Elektronen sind um ein Vielfaches winziger als der ohnehin schon winzige Atomkern. Und der Abstand dazwischen ist vergleichsweise riesig. Was hat es mit dieser Leere im Atom auf sich? Und warum kann man angesichts der offenbar "porösen" Materie nicht mit der Hand durch die Wand greifen?
Bleiben wir, um es beispielhaft zu beziffern, beim Wasserstoffatom. Es ist das kleinste aller Atome. Es besteht nur aus einem einzelnen, positiv geladenen Proton im Kern und einem einzelnen, negativ geladenen Elektron in seiner Hülle.
Auf bildlichen Darstellungen in Sach- und Schulbüchern wird das entsprechende Modell gerne mit einem großen Punkt für das Proton in der Mitte und einem kleineren Punkt auf einer Kreisbahn für das Elektron abgebildet. Der Abstand zwischen beiden Punkten wird dabei zwangsläufig völlig unrealistisch sein, denn bei einer maßstabsgetreuen Darstellung müssten die entsprechenden Buchseiten dutzende oder gar hunderte Meter breit sein – je nachdem, wie groß man das Proton zeichnet.
Vereinfacht ausgedrückt besagt es Folgendes: Im Universum gilt die Regel, dass sich in ein und demselben Atomorbital niemals zwei Elektronen mit gleichen Eigenschaften befinden dürfen. Ein Atomorbital beschreibt eine Art „Aufenthaltsbereich“ für Elektronen um den Atomkern herum. Je nach Größe des Atoms kann es gleich mehrere solcher Orbitale geben. Wo genau sich ein Elektron innerhalb eines Orbitals aufhält, lässt sich per se gar nicht sagen (mehr dazu erfahren Sie auf unserer Artikelseite zum Doppelspaltexperiment).
Laut Pauli-Prinzip ist jedenfalls das gesamte Orbital, sofern sich dort bereits ein Elektron aufhält, „Sperrzone“ für weitere Elektronen mit gleichen Eigenschaften.
Wenn hier von einem Auto mit einer bestimmten Bauart die Rede ist, soll das als Analogie für Elektronen mit gleichen Eigenschaften herhalten. Was ist aber mit „Eigenschaften“ bei Elektronen genau gemeint?
Bei Elektronen können wir zwei Eigenschaften unterscheiden: das Energieniveau ihres Orbitals (sozusagen die Höhe ihres „Parkdecks“) und ihr sogenannter Spin. Der Spin eines Elektrons kann entweder ½ oder -½ betragen. Elektronen können also einen positiven oder einen negativen Spin haben. Der Spin lässt sich vereinfacht als die „Drehrichtung“ des Elektrons verstehen, sofern man sich dieses denn wie eine kleine Kugel vorstellen möchte. Es könnte dann entweder links- oder rechtsherum um seine Achse rotieren. Leider hinkt dieser Vergleich aber gewaltig. In Wirklichkeit ist ein Elektron nämlich gar keine kleine Kugel. Und mit unseren Alltagsbegriffen kann man sich nicht wirklich vorstellen, was der „Spin“ bei kleinsten Elementarteilchen genau sein soll. Mehr dazu erfahren Sie auf der bereits erwähnten Artikelseite zum Doppelspaltexperiment.
Eins mit positivem und eins mit negativem Spin. Das ist in etwa so, als würden pro Parkdeck maximal zwei Autos parken dürfen: Eins mit Vorderradantrieb und eins mit Heckantrieb. Und genau deshalb können Sie mit Ihrer Hand nicht durch die Wand greifen: Weil die Orbitale am äußersten Rand der Wand bereits mit der maximal erlaubten Anzahl an Elektronen besetzt sind, können die Elektronen am äußersten Rand Ihres Fingers nicht weiter in diese Richtung vordringen. Das liegt aber eben nicht daran, dass die Elektronen aufeinanderprallen! Was das sanfte Vermischen von Hand und Wand verhindert, ist schlicht und einfach ein im Universum geltendes „Aufenthaltsverbot“ für Elektronen in bestimmten Räumen – das Pauli-Prinzip: Die Elektronen „dürfen“ nicht in bereits besetzte Orbitale eindringen.