Themenbereich
Bewusstseinsforschung

Wissenschaftliche Studien zu Jenseitskontakten (4/4)
Tipps zur Überprüfung von Medialität im Selbstexperiment


Wie Sie ein seriöses Medium finden und mit der richtigen Herangehensweise die Realität von Jenseits-Kontakten verifizieren können


1) Einleitung: Lassen Sie sich nicht verunsichern!

Vielleicht sind Sie in Zeitschriften oder in Fernsehreportagen schonmal auf Journalisten gestoßen, die zu Testzwecken ein Medium aufgesucht und anschließend über ihre Erfahrung berichtet haben. Sofern die Erfahrungen negativ waren, bestärken solche Berichte die üblichen Vorurteile gegenüber paranormalen Phänomenen. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Erfahrungsbericht, den die bekannte Fernsehmoderatorin Olivia Röllin im März 2021 auf der Website des Schweizer Fernsehens (SRF) veröffentlicht hat, der inzwischen aber leider nicht mehr online ist. Olivia Röllin studierte Philosophie und Religionswissenschaft und moderiert seit 2019 das SRF-Magazin „Sternstunde Religion“.

Bildquelle: Jürg-Peter Hug,Wikmedia Commons (CC)

In ihrem Online-Artikel „Ich war bei einem Medium und fand es ziemlich jenseits“ fasste sie ihre Enttäuschung über ihr „Sitting“ (ihre Sitzung) mit folgenden Worten zusammen:

„Ich bin enttäuscht […]. Ich bin skeptisch in diese Sitzung gegangen. Denn ich bezweifle, dass sich Tote um irdische Angelegenheiten […] sorgen, sofern sie sich denn überhaupt um irgendetwas kümmern. Einen kleinen zweifelnden Einriss in meine Überzeugungen hätte ich mir aber schon gewünscht. Eine Spur kindlichen Grusels, eine Idee der Unfassbarkeit des Todes. Ein Quäntchen Zweifel in der Bastion meines Verstandes. Stattdessen verlasse ich das Haus […] und denke: Ich spreche lieber mit den Lebenden als mit solchen Toten.“ (Quelle: Röllin, Olivia: Ich war bei einem Medium und fand es ziemlich jenseits, Beitrag auf der Website des SRF vom 1. März 2021, https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/jenseitskontakte-ich-war-bei-einem-medium-und-fand-es-ziemlich-jenseits [Stand: 2024 - inzwischen offline])

Auch in den sozialen Medien gibt es Reportagen zu solchen Selbstexperimenten. Etwas positiver als Olivia Röllin beurteilte die Youtuberin Ari (Ariane Alter) ihre Erfahrung mit einem Medium, wusste im Nachgang aber auch nicht so recht, ob hier nun ein echter Jenseitskontakt zugrunde lag oder ob bei ihrem Sitting nicht doch psychologische Effekte oder gar Tricks am Werk waren. Bezeichnend ist, dass eine Doktorandin der Psychologie, von der Ari wissen möchte, ob es wissenschaftlich überprüfte Bestätigungen von Jenseitskontakten gibt, dies entschieden verneint: Es gäbe diesbezüglich keinerlei valide Studien (siehe hierzu das folgende Video ab Minute 14:45). Das ist eine ziemlich entlarvende Antwort...

VIDEO: Ari beim Medium: Mit Toten reden - geht das? (PULS-Reportage)

17:02 Minuten, deutsch

Bei ihrem Selbstexperiment kommt Reporterin Ariane Alter (Ari) zu keinem klaren Urteil und bleibt verunsichert. Bei Minute 14:45 fragt sie eine Wissenschaftlerin um Rat und erhält eine entlarvende Antwort...

Entlarvend ist diese Antwort deshalb, weil sie die weitverbreitete Ignoranz des akademischen Mainstreams gegenüber seriöser parapsychologischer Forschung deutlich macht: 

Offensichtlich hat die interviewte Forscherin überhaupt keine Ahnung von der EREAMS-Studie von Prof. Oliver Lazar und weiteren empirischen Studien im Bereich der Jenseitsforschung - oder aber sie lehnt sie pauschal ab, ohne sie wirklich differenziert zu beurteilen.

Doch nicht nur die Antwort, auch die Fragestellung der Reporterin ist entlarvend: Sie zeigt nämlich, dass wir oft nur das als wahr annehmen können, was wissenschaftlich bewiesen ist - dabei verkennen wir jedoch die Grenzen des wissenschaftlichen Beweisverfahrens und können nur schwer zulassen, dass unter bestimmten Umständen auch nicht-wissenschaftliche Zugänge zur Wirklichkeit legitim sind (siehe hierzu unsere Artikelseite "Wann gilt etwas als wissenschaftlich bewiesen?"). 

Lassen Sie sich durch solche Berichte also nicht verunsichern. Wie Sie auf unserer Artikelseite "Kann man die Existenz geistiger Welten beweisen?" nachlesen können, ist und bleibt die Selbsterfahrung die einzige und die sicherste Möglichkeit, die Realität paranormaler Phänomene zweifelsfrei nachzuweisen. Dieser Nachweis ist allerdings subjektiv und nicht objektiv, weshalb er wissenschaftlich keine Geltung hat (siehe hierzu wiederum die Artikelseite "Wann gilt etwas als wissenschaftlich bewiesen?"). Gerade deshalb sind in wissenschaftlicher Hinsicht Forschungsprojekte wie die ERAMS-Studie von Porfessor Lazar so wertvoll. Denn Studien wie diese stellen den ambitionierten Versuch dar, die vereinzelten subjektiven Erfahrungen von Hinterbliebenen mittles standardisierter Fragebögen in großer Zahl auszuwerten und sie dadurch sozusagen als "Datensatz" zu objektivieren und zumindest indirekt überprüfbar zu machen.

2) Die Auswahl des Mediums und die englische Methode

Die Auswahl des Mediums ist der wichtigste und grundlegendste Schritt überhaupt. Hier ist der oben erwähnten Journalistin Olivia Röllin vermutlich schon der erste Fauxpas unterlaufen. Wie sie in ihrem Artikel erwähnt, hat sie offenbar einfach auf einer privaten Internetseite, auf der verschiedene Medien für sich werben, irgendein beliebiges Medium aus der Nähe ihres Heimatortes herausgesucht. Aus ihrem Bericht geht nirgends hervor, ob und welche Schritte sie unternommen hat, um vorab die Professionalität dieses Mediums zu überprüfen. Gerade das wäre für ein gelingendes Experiment aber zwingend notwendig gewesen.

Der Besuch bei einem Medium kostet natürlich auch Geld, und zwar je nach Medium zwischen hundert und dreihundert Euro (Stand: 2026). Bitte vermuten Sie in diesen finanziellen Forderungen nicht gleich betrügerische Absichten von Hochstaplern, die mit albernen Schwurbeleien leichtgläubige Esoteriker abzocken. Zwar gibt es auf dem Esoterikmarkt ganz bestimmt solche Blender. Und es gibt noch mehr Anbieter, die es zwar ehrlich meinen, ihre allenfalls minimalen Fähigkeiten jedoch maßlos überschätzen. Dennoch sind nicht alle Schafe schwarz. Wie Sie unter den vielen Menschen, die vorgeben, paranormale Fähigkeiten zu besitzen, diejenigen herausfiltern können, die vertrauenswürdig und kompetent sind, erfahren Sie in diesem Abschnitt.

Um ein kompetentes und vertrauenswürdiges Medium zu finden, sollten Sie gezielt nach dessen Reputation schauen, denn besonders gute Medien genießen einen entsprechenden Ruf. Bauen Sie dabei nicht zu sehr auf Internetbewertungen. Theoretisch kann sich im Internet jeder selbst eine gute Bewertung schreiben oder Freunde und Bekannte bitten, gute Bewertungen zu verfassen. Am besten ist es, wenn Sie einer persönlichen Empfehlungen folgen, wenn Sie also jemanden kennen, der bei einem bestimmten Medium zweifelsfrei einen authentischen Jenseitskontakt erlebt hat. Falls Sie niemanden persönlich kennen, achten Sie auf öffentlich geäußerte Empfehlungen durch seriöse Persönlichkeiten, die Sie als besonders glaubwürdig einstufen. Vertrauenswürdige Medien bieten überdies häufig eine „Geld-zurück-Garantie“ an: Sofern kein authentischer Jenseitskontakt zustande kommt, braucht der Kunde nicht zu zahlen. Das gäbe Ihnen eine gewisse Sicherheit. Informieren Sie sich einfach im Vorfeld, ob das für Sie infrage kommende Medium diesen Service anbietet. Falls ja, haben Sie nichts zu verlieren.

Achten Sie des Weiteren darauf, dass Ihr Medium nach der Methode des sogenannten „englischen Spiritismus“ arbeitet. Denn bei dieser Methode kommt der Beweisführung für die Hinterbliebenen eine herausragende Bedeutung zu: Bevor das Medium Botschaften aus dem Jenseits übermittelt und Sie überhaupt die Gelegenheit erhalten, Fragen zu stellen, wird es zu Beginn eines Sittings versuchen, die verstorbene Person so gut es geht zu beschreiben, damit Sie sicher sein können, dass tatsächlich ein entsprechender Kontakt besteht. Das Medium sollte dabei nicht in Allgemeinplätzen reden, sondern möglichst präzise Aussagen über die Charaktereigenschaften, die Todesursache und die Verbindung zwischen Ihnen und dem Verstorbenen formulieren.

Illustrationsbild (mit KI generiert)

Die Journalistin Olivia Röllin hat all diese Dinge offenbar nicht beachtet und scheint dementsprechend an kein gutes Medium geraten zu sein. In ihrem Erlebnisbericht schildert sie, wie das Medium meistens nur sehr vage und allgemeine Aussagen tätigt, zum Beispiel über eine Frau, „die sich immer schön angezogen habe. Am Schluss sei sie im Spital gewesen. […]. Hübsch eingerichtet sei sie gewesen […]. Sie sehe ein Bild im Wohnbereich. Es sehe dunkel aus. Vermutlich etwas Religiöses.“

Vereinzelt habe das Medium zwar auch präzisere Angaben gemacht, diese passten dann aber auf keinen Verstorbenen aus Olivia Röllins Umfeld:

„Ein Herr zwischen 60 und 70 sei anwesend. Charmant und bestimmt sei er, sagt das Medium. Er habe sich in seinem Dorf eingesetzt. «Können Sie damit etwas anfangen?» Ich bejahe zögerlich […] Im weiteren Verlauf erhalte ich Informationen, mit denen ich nichts anfangen kann. Der Herr habe jung ausgeschaut, weit weg gewohnt und eine Krankheit im Nierenbereich gehabt. Mein Medium höre den Namen Anton oder Antonio. Fehlanzeige.“

Als das Medium schließlich beginnt, vermehrt Fragen zu stellen, wird Olivia Röllin zu Recht misstrauisch:

„Die Sitzung wird bald mehr zu einer Fragestunde. Ob ich einen Bruder habe? Es sei wichtig, sich immer wieder auszutauschen und den Kontakt zu behalten. Ich muss an die vielen Kritikerinnen und Kritiker dieser Methode denken. Und daran, was sie als «Cold Reading» […] bezeichnen.“

Es ist immer schlecht, wenn ein Medium zu viele Fragen stellt. Nach der englischen Methode sollte das eigentlich vermieden werden. Zumindest darf ein Medium keine Fragen mit der Absicht stellen, ihm zuvor unbekannte Informationen über den Verstorbenen einzuholen. Wenn ein Medium Fragen stellt, dann sollten diese Fragen allein der Interpretation bereits vorhandener, übersinnlich eingegangener Informationen dienen, sofern diese schwierig zuzuordnen sind. Später werden wir nochmal auf diesen Punkt zurückkommen und ausführlich erklären, warum selbst das beste Medium nicht umhinkommen wird, solche Nachfragen zu stellen. Jedenfalls hat das Medium, das Olivia Röllin sich ausgesucht hat, offenkundig nicht streng nach „englischer Methode“ gearbeitet. Noch dazu scheinen dessen Hellsinne nur so schwach ausgebildet zu sein, dass die akkurate Beschreibung von verstorbenen Angehörigen nicht gelingen mag.

Informieren Sie sich also im Vorfeld, ob das Medium, das für Sie infrage kommt, nach der Methode des „englischen Spiritismus“ arbeitet. Viele Medien legen auf ihren Websites ihren Ausbildungsweg und ihre Arbeitsweise offen. Häufig enthalten diese Angaben bereits Hinweise auf die entsprechende Methodik. Und wenn das Medium dann im Laufe des Sittings trotzdem einige Nachfragen stellen sollte, was sich, wie schon angedeutet, nie ganz vermeiden lässt, würden wir Ihnen empfehlen, diese Nachfragen einfach nur mit einem „Ja“ oder einem „Nein“ zu beantworten. Keinesfalls sollten Sie auf solche Nachfragen hin weitergehende Informationen über den Verstorbenen und Ihre Beziehung zu ihm preisgeben. Ansonsten laufen Sie Gefahr, Opfer von „Cold Reading“ oder gar von „Hot Reading“ zu werden. „Cold Reading“ beschreibt bekanntlich die Technik, durch geschickte Fragestellungen Reaktionen seines Gegenübers hervorzurufen, durch die man dann Informationen erlangt, die man anschließend als auf übernatürlichem Wege gewonnen darstellen kann. Wenn Sie von sich aus bereitwillig Details über einen verstorbenen Angehörigen erzählen, braucht das Medium noch nicht einmal solche Tricks anzuwenden, denn dann kann es gleich „Hot Reading“ betreiben, das heißt auf das von ihnen ganz offen preisgegebene Wissen aufbauen und vermeintliche Botschaften konstruieren, die zu Ihnen und dem Verstorbenen passen.



3) Warum selbst die besten Medien Nachfragen stellen

Auch ein Medium, das streng nach englischer Methode arbeitet, wird immer wieder Rückfragen stellen. Um zu verstehen, woran das liegt, müssen wir uns die Charakteristika der medialen Informationsvermittlung näher anschauen. Wichtig zu verstehen ist Folgendes:

Einen Jenseitskontakt darf man sich  nicht wie ein simples Telefongespräch vorstellen, bei dem das Medium fragt und der Tote antwortet. Die Informationsübertragung läuft in Wirklichkeit viel subtiler über die sogenannten „Hellsinne“ der Medien: Auf telepathischem Wege empfangen sie innere Bilder (ähnlich wie bei Tagträumen) und vernehmen innere Stimmen oder Musik (so wie auch wir manchmal einen „Ohrwurm“ im Kopf haben können). Manche Medien schmecken sogar bestimmte Geschmäcker, riechen bestimmte Gerüche und Empfinden bestimmte Emotionen, wenn sie mit einem Verstorbenen in Kontakt treten. Gelegentlich schießen ihnen auch vereinzelte Wörter oder Namen in den Sinn. Es liegt auf der Hand, dass diese Art der sinnlichen Informationsbeschaffung weniger strukturiert und präzise vonstattengeht als zum Beispiel das Nachlesen eines Lexikoneintrages – vor allem dann, wenn die eingehenden Bilder, Töne und Sinneseindrücke einen symbolischen Charakter aufweisen und für das Medium entsprechend schwer zu interpretieren sind.

Hierzu ein konkretes Beispiel: In einem Sitting im Rahmen der EREAMS-Studie, das im folgenden Video zu sehen ist, hört das Medium bei Minute 8:40 innerlich ein Lied mit den Worten „Theater, Theater“. Das Medium erklärt den Hinterbliebenen, dass dieses Lied wahrscheinlich ein Symbol dafür sei, dass der Verstorbene etwas mit dem Theater zu tun gehabt haben muss. Das Medium vermutet, dass der Verstorbene gerne Theatervorstellungen besuchte. Um zu überprüfen, ob diese Interpretation stimmt, möchte es sich bei den Hinterbliebenen vergewissern und fragt deshalb nach. Die Hinterbliebenen bestätigen die Vermutung.

VIDEO: Sitting im Kontext der EREAMS-Studie

29:15 Minuten, deutsch

Das Medium trägt in diesem Video Elektroden auf dem Kopf, weil Professor Lazar dessen Gehirnwellenfrequenzen aufzeichnen wollte, um festzustellen, ob und wie sich diese während der Sitzung verändern.

Bei Minute 10:05 hört das Medium innerlich das Lied „Yesterday“ von den Beatles und weiß zunächst nicht so recht, wie es das einordnen soll. Das Medium fragt daher nach, ob der Verstorbene gerne die Beatles gehört habe. Der Hinterbliebene verneint dies. Erst daraufhin wird dem Medium klar, dass sich die Information gar nicht auf den Verstorbenen, sondern auf den Hinterbliebenen bezieht und fragt erneut nach: „Kann es sein, dass Sie nach dem Tod Ihres Vaters das Lied „Yesterday“ gehört haben?“ Das stimmte.

Bitte beachten Sie: Die Nachfragen dienten in beiden Fällen nicht der ursprünglichen Beschaffung von Information im Sinne eines Ausfragens der Hinterbliebenen, sondern bloß der nachträglichen Interpretation bereits eingegangener, symbolischer Information. Das Nachfragen im Falle unsicherer Deutungen ist unerlässlich, weil die subtil empfangenen Wahrnehmungen ansonsten fehlinterpretiert werden könnten. Wie gesagt: Sie dürfen Jenseitskommunikation nicht mit der Telefonauskunft oder einer Informationsabfrage auf einer Online-Enzyklopädie vergleichen.

Wenn Sie etwas länger in das obige Video hineinschauen, werden Sie übrigens feststellen, dass die Hinterbliebenen auf Nachfragen nicht immer nur mit einem „Ja“ oder einem „Nein“ antworten, sondern häufig Tendenz haben, bereitwillig weitere Informationen zum verstorbenen Angehörigen preiszugeben – wovon wir Ihnen wie oben begründet dringend abraten würden. Besonders interessant scheint in dem Zusammenhang die Reaktion des Mediums in der Sequenz mit dem Theaterbesuch ab Minute 8:40: Als die Kundin zu einer ausführlicheren Auskunft anzusetzen scheint, unterbricht das Medium sie sofort. Die kurze Bestätigung reichte der Dame bereits, mehr wollte sie gar nicht wissen. Diese Szene zeigt sehr schön, dass das Medium mit seinen Nachfragen eben nicht die Absicht verfolgt, die Hinterbliebenen auszufragen, sondern tatsächlich nur sichergehen möchte, ob es die telepathisch eingegangenen Informationen richtig gedeutet hat.



4) Erhöhen klare Anfragen die Erfolgschancen?

Im Sitting der Journalistin Olivia Röllin sind hochspezifische und zutreffende Beschreibungen weitgehend ausgeblieben. Wenn überhaupt, dann erhielt Frau Röllin nur sehr wenige Aussagen, die sie mit etwas Wohlwollen als Treffer hätte interpretieren können. Für das offensichtliche Scheitern ihres Experimentes legt ihr Online-Artikel neben der mutmaßlichen Inkompetenz des Mediums noch einen weiteren Erklärungsansatz nahe: 

Oliva Röllin ist ohne eine klare und ehrliche Absicht in das Sitting gegangen. Ihrer eigenen Beschreibung zufolge gab es keinen bestimmten Verstorbenen, um den sie trauerte oder mit dem sie ungelöste Konflikte oder offene Fragen klären wollte. Sie war einfach nur aus einer skeptisch-neugierigen Grundhaltung und ohne eine klare Anfrage in das Sitting gegangen. Sie wollte nur testen, wie so ein Sitting abläuft und ob irgendwelche Verstorbenen zu ihr sprechen würden. Tun Sie das besser nicht! Mit solch einer unklaren Anfrage senken Sie die Wahrscheinlichkeit eines gelingenden Kontakts.

Unter Medien herrscht die weit verbreitete Annahme, dass Jenseitskontakte mitunter daran scheitern, dass seitens der geistigen Welt kein „Interesse“ an einem Kontakt besteht beziehungsweise dass ein Verstorbener nicht kommt, sofern niemand nach ihm fragt. Das erscheint gar nicht so unplausibel. Denn überlegen Sie doch mal, woher ein Medium eigentlich wissen kann, welchen Verstorbenen es kontaktieren soll? Oder andersherum gedacht: Woher soll der Verstorbene wissen, dass er in einem bestimmten Sitting bei einem bestimmten Medium erwartet wird?

Es ist klar, dass nichtphysische Kommunikation nur telepathisch ablaufen kann. Ein Verstorbener kann also nur deshalb wissen, dass er über ein Medium mit einem Hinterbliebenen in Kontakt treten möge, wenn der Hinterbliebene in Gedanken die bewusste Absicht dazu gefasst hatte.

Olivia Röllin jedoch hat keine „geistigen Einladungen“ verschickt. Sie ist völlig „undefiniert“ und noch dazu mit einer skeptisch-negativen Grundhaltung in das Sitting gegangen, um einfach mal zu schauen, was dort passiert. Ohne konkrete Anfrage und ohne ehrliche Absicht hat sich dann scheinbar auch kein verstorbener Angehöriger angesprochen gefühlt. Das Verhalten von Olivia Röllin glich dem einer Partyveranstalterin, die niemanden konkret einlud, aber die Tür ganz weit offenstehen ließ, in der Hoffnung, dass vielleicht zufällig ein Bekannter vorbeischaut. Stattdessen steckten dann aber nur ein paar neugierige Passanten ihre Nasen in die Türe: Bei der Lektüre von Olivia Röllins Erfahrungsbericht fällt auf, dass in ihrem Sitting gleich mehrere Verstorbene hintereinander erschienen waren, von denen sie aber keinen einzigen richtig zuordnen konnte.

Sofern der hier geschilderte Zusammenhang zutreffen sollte und das Misslingen des Jenseitskontaktes vielleicht nicht (nur) der Inkompetenz des Mediums, sondern (auch) der falschen Herangehensweise der Kundin geschuldet war, würden wir Ihnen raten, erst dann ein Selbstexperiment mit einem Medium zu wagen, wenn es einen Verstorbenen in Ihrem Umfeld gibt, zu dem Sie auch wirklich in einer näheren Beziehung standen und mit dem Sie in ehrlicher Absicht Kontakt aufnehmen möchten. Sollte es diesen Menschen geben, richten Sie im Vorfeld des Sittings die herzliche Bitte an ihn, zum vereinbarten Termin zu erscheinen. Wenn Sie möchten, könnten Sie sogar einen Brief an diesen Verstorbenen schreiben, in dem Sie ihn eindringlich bitten, sich zu zeigen. Der Brief als solcher ist dabei natürlich unwichtig und natürlich werden Sie ihn nirgendwohin verschicken. Aber das Schreiben hilft vielleicht dabei, Ihre Absicht zu fokussieren und Ihre Gedanken klar und deutlich auf den Verstorbenen und das Sitting auszurichten. Und genau auf diese Gedanken kommt es wahrscheinlich an. Die Gedanken sind es vermutlich, die adressatengerecht im Jenseits ankommen. Das alles können wir selbstverständlich nicht beweisen und stellt in rationaler Betrachtung nicht mehr als eine hochspekulative Hypothese dar. Aber wenn die Annahmen stimmen, dass erstens die Verstorbenen in geistiger Form (als Seelen?) weiterleben und zweitens eine telepathische Kommunikation mit ihnen möglich ist, dann klingt das doch gar nicht mal so unplausibel. Schaden kann der Versuch mit der „geistigen Einladung“ auf jeden Fall nicht, auch auf die Gefahr hin, dass Sie sich möglicherweise albern fühlen werden, einen Brief an einen Toten zu verfassen. Alternativ reicht sicherlich auch eine „mündliche“ Einladung, solange sie ehrlich gemeint ist.



6) Wie Sie die Erfolgschancen für Ihr Selbstexperiment maximieren

Sie können nicht mehr tun, als all diejenigen Dinge richtig zu machen, die Sie selbst in der Hand haben: 

Wählen Sie ein kompetentes Medium aus, das nach englischer Methode arbeitet. Verlassen Sie sich dabei am besten auf persönliche Empfehlungen. Gehen Sie mit einer klaren und ehrlichen Absicht in die Sitzung. Bitten Sie den Verstorbenen vorab in Gedanken, zur geplanten Sitzung zu erscheinen. Beantworten Sie Nachfragen des Mediums nur mit „ja“ oder „nein“ beziehungsweise wenn Sie dem Medium bei der Interpretation eingehender Sinneseindrücke weiterhelfen möchten, verraten Sie nicht zu viel. Und wenn Sie am Ende der Sitzung enttäuscht heimkehren, weil Beweise in Form hochspezifischer und zutreffender Beschreibungen des Verstorbenen ausgeblieben sind, unternehmen Sie einfach zu einem späteren Zeitpunkt einen erneuten Versuch – entweder beim gleichen oder bei einem anderen Medium. Sofern Sie ein Medium mit Geld-zurück-Garantie auswählen, können Sie nichts verlieren.

Obschon Sie Ihre Erfolgschancen durch das Beherzigen der genannten Ratschläge maximieren können, gibt es im Bereich des Paranormalen keine hundertprozentigen Garantien. Gewisse Faktoren lassen sich einfach nicht zur Gänze kontrollieren, egal wie perfekt Sie sich vorbereiten. Selbst wenn Sie hunderte „geistige Einladungen“ verschickt haben, könnte es sein, dass der Verstorbene dieselben ausschlägt oder sich aus anderen Gründen nicht mitteilen kann. Und selbst wenn Sie an das renommierteste Medium Deutschlands geraten, könnte es sein, dass dieses ausgerechnet bei Ihrem Besuch einen schlechten Tag erwischt hat. Entscheidend ist, dass Sie dann nicht die vorschnelle Schlussfolgerung ziehen, Medialität könne grundsätzlich nicht funktionieren. Bleiben Sie einfach am Ball und versuchen Sie ihr Glück später noch einmal.

5) Weiterführende Informationen und Buchtipps