meditation die Hinwendung zum inneren Sein: durch Selbsterkundung, durch Reflexion und durch verschiedene praktische Übungsformen.

Im besten Fall stößt man dabei so weit in die Tiefe vor, dass man in Kontakt mit Bewusstseinsebenen gerät, die in unserem Alltag zugeschüttet beziehungsweise durch äußere Reize, hektische Geschäftigkeit und analytische Gedankenströme überlagert sind. Damit der Weg ins Innere gelingen kann, ist es zwingend erforderlich, sich von jeglichen Ablenkungen loszueisen. Bestenfalls sollten Sie vollkommen eintauchen können in eine andere Welt – in eine innere Welt.

Wichtig ist, dass Sie sich beim Meditieren keinen Druck machen. Setzen Sie keine Erwartungen in Ihre ersten Versuche. Lassen Sie einfach alles so kommen, wie es kommt. Mit Verbissenheit und Erfolgsorientierung erzeugen Sie bereits geistige Verkrampfungen, die der Öffnung Ihrer Wahrnehmung und Ihres Herzens im Wege stehen. Ärgern Sie sich nicht, wenn eine Meditationsübung in die Hose gegangen ist. Es ist nicht schlimm, wenn Sie über weite Strecken abgelenkt waren oder sich einfach nicht auf die Meditation einlassen konnten. Feiern Sie sich stattdessen für jede noch so kleine Sekunde, in der Sie den Fokus trotz aller Widrigkeiten halten konnten.

In gewisser Hinsicht gleicht das Erlernen von Meditation dem Aufbau von Muskeln: Für einen unsportlichen Anfänger mag bei fünf Liegestützen das Ende der Fahnenstange bereits erreicht sein. Wer hingegen regelmäßig trainiert, der schafft bald 20 oder 30 Liegestütze am Stück. Mit der Meditation ist das ähnlich: Dank wiederholter Anwendung wird es Ihnen irgendwann leichter fallen, Ihren Intellekt für einige Sekunden oder gar Minuten auf „Standby“ zu stellen, um einen intuitiven Zugang in Ihr Inneres zu ermöglichen. Anders als beim Bodybuilding sollten Sie jedoch beim „Mindbuilding“ jeglichen Ehrgeiz beiseitelassen. Meditieren kann nur aus einer Haltung der Gelassenheit und Freude gelingen. Erzwingen Sie also nichts und setzen Sie sich keine Benchmark. Wählen Sie aus den nachstehend vorgestellten Meditationsangeboten nur diejenigen aus, die Ihnen zusagen.

2) Autosuggestion und das Formulieren von Absichten

Die erste Methode, die wir Ihnen ans Herz legen möchten, kann jeder anwenden. Sie erfordert keine Zeit und keine körperlichen Verrenkungen. Sie besteht einfach darin, sich selbst etwas zu sagen, was man gerne in genau dieser Weise wahrnehmen können möchte. Zum Beispiel: So wie ich bin, bin ich in gut! Oder: Ich bin dankbar für diesen Moment. Oder: Die Menschen um mich herum sind liebenswert. In all diesen Beispielen geht es darum, sich durch gutes Zureden Überzeugungen anzueignen, die sich positiv auf einen selbst und auf andere auswirken. Die Inhalte solcher positiven Autosuggestionen können Sie sich nach Belieben selbst ausdenken.

Je häufiger Sie in Ihrem Inneren liebevolle Dinge aussprechen, desto einfacher wird es Ihnen fallen, die entsprechende Haltung auch tatsächlich anzunehmen. Das ist wieder vergleichbar mit dem Bodybuilding: Wenn Sie den gleichen Muskel ständig trainieren, wird dieser allmählich größer werden. Übertragen auf die Autosuggestion bedeutet das: Je häufiger Sie positive Gedanken kultivieren, desto mehr Raum werden sie automatisch in Ihrem Bewusstsein einnehmen.

Eine ähnliche und vielleicht sogar noch folgenreichere Übung besteht im Formulieren klarer Absichten. Das grundsätzliche Prinzip dahinter kennt jeder vom Neujahrsvorsatz: Wer ein klares Ziel definiert, schafft aus sich selbst heraus einen Anreiz, dieses auch erreichen zu wollen. Das Dumme bei den Neujahrsvorsätzen ist nur, dass sie sich allzu oft nach nur wenigen Wochen wieder zerstreuen. Manchmal liegt das daran, dass sie nur halbherzig motiviert sind. Oft liegt es aber auch daran, dass die einmal gesetzten Absichten nicht regelmäßig und mit Nachdruck im Bewusstsein erneuert werden. Sie würden wahrscheinlich um einiges wirksamer sein, wenn sie als tägliches Ritual erinnert würden.

Inhaltlich weichen die Ziele von Bewusstseinsarbeit freilich stark von typischen Neujahrsvorsätzen ab. Die täglichen Absichten, auf die wir hier anspielen, sind nicht darauf gemünzt, mehr Sport zu treiben oder mit dem Rauchen aufzuhören (ein gesunder Lebensstil ergibt sich häufig ohnehin als automatischer Nebeneffekt einer bewussten Lebensführung). 

Absichten, die den Zweck verfolgen, Ihre Selbstwahrnehmung zu verändern, zielen auf Ihr inneres Sein. Zum Beispiel: Ich nehme mir vor, Kritik nicht persönlich zu nehmen. Oder: Wenn jemand anders einen Fehler macht, will ich mich nicht darüber aufregen. Alternativ könnten Sie sich vornehmen, Ihr Herz für andere zu öffnen. Zum Beispiel: Heute möchte ich mich bemühen, meinen Kollegen freundlich zu begegnen. Oder: Ich möchte meinem Partner beziehungsweise meiner Partnerin gegenüber aufmerksamer sein.

Die Absichten können von Tag zu Tag variieren oder über Wochen hinweg dieselben sein. Sie können natürlich auch mehrere Absichten pro Tag formulieren. 

Inhaltlich wählen Sie am besten solche Themen aus, die für Sie besonders bedeutsam sind. Vielleicht gibt es in Ihrem Leben besondere Baustellen, besondere Konflikte oder unausgesprochene Probleme, die nach einer Lösung drängen. Formulieren Sie diesbezüglich Absichten, die Sie der Lösung näherbringen. Die Lösung liegt immer in der Erhöhung des Liebesbewusstseins (siehe hierzu die vorigen Artikelseiten).

Die Absichten in Ihren Gedanken haben reale Konsequenzen, weil sie Einfluss auf Ihr Verhalten nehmen können. So können Sie gezielt auf Ihre gewohnten Handlungsmuster einwirken und diese im Sinne der (Selbst-)Liebe neu auszurichten versuchen (dazu später nochmal mehr auf der folgenden Artikelseite zur Macht der Gedanken). Wenn Sie mögen, halten Sie gelegentlich einen Rückblick. Tun Sie das wie immer ohne Ehrgeiz und ohne Selbstverurteilung. Es ist nicht schlimm, wenn Ihnen die Umsetzung Ihrer Absichten nicht an jedem Tag gelingt. Seien Sie nachsichtig mit sich selbst. Absichten zu setzen, darf keinen Druck oder Zwang erzeugen. Es soll Sie lediglich darin bestärken, weitere Schritte in Richtung Liebe zu wagen. Ein Tages- oder Wochenrückblick dient also nicht der Bewertung. Er dient in erster Linie dem Zweck, Ihre liebevollen Absichten ein weiteres Mal in Erinnerung zu rufen und sich mit deren potentiellen Auswirkungen zu beschäftigen. Denken Sie an die Parallele zum Muskelaufbau: Je häufiger ein Gedanke kultiviert wird, desto mehr Raum nimmt er im Bewusstsein ein. 

3) Meditieren in Bewegung

Vielen Anfängern der Meditation fällt es schwer, stillzusitzen und nichts zu tun. Für solche Menschen eignen sich Praktiken, die gewisse Bewegungsabläufe zulassen und zugleich dennoch in eine meditative Stimmung führen können. 

Der „Trick“ hierbei besteht in der Gleichförmigkeit der Körperbewegung. Die ständige Wiederholung gleicher Abläufe kann dabei helfen, sich in einen gewissen Flow oder mentalen Tunnel zu begeben, den man nutzen kann, um über sich selbst und sein Leben nachzudenken. Dazu bedarf es allerdings einer reizarmen Umgebung. Ansonsten droht man, den Fokus wieder zu verlieren. Ein belebtes Fitnessstudio wäre also kein geeigneter Ort. Besser wäre eine Wanderung oder ein Spaziergang in freier Natur, am besten dort, wo Sie möglichst wenig Menschen antreffen. So können Sie den Alltag besser hinter sich lassen. Unter diesen Umständen käme sogar eine Radtour in Frage. Oder Sie joggen ein paar Kilometer. Das sollte dann aber ohne sportliche Ambitionen geschehen. Wenn man sich zu sehr anstrengen muss, bleibt keine Energie für die Bewusstseinsarbeit übrig.

Sobald Sie einmal in den „Bewegungs-Flow“ gekommen sind und Ihr Körper einem Uhrwerk gleich seine Gliedmaßen bewegt, könnten Sie zwei Dinge ausprobieren:

Suchen Sie sich ein Thema aus, dem Sie Ihre Aufmerksamkeit schenken wollen, und denken Sie in einer ersten Variante konstruktiv darüber nach. Zum Beispiel: Was könnte ich tun, um Streitigkeiten mit meinem Chef, meinem Partner oder meinen Kindern liebevoll beizulegen? Oder: Welche Talente, Potentiale und Bedürfnisse möchte ich zur Entfaltung bringen? Welche kreativen Projekte könnte ich mir in Zukunft vornehmen? Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf und schmieden Sie imaginäre Pläne. Der Sinn dieses konstruktiven Sinnierens besteht darin, Ihre Gedanken in Richtung Empathie oder schöpferisches Tätigsein auszurichten und sich diesbezüglich positive Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. In einer zweiten Variante könnten Sie, statt aktiv eine Lösung zu konstruieren, in eine Haltung des passiven Empfangens gehen. Suchen Sie die Antworten auf Ihre Fragen also nicht durch versunkenes Nachdenken, sondern stellen Sie die oben formulierten Fragen einfach wiederholt in den Raum und warten Sie, ob von alleine eine intuitive Antwort kommt.

Falls Sie nur wenig oder keine Meditationserfahrung haben, wird Ihnen diese zweite Variante etwas nebulös erscheinen. Aber das intuitive Empfangen von Antworten ist wahrscheinlich gar nicht so selten. Vielleicht hatten auch Sie schonmal folgenreiche Eingebungen in Bezug auf die ein oder andere Lebenssituation, ohne dass Ihnen bewusst gewesen wäre, woher die so urplötzlich kamen.

Wo genau die Quelle dieser Eingebungen sitzt, lässt sich wahrscheinlich auch gar nicht identifizieren. Ob ein Gedankenblitz im jeweiligen Einzelfall aus den tieferen Schichten der Seele, aus dem Unbewussten, vom höheren Selbst oder vielleicht sogar als Bestärkung von einem unterstützenden Geistwesen stammt, ist ohnehin unerheblich, solange er sich stimmig anfühlt und einem weiterhilft. Ausgeschlossen erscheint auf Basis der in dieser Online-Mediathek zusammengetragenen Argumente und Indizien, dass intuitive Eingebungen zufällig als Resultat materieller Prozesse im Gehirn entstehen.

Bewegung ist natürich keinesfalls eine Voraussetzung dafür, seine intuitiven Kanäle zu öffnen. Die meisten spirituellen Menschen bevorzugen im Gegenteil die Ruhe. Trancetänze und ähnliche Rituale zeigen aber auch, dass das spirituelle Potential rhythmischer Bewegung von verschiedensten Völkern und Kulturen seit Jahrhunderten genutzt wird. Meditative Spaziergänge und Fahrradtouren könnten im Vergleich dazu vielleicht als niederschwellige „Soft“-Versionen für skeptische Anfänger herhalten. Sie erleichtern ein Eintauchen in konstruktive Selbstreflexionen und bewirken bestenfalls sogar eine leichte Öffnung für einen intuitiven Informationsfluss.

4) Meditieren durch Naturbetrachtung

Spaziergänge oder Fahrradtouren ermöglichen noch eine weitere Möglichkeit, zu meditieren. Begeben Sie sich dazu in eine idyllische Wald- und Wiesenlandschaft und machen Sie Halt an einem Bach oder an einem Fluss. Vermeiden Sie es, den Lauf des Wassers als Strom von H₂O-Molekülen zu begreifen und sich zu fragen, welchen pH-Wert das Gewässer wohl haben mag. Zerlegen Sie das Gesamtszenario, das sich Ihnen darbietet, keinesfalls durch Analysen, Benennungen oder Unterscheidungen in seine Einzelteile. Staunen Sie stattdessen über das Wunder, das Sie vor sich sehen.

Versuchen Sie, die Schönheit der Natur, die sich in allem zeigt, was Sie in diesem Moment wahrnehmen können, als Schöpfung einer belebenden Quelle anzuerkennen. Es spielt keine Rolle, ob Sie diese Quelle als Gott (abrahamitische Religionen), Brahma (Hinduismus), Tao (Taoismus), AUO (Campbell) das Gute (Platon) oder einfach nur als mystisches Etwas identifizieren. Entscheidend ist, ihre Gegenwart zu spüren. Und das geht eigentlich ganz einfach: Verlieren Sie sich im Plätschern des Baches oder im Rauschen des Flusses, im Zwitschern der Vögel und im Hauch des Windes. Beobachten Sie, wie sich im Wasserlauf kleine Wirbel und Schaumkronen bilden, wie die Wolken am Himmel entlangziehen und wie die Baumzweige im Wind hin- und her schaukeln. Sie werden sehen, dass sich die Szenerie dann ganz anders anfühlt.

Das Ziel der ganzen Übung lautet Verbundenheit. Wenn Sie sich in der Betrachtung der Schönheit der Natur verlieren und dabei nicht nur Ihren Alltag, sondern sogar sich selbst vergessen, sind Sie für einen kurzen Moment lang „Eins“ mit allem, ohne es zu merken.

Der Philosoph Arthur Schopenhauer bezeichnete diese Form der Kontemplation als ästhetischen Ausweg aus unserem alltäglichen, rastlosen Streben (siehe hierzu unsere Artikelseite zu Schopenhauer).

Notwendigerweise kann es sich dabei immer nur um einen vorübergehenden Moment handeln. Trotzdem werden wiederkehrende Erfahrungen dieser Art dazu beitragen, Ihre Sensibilität für die Schöpfung zu schärfen. Für den Intellekt mag die Erkenntnis, dass der Mensch nur dank der Natur und nur in ihr eingebettet leben kann, trivial sein. Es ist aber nochmal etwas ganz anderes, die Verbundenheit mit der Natur auch wirklich intensiv zu spüren und emotional zu integrieren.


5) Meditieren mittels Imagination

Falls Sie in einem Ballungsgebiet fernab schöner Naturlandschaften wohnen und Ihnen die kontemplative Naturbetrachtung nur in Ausnahmefällen möglich ist, müssen Sie mit Meditationsformen vorliebnehmen, die Sie zu Hause durchführen können. 

Eine davon setzt bei Ihrer Vorstellungskraft an: Machen Sie es sich auf Ihrem Sofa bequem, schließen Sie die Augen und versuchen Sie, sich gedanklich eine wundervolle Naturlandschaft vorzustellen. Diese Landschaft kann eine Fantasielandschaft sein oder ein realer Ort, an dem Sie schon gewesen sind. Alternativ können Sie vor Ihrem inneren Auge auch andere Szenarien bebildern: eine traumhafte Terrasse, einen schönen Garten oder einen imaginären Flug auf einer Wolke. Sie könnten sich auch vorstellen, von einer wunderschönen Lichtkugel umhüllt und geschützt zu sein. Oder Sie stellen sich vor, dass Lichtstrahlen in Farben Ihrer Wahl Sie von innen erwärmen und mit Lebensenergie aufladen. Erschaffen Sie sich Fantasiebilder, die Ihnen Ruhe, Kraft und inneren Frieden ermöglichen. Schwelgen Sie eine Zeit lang in diesen Vorstellungen. Variieren Sie das Szenario, falls Sie mögen. Vielleicht wollen Sie sich auch vorstellen, dass Sie dort, wo Sie sich gerade gedanklich befinden, liebevolle Begleitung erfahren: von Freunden, von Familienangehörigen, von einem verstorbenen Angehörigen oder von einem unterstützenden Geistwesen. Träumen Sie einfach vor sich hin, solange Sie sich dabei wohl fühlen.

Fantasiereisen wie die hier vorgeschlagenen wirken auf mehreren Ebenen gleichzeitig:

Oberflächlich betrachtet bieten sie kurzfristige Erholung und Selbstvergessenheit. Das gilt auch dann, wenn Sie Ihre inneren Vorstellungen nur für wenige Sekunden oder Minuten aufrechterhalten können oder wenn Sie, wie das bei Anfängern häufig der Fall ist, dabei einschlafen. Sofern Sie wie empfohlen ausschließlich wohltuende Szenarien bebildern, geht von Fantasiereisen außerdem ein heilsamer und erbaulicher Effekt aus.
Auf einer subtileren Ebene gilt ferner wieder das Prinzip des „Mindbuilding“: So wie Gedanken Ihre Geisteshaltung in eine bestimmte Richtung ausrichten können, tun das auch innere Bilder. Wer sich in seinen bewussten Tagträumen vorstellen kann, sich mit spiritueller Energie aufzuladen oder sich mit Verstorbenen beziehungsweise wohlwollenden Geistwesen zu verbinden, der erhöht genau dadurch, dass er diese Handlungen vor seinem geistigen Auge ausführt, seine tatsächliche Empfänglichkeit dafür. Auf die Gefahr hin, die Analogie überzustrapazieren: Muskeln können nicht wachsen, wenn man sie nicht trainiert. Nicht anders ist es mit unseren Fähigkeiten, uns für geistige Informations- und Energieströme zu öffnen. Betrachten Sie Fantasiereisen als Trainingseinheiten, in denen die Verbindung mit der geistigen Welt geübt werden kann. Irgendwann verschwimmen die Grenzen zwischen Vorstellung und Realität.

Fantasiereisen lassen sich übrigens leicht mit Autosuggestionen und dem Setzen von Absichten kombinieren. Sprechen Sie zu diesem Zweck vor dem Beginn einer Fantasiereise Ihre Suggestionen oder Absichten klar aus. Manche spirituelle Menschen glauben, dass die jeweiligen Vorsätze durch die anschließende Phase der inneren Einkehr eine noch tiefere Wirkung entfalten können. Ob das stimmt, lässt sich intellektuell nicht nachprüfen. Sie verlieren aber nichts, wenn Sie es einfach ausprobieren.


6) Meditieren mit Kopfhörern

Innere Bilder und Fantasiereisen aus sich selbst heraus zu erzeugen, mag für Anfänger herausfordernd sein. Alternativ könnten Sie bei Bedarf geführten Fantasiereisen folgen, bei denen die Anweisungen eines Sprechers oder einer Sprecherin Ihre Vorstellungen und Gedanken lenken. 

Das Internet und die Esoterik-Abteilungen im Buch- und Musikhandel sind voll mit entsprechenden Angeboten. Nehmen Sie sich gerne die Zeit, sich dort einmal umzuschauen, um herauszufinden, was Ihnen zusagt. Nutzen Sie beim Abspielen der geführten Meditationen am besten bequeme und ohrumschließende Kopfhörer, sodass Sie sich in einen „akustischen Kokon“ zurückziehen können. Sollten Sie bislang keine Erfahrungen mit geführten Mediationen haben, dürfte es Ihnen zu Beginn etwas albern vorkommen, einer betörenden Stimme zu folgen, die einen auffordert, „gaaaaanz laaangsam“ ein- und auszuatmen. Lassen Sie sich einfach darauf ein. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich daran. Und falls nicht, könnten Sie einen Zwischenweg einschlagen, indem Sie auf sprachlich geführte Meditationen verzichten, die Unterstützung durch Geräusche und Musik aber beibehalten. Wo Vogelgezwitscher, Regentropfen, Meeresrauschen und sphärische Klänge einen akustischen Teppich ausbreiten, können sich innere Bilder womöglich leichter entfalten, als wenn Sie diese in völliger Stille selbst erzeugen müssten. Auch hierzu finden Sie im Internet und in den einschlägigen Läden ein riesiges Angebot.

Manche musik- und geräuschbasierten Meditationen arbeiten mit einem zusätzlichen Trick, den man „Binaurale Beats“ nennt (siehe hierzu unsere Artikelseite zur Überprüfung außerkörperlicher Erfahrungen).

„Binaurale Beats“ basieren auf der Einspeisung verschieden schnell schwingender Audiosignale in das linke beziehungsweise rechte Ohr. Damit soll die Gehirnwellenfrequenz künstlich in einen Bereich abgesenkt werden, der für meditative Zustände typisch ist. Das Prinzip funktioniert sehr einfach: Wenn Sie in Ihrem linken Ohr einen Ton hören, der mit einer Frequenz von 400 Hertz schwingt, wohingegen in Ihrem rechten Ohr ein Ton mit einer Frequenz von 412 Hertz erklingt, beträgt die Differenz 12 Hertz. Im Gehirn entsteht aus dieser Differenz der Eindruck einer eigenen Schwingung. Sie vernehmen also eine rhythmische Schwingung von 12 Hertz, obschon gar kein Audiosignal mit dieser Schwingungsfrequenz in Ihre Ohren eingespeist wurde. Es liegt sozusagen eine „akustische Täuschung“ vor. Wenn das Gehirn lange genug diese akustische „Phantom-Schwingung“ wahrnimmt, passt es sich idealerweise in seiner Gehirnwellenfrequenz dieser Schwingung an. So will es zumindest die Theorie.

Im Internet finden Sie auch hierzu eine Fülle an Informationen und das nötige Audiomaterial. Es gibt sogar kostenlose Apps, mit denen Sie die gewünschten Frequenzen selbst auswählen und einstellen können. Testen Sie einfach aus, was Ihnen zusagt und bei welchen Frequenzen Sie sich wohl fühlen (für meditative Zustände sind Gehirnwellenfrequenzen zwischen 4 und 10 Hertz üblich). Manche Meditierende sollen mithilfe dieser Technik tiefgreifende spirituelle Erfahrungen gemacht haben. Andere erreichen immerhin einen Entspannungszustand.



7) Meditieren im Alltag und das Ausprobieren weiterer Techniken

Oft ergeben sich im Alltag Situationen, in denen wir zum Warten gezwungen sind: in der U-Bahn-Station, an der Bushaltestelle, im Wartezimmer oder an der Kasse. Diese Zeit lässt sich nutzen, um Bewusstseinsarbeit zu leisten.

Versuchen Sie, in diesen Momenten entspannt zu bleiben und innezuhalten. Beobachten Sie die anderen Menschen um sich herum. Versuchen Sie, sich in diese Menschen hineinzuversetzen und anzuerkennen, dass in diesen Menschen dieselbe geistige Quelle wirkt, die auch in Ihnen wirkt. Stellen Sie sich vor, dass diese Menschen ähnliche Ängste, Sorgen und Gedanken plagen, die auch Ihnen begegnen. Seien Sie nachsichtig, wenn sich unter diesen Menschen auch solche befinden, die Ihnen unsympathisch oder gar respektlos erscheinen. Rufen Sie sich in Erinnerung, dass wir mutmaßlich inkarnieren, um zu lernen, die Trennung zu überwinden. Viele Menschen sind halt noch nicht so weit, Verbundenheit wahrzunehmen und entsprechend zu handeln.

Mit dieser einfachen Übung können Sie Empathie trainieren. Zusätzlich oder alternativ dazu könnten Sie in solchen Wartesituationen auch einige der Techniken anwenden, die weiter oben beschrieben wurden: Betreiben Sie innere Selbstbeobachtung und erinnern Sie Ihre Absichten und Suggestionen.

Ansonsten bleibt uns nur, Ihnen zu empfehlen, nach Belieben weitere Meditationstechniken auszutesten, die im Internet oder der einschlägigen Ratgeberliteratur präsentiert werden. Gleich ob ruhige Techniken wie Achtsamkeitsmeditation, Body-Scan, Atem-Meditation, Mantra-Meditation, Metta-Meditation und Zazen oder bewegungsbasierte Meditationsformen wie die Kundalini-Meditation und Trancetänze – eigentlich können Sie nichts falsch machen, solange Sie keinen Leistungssport daraus machen und Ihnen das Meditieren Freude bereitet. Zwingen Sie nichts. Probieren Sie einfach aus, was am besten zu Ihnen passt. Auf Meditationsformen, die Ihnen nicht zusagen, können Sie getrost verzichten. Bewusstseinsarbeit ist eine subjektive Arbeit. Alles hängt von Ihren Neigungen und Absichten ab. Deshalb gibt es keine objektiv wirksamste Meditationstechnik. Letztlich muss jeder seinen eigenen Weg finden.

8) Weiterführende Informationen und Buchtipps