Wie man als völlig unesoterischer Mensch erfolgreich meditieren kann
Im besten Fall stößt man dabei so weit in die Tiefe vor, dass man in Kontakt mit Bewusstseinsebenen gerät, die in unserem Alltag zugeschüttet beziehungsweise durch äußere Reize, hektische Geschäftigkeit und analytische Gedankenströme überlagert sind. Damit der Weg ins Innere gelingen kann, ist es zwingend erforderlich, sich von jeglichen Ablenkungen loszueisen. Bestenfalls sollten Sie vollkommen eintauchen können in eine andere Welt – in eine innere Welt.
Wichtig ist, dass Sie sich beim Meditieren keinen Druck machen. Setzen Sie keine Erwartungen in Ihre ersten Versuche. Lassen Sie einfach alles so kommen, wie es kommt. Mit Verbissenheit und Erfolgsorientierung erzeugen Sie bereits geistige Verkrampfungen, die der Öffnung Ihrer Wahrnehmung und Ihres Herzens im Wege stehen. Ärgern Sie sich nicht, wenn eine Meditationsübung in die Hose gegangen ist. Es ist nicht schlimm, wenn Sie über weite Strecken abgelenkt waren oder sich einfach nicht auf die Meditation einlassen konnten. Feiern Sie sich stattdessen für jede noch so kleine Sekunde, in der Sie den Fokus trotz aller Widrigkeiten halten konnten.
In gewisser Hinsicht gleicht das Erlernen von Meditation dem Aufbau von Muskeln: Für einen unsportlichen Anfänger mag bei fünf Liegestützen das Ende der Fahnenstange bereits erreicht sein. Wer hingegen regelmäßig trainiert, der schafft bald 20 oder 30 Liegestütze am Stück. Mit der Meditation ist das ähnlich: Dank wiederholter Anwendung wird es Ihnen irgendwann leichter fallen, Ihren Intellekt für einige Sekunden oder gar Minuten auf „Standby“ zu stellen, um einen intuitiven Zugang in Ihr Inneres zu ermöglichen. Anders als beim Bodybuilding sollten Sie jedoch beim „Mindbuilding“ jeglichen Ehrgeiz beiseitelassen. Meditieren kann nur aus einer Haltung der Gelassenheit und Freude gelingen. Erzwingen Sie also nichts und setzen Sie sich keine Benchmark. Wählen Sie aus den nachstehend vorgestellten Meditationsangeboten nur diejenigen aus, die Ihnen zusagen.
Absichten, die den Zweck verfolgen, Ihre Selbstwahrnehmung zu verändern, zielen auf Ihr inneres Sein. Zum Beispiel: Ich nehme mir vor, Kritik nicht persönlich zu nehmen. Oder: Wenn jemand anders einen Fehler macht, will ich mich nicht darüber aufregen. Alternativ könnten Sie sich vornehmen, Ihr Herz für andere zu öffnen. Zum Beispiel: Heute möchte ich mich bemühen, meinen Kollegen freundlich zu begegnen. Oder: Ich möchte meinem Partner beziehungsweise meiner Partnerin gegenüber aufmerksamer sein.
Suchen Sie sich ein Thema aus, dem Sie Ihre Aufmerksamkeit schenken wollen, und denken Sie in einer ersten Variante konstruktiv darüber nach. Zum Beispiel: Was könnte ich tun, um Streitigkeiten mit meinem Chef, meinem Partner oder meinen Kindern liebevoll beizulegen? Oder: Welche Talente, Potentiale und Bedürfnisse möchte ich zur Entfaltung bringen? Welche kreativen Projekte könnte ich mir in Zukunft vornehmen? Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf und schmieden Sie imaginäre Pläne. Der Sinn dieses konstruktiven Sinnierens besteht darin, Ihre Gedanken in Richtung Empathie oder schöpferisches Tätigsein auszurichten und sich diesbezüglich positive Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. In einer zweiten Variante könnten Sie, statt aktiv eine Lösung zu konstruieren, in eine Haltung des passiven Empfangens gehen. Suchen Sie die Antworten auf Ihre Fragen also nicht durch versunkenes Nachdenken, sondern stellen Sie die oben formulierten Fragen einfach wiederholt in den Raum und warten Sie, ob von alleine eine intuitive Antwort kommt.
Der Philosoph Arthur Schopenhauer bezeichnete diese Form der Kontemplation als ästhetischen Ausweg aus unserem alltäglichen, rastlosen Streben (siehe hierzu unsere Artikelseite zu Schopenhauer).
Notwendigerweise kann es sich dabei immer nur um einen vorübergehenden Moment handeln. Trotzdem werden wiederkehrende Erfahrungen dieser Art dazu beitragen, Ihre Sensibilität für die Schöpfung zu schärfen. Für den Intellekt mag die Erkenntnis, dass der Mensch nur dank der Natur und nur in ihr eingebettet leben kann, trivial sein. Es ist aber nochmal etwas ganz anderes, die Verbundenheit mit der Natur auch wirklich intensiv zu spüren und emotional zu integrieren.
Oberflächlich betrachtet bieten sie kurzfristige Erholung und Selbstvergessenheit. Das gilt auch dann, wenn Sie Ihre inneren Vorstellungen nur für wenige Sekunden oder Minuten aufrechterhalten können oder wenn Sie, wie das bei Anfängern häufig der Fall ist, dabei einschlafen. Sofern Sie wie empfohlen ausschließlich wohltuende Szenarien bebildern, geht von Fantasiereisen außerdem ein heilsamer und erbaulicher Effekt aus.
Auf einer subtileren Ebene gilt ferner wieder das Prinzip des „Mindbuilding“: So wie Gedanken Ihre Geisteshaltung in eine bestimmte Richtung ausrichten können, tun das auch innere Bilder. Wer sich in seinen bewussten Tagträumen vorstellen kann, sich mit spiritueller Energie aufzuladen oder sich mit Verstorbenen beziehungsweise wohlwollenden Geistwesen zu verbinden, der erhöht genau dadurch, dass er diese Handlungen vor seinem geistigen Auge ausführt, seine tatsächliche Empfänglichkeit dafür. Auf die Gefahr hin, die Analogie überzustrapazieren: Muskeln können nicht wachsen, wenn man sie nicht trainiert. Nicht anders ist es mit unseren Fähigkeiten, uns für geistige Informations- und Energieströme zu öffnen. Betrachten Sie Fantasiereisen als Trainingseinheiten, in denen die Verbindung mit der geistigen Welt geübt werden kann. Irgendwann verschwimmen die Grenzen zwischen Vorstellung und Realität.
„Binaurale Beats“ basieren auf der Einspeisung verschieden schnell schwingender Audiosignale in das linke beziehungsweise rechte Ohr. Damit soll die Gehirnwellenfrequenz künstlich in einen Bereich abgesenkt werden, der für meditative Zustände typisch ist. Das Prinzip funktioniert sehr einfach: Wenn Sie in Ihrem linken Ohr einen Ton hören, der mit einer Frequenz von 400 Hertz schwingt, wohingegen in Ihrem rechten Ohr ein Ton mit einer Frequenz von 412 Hertz erklingt, beträgt die Differenz 12 Hertz. Im Gehirn entsteht aus dieser Differenz der Eindruck einer eigenen Schwingung. Sie vernehmen also eine rhythmische Schwingung von 12 Hertz, obschon gar kein Audiosignal mit dieser Schwingungsfrequenz in Ihre Ohren eingespeist wurde. Es liegt sozusagen eine „akustische Täuschung“ vor. Wenn das Gehirn lange genug diese akustische „Phantom-Schwingung“ wahrnimmt, passt es sich idealerweise in seiner Gehirnwellenfrequenz dieser Schwingung an. So will es zumindest die Theorie.
Im Internet finden Sie auch hierzu eine Fülle an Informationen und das nötige Audiomaterial. Es gibt sogar kostenlose Apps, mit denen Sie die gewünschten Frequenzen selbst auswählen und einstellen können. Testen Sie einfach aus, was Ihnen zusagt und bei welchen Frequenzen Sie sich wohl fühlen (für meditative Zustände sind Gehirnwellenfrequenzen zwischen 4 und 10 Hertz üblich). Manche Meditierende sollen mithilfe dieser Technik tiefgreifende spirituelle Erfahrungen gemacht haben. Andere erreichen immerhin einen Entspannungszustand.
Ansonsten bleibt uns nur, Ihnen zu empfehlen, nach Belieben weitere Meditationstechniken auszutesten, die im Internet oder der einschlägigen Ratgeberliteratur präsentiert werden. Gleich ob ruhige Techniken wie Achtsamkeitsmeditation, Body-Scan, Atem-Meditation, Mantra-Meditation, Metta-Meditation und Zazen oder bewegungsbasierte Meditationsformen wie die Kundalini-Meditation und Trancetänze – eigentlich können Sie nichts falsch machen, solange Sie keinen Leistungssport daraus machen und Ihnen das Meditieren Freude bereitet. Zwingen Sie nichts. Probieren Sie einfach aus, was am besten zu Ihnen passt. Auf Meditationsformen, die Ihnen nicht zusagen, können Sie getrost verzichten. Bewusstseinsarbeit ist eine subjektive Arbeit. Alles hängt von Ihren Neigungen und Absichten ab. Deshalb gibt es keine objektiv wirksamste Meditationstechnik. Letztlich muss jeder seinen eigenen Weg finden.