Wie Sie ein seriöses Medium finden und mit der richtigen Herangehensweise die Realität von Jenseits-Kontakten verifizieren können
Bildquelle: Jürg-Peter Hug,Wikmedia Commons (CC)
„Ich bin enttäuscht […]. Ich bin skeptisch in diese Sitzung gegangen. Denn ich bezweifle, dass sich Tote um irdische Angelegenheiten […] sorgen, sofern sie sich denn überhaupt um irgendetwas kümmern. Einen kleinen zweifelnden Einriss in meine Überzeugungen hätte ich mir aber schon gewünscht. Eine Spur kindlichen Grusels, eine Idee der Unfassbarkeit des Todes. Ein Quäntchen Zweifel in der Bastion meines Verstandes. Stattdessen verlasse ich das Haus […] und denke: Ich spreche lieber mit den Lebenden als mit solchen Toten.“ (Quelle: Röllin, Olivia: Ich war bei einem Medium und fand es ziemlich jenseits, Beitrag auf der Website des SRF vom 1. März 2021, https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/jenseitskontakte-ich-war-bei-einem-medium-und-fand-es-ziemlich-jenseits [Stand: 2024 - inzwischen offline])
Auch in den sozialen Medien gibt es Reportagen zu solchen Selbstexperimenten. Etwas positiver als Olivia Röllin beurteilte die Youtuberin Ari (Ariane Alter) ihre Erfahrung mit einem Medium, wusste im Nachgang aber auch nicht so recht, ob hier nun ein echter Jenseitskontakt zugrunde lag oder ob bei ihrem Sitting nicht doch psychologische Effekte oder gar Tricks am Werk waren. Bezeichnend ist, dass eine Doktorandin der Psychologie, von der Ari wissen möchte, ob es wissenschaftlich überprüfte Bestätigungen von Jenseitskontakten gibt, dies entschieden verneint: Es gäbe diesbezüglich keinerlei valide Studien (siehe hierzu das folgende Video ab Minute 14:45). Das ist eine ziemlich entlarvende Antwort...
17:02 Minuten, deutsch
Bei ihrem Selbstexperiment kommt Reporterin Ariane Alter (Ari) zu keinem klaren Urteil und bleibt verunsichert. Bei Minute 14:45 fragt sie eine Wissenschaftlerin um Rat und erhält eine entlarvende Antwort...
Illustrationsbild (mit KI generiert)
Die Journalistin Olivia Röllin hat all diese Dinge offenbar nicht beachtet und scheint dementsprechend an kein gutes Medium geraten zu sein. In ihrem Erlebnisbericht schildert sie, wie das Medium meistens nur sehr vage und allgemeine Aussagen tätigt, zum Beispiel über eine Frau, „die sich immer schön angezogen habe. Am Schluss sei sie im Spital gewesen. […]. Hübsch eingerichtet sei sie gewesen […]. Sie sehe ein Bild im Wohnbereich. Es sehe dunkel aus. Vermutlich etwas Religiöses.“
Vereinzelt habe das Medium zwar auch präzisere Angaben gemacht, diese passten dann aber auf keinen Verstorbenen aus Olivia Röllins Umfeld:
„Ein Herr zwischen 60 und 70 sei anwesend. Charmant und bestimmt sei er, sagt das Medium. Er habe sich in seinem Dorf eingesetzt. «Können Sie damit etwas anfangen?» Ich bejahe zögerlich […] Im weiteren Verlauf erhalte ich Informationen, mit denen ich nichts anfangen kann. Der Herr habe jung ausgeschaut, weit weg gewohnt und eine Krankheit im Nierenbereich gehabt. Mein Medium höre den Namen Anton oder Antonio. Fehlanzeige.“
Als das Medium schließlich beginnt, vermehrt Fragen zu stellen, wird Olivia Röllin zu Recht misstrauisch:
„Die Sitzung wird bald mehr zu einer Fragestunde. Ob ich einen Bruder habe? Es sei wichtig, sich immer wieder auszutauschen und den Kontakt zu behalten. Ich muss an die vielen Kritikerinnen und Kritiker dieser Methode denken. Und daran, was sie als «Cold Reading» […] bezeichnen.“
29:15 Minuten, deutsch
Das Medium trägt in diesem Video Elektroden auf dem Kopf, weil Professor Lazar dessen Gehirnwellenfrequenzen aufzeichnen wollte, um festzustellen, ob und wie sich diese während der Sitzung verändern.
Bitte beachten Sie: Die Nachfragen dienten in beiden Fällen nicht der ursprünglichen Beschaffung von Information im Sinne eines Ausfragens der Hinterbliebenen, sondern bloß der nachträglichen Interpretation bereits eingegangener, symbolischer Information. Das Nachfragen im Falle unsicherer Deutungen ist unerlässlich, weil die subtil empfangenen Wahrnehmungen ansonsten fehlinterpretiert werden könnten. Wie gesagt: Sie dürfen Jenseitskommunikation nicht mit der Telefonauskunft oder einer Informationsabfrage auf einer Online-Enzyklopädie vergleichen.
Wenn Sie etwas länger in das obige Video hineinschauen, werden Sie übrigens feststellen, dass die Hinterbliebenen auf Nachfragen nicht immer nur mit einem „Ja“ oder einem „Nein“ antworten, sondern häufig Tendenz haben, bereitwillig weitere Informationen zum verstorbenen Angehörigen preiszugeben – wovon wir Ihnen wie oben begründet dringend abraten würden. Besonders interessant scheint in dem Zusammenhang die Reaktion des Mediums in der Sequenz mit dem Theaterbesuch ab Minute 8:40: Als die Kundin zu einer ausführlicheren Auskunft anzusetzen scheint, unterbricht das Medium sie sofort. Die kurze Bestätigung reichte der Dame bereits, mehr wollte sie gar nicht wissen. Diese Szene zeigt sehr schön, dass das Medium mit seinen Nachfragen eben nicht die Absicht verfolgt, die Hinterbliebenen auszufragen, sondern tatsächlich nur sichergehen möchte, ob es die telepathisch eingegangenen Informationen richtig gedeutet hat.