Themenbereich
Bewusstseinsforschung

Geheimdienstliche Forschung zur Fernwahrnehmung (1/5)
Der Hintergrund: Spionage im Kalten Krieg


Schon immer war Spionage ein zentrales Element der Kriegsführung. Und schon immer lebten Spione gefährlich, vor allem dann, wenn sie zur Informationsbeschaffung auf feindliches Terrain vordringen mussten. Wäre es da nicht um einiges praktischer, wenn man dieselben Informationen abgreifen könnte, ohne physisch vor Ort zu sein? Das dachte sich offenbar auch die US-Regierung, als sie in den 1970er Jahren das Geheimprojekt „Stargate“ lancierte.


1) Was verbirgt sich hinter dem Projekt "Stargate"?

Beim Projekt "Stargate" erforschten verschiedene Geheimdienste mit wissenschaftlicher Unterstützung des „Stanford Research Institute“ (SRI) die Potentiale übersinnlicher Informationsbeschaffung. 

Unter anderem beteiligte sich der Auslandsgeheimdienst CIA an den Experimenten. Konkret sollten dabei medial begabte Personen in den USA mittels geistiger Fernwahrnehmung („Remote Viewing") weit entfernte Orte und Aktivitäten feindlicher Staaten beobachten. Offiziell dauerten die Forschungen bis 1995 an, erstreckten sich also über fast zwei Jahrzehnte. Details über die beteiligten Personen erfahren Sie auf der Artikelseite "Die Akteure: Wissenschaftler und Viewer".

Wenn wir hier von Fernwahrnehmung sprechen, vergessen Sie bitte die Vorstellung von extravagant gekleideten Damen, die in samtenen Räumen voller Kerzen und Räucherstäbchen eine magische Glaskugel beschwören. Abgesehen davon, dass ein Großteil der am Projekt beteiligten Viewer („Hellseher“) Männer waren, lief die ganze Angelegenheit ziemlich bürokratisch ab. Die Experimente wurden auf der Grundlage strenger Protokolle durchgeführt, die einen wissenschaftlichen Ansatz erkennen lassen. Hinter den Protokollen steckt das Bemühen, Selbstbetrug und Täuschung möglichst zuverlässig auszuschalten (mehr dazu im folgenden Abschnitt 2).

VIDEO: Kurzdoku zum Projekt "Stargate" (Geo Magazin, Auszug)

8:59 Minuten, deutsch

Dies ist ein Ausschnitt einer kurzen, einführenden Doku zur Geschichte des "Stargate Porject". Hierbeit kommen eine Reihe der damals unmittelbar beteiligten Spione und Wissenschaftlert persönlich zu Wort. 

VIDEO: Third Eye Spies

115 Minuten, englisch

Dieser längere Dokumentarfilm beschreibt die Forschungsarbeit des "Stargate Project" ausführlich und anhand etlicher Zeugenaussagen ehemaliger Mitarbeiter.

2) Wie funktioniert Remote Viewing (Fernwahrnehmung)?

Eines der wichtigsten Prinzipien beim Remote Viewing lautet, dass der Viewer das Ziel („Target“) vorab nicht kennen darf. Sonst könnte er ja seine eigenen Vorstellung in die Beschreibung des Ziels einfließen lassen. 

Wenn der Auftrag zum Beispiel lautet, eine mutmaßliche russische Militäranlage zu identifizieren, könnte der Viewer bei seiner Beschreibung dieses „Targets“ von seinen eigenen Fantasievorstellungen oder durch Bilder von anderen, ihm bereits bekannten Militäranlagen fehlgeleitet werden. Für seine Auftraggeber wäre dann nicht auszumachen, ob die Beschreibung des Targets den eigenen Gedanken des Viewers entspringt oder aber auf Basis einer außersinnlichen Wahrnehmung die tatsächlich gesuchte Anlage zeigt. Darum braucht man für ein Fernwahrnehmungsexperiment mindestens zwei Personen: Denjenigen, der das Ziel vorgibt (der „Tasker“) und denjenigen, der es beschreiben soll (der „Viewer“).

In einer sehr simplen Trainings-Variante kann das zum Beispiel so funktionieren, dass der Tasker ein Bild in einen Umschlag steckt und es dem Viewer vorlegt. Das Bild im Umschlag ist dann das Übungs-Target, also das Ziel, das beschrieben werden soll. 

Der Tasker weiß natürlich, welches Bild er in den Umschlag gesteckt hat. Der Viewer hingegen nicht. Ohne den Umschlag zu öffnen, soll er nun beschreiben, was auf dem Bild in dem Umschlag zu sehen ist.

Dieses einfache Übungsverfahren stößt natürlich an Grenzen, wenn nicht irgendwelche ausgedruckten Bilder, sondern „echte“ Targets beschrieben werden sollen, die sich an weit entfernten Orten befinden und über deren Details selbst der Tasker noch nichts weiß – eine vermutete russische Militäranlage zum Beispiel. Statt eines Umschlags übergibt der Tasker dem Viewer dann einen selbst gewählten Zahlencode, der im Prinzip nichts bedeutet. Als Metapher für den Briefumschlag dient dieser Code lediglich der symbolischen Verbindung mit dem zu untersuchenden Target. So wie der Umschlag ein Bild enthält, „enthält“ der Code symbolisch das Target für den Viewer. 

Wurde das Target auf diese Weise codiert und dem Viewer vorgelegt, kann der eigentliche Prozess des Remote Viewing beginnen. 

Hierbei kommt das bürokratische Protokoll zum Einsatz, von dem weiter oben die Rede war. Der Viewer legt nicht einfach los und beschreibt wahllos sämtliche Eindrücke, die ihm in den Sinn kommen. Stattdessen wird mithilfe des Protokolls versucht, die eingehenden Informationen strukturiert abzuarbeiten. Auch das macht der Viewer nicht selbständig, sondern unter Anleitung des Taskers oder bestenfalls einer begleitenden dritten Person, dem sogenannten „Monitor“. Im Idealfall sollte dieser Monitor das Target selbst auch nicht kennen, um nicht der Versuchung zu erliegen, suggestive Fragen zu formulieren oder suggestive Anweisungen zu erteilen.

Das Remote Viewing Protokoll sieht sechs aufeinanderfolgende Stufen der Wahrnehmung vor und ist recht komplex. Sollten Sie tiefer in diese Thematik einsteigen wollen, lesen Sie hierzu unsere separate Artikelseite "Die Technik: Das Remote Viewing Protokoll". An dieser Stelle genügt die Feststellung, dass Remote Viewing - wie eingangs betont - mit einem märchnehaften Blick in die Glaskugel nun wirklich überhaupt nichts zu tun hat! Der Ansatz des Stargate-Projekts zeugt vielmehr von einer rationalen Vorgehensweise. Verantwortlich dafür sind Wissenschaftler, die das Projekt „Stargate“ über fast zwei Jahrzehnte begleitet haben und die wir auf der nächsten Artikelseite näher vorstellen werden.

3) Weiterführende Informationen und Buchtipps

  • CIA („Reading-Room“): freigegebene Geheimdienst-Dokumente zum Projekt Stargate: https://www.cia.gov/readingroom/search/site/stargate 
  • Eight Martinis – Remote-Viewing-Magazin: „Eight Martinis“ ist eine englischsprachige Fachzeitschrift, die Fallbeispiele, Theorie und Praxis des Remote Viewing thematisiert. Die verschiedenen Ausgaben der Zeitschrift stehen stehen als PDF-Format sogar gratis zum Download bereit: http://www.eightmartinis.com/
  • Jelinsnki, Manfred: Remote Viewing: Forschungen, Erkenntnisse, Anwendungen in Theorie und Praxis, Ahead and Amazing Verlag, Ostenfeld 2015, https://www.eurobuch.com/buch/nr/2d9d7f27399f8d181cae584f23d4bd2c.html
  • Website der International Remote Viewing Association (IRVA): Diese internationale Vereinigung von Praktikern und Forschern auf dem Gebiet des Remote Viewing hat sich 1999 in den USA gegründet. Auf ihrer Website finden Sie umfängliche weiterführende Informationen zum Thema Remote Viewing: https://www.irva.org