Themenbereich
Religion, Mythologie und Spiritualität

Zur Essenz der Weltreligionen (1/4)
Warum ein genauerer Blick auf die Religion erkenntnisreich sein könnte


Über eine spekulative Hypothese, die Glauben in ein anderes Licht rückt


1) Was bestimmt eigentlich unsere Glaubenssysteme?

Für die Existenz einer metaphysischen Wirklichkeit jenseits der materiellen Welt gibt es starke Indizien (siehe hierzu unsere Themenbereiche "Bewusstseinsforschung" und "Rätselhafte Anomalien"). Wie diese metaphysische Wirklichkeit beschaffen ist und was der Sinn des Ganzen ist, lässt sich hingegen nicht so leicht erfassen. Die Erforschung des Metaphysischen entzieht sich der Methodik gewöhnlicher Wissenschaft und kann sich nur durch subjektive Erfahrung vollziehen (siehe hierzu unsere Artikelseite "Kann man geistige Welten beweisen?"). Die wissenschaftlichen Modelle, die sie in den Artikelsammlungen zu Campbell, Heim und Sheldrake vorfinden, stellen allenfalls spekulative Annäherungen an diese Wirklichkeit dar. Ob sie der Wahrheit entsprechen, lässt sich nicht abschließend beweisen.

Bemerkenswerterweise enthalten die genannten Modelle etliche Parallelen zu alten Mythologien, großen Religionen und zeitgenössischen Channelings. Bemerkenswert ist das deshalb, weil weder Sheldrake noch Heim oder Campbell religiöse Menschen sind. Sie alle sind ausgebildete Wissenschaftler und von einer zutiefst rationalen Denkweise geprägt. Sollten diese Wissenschaftler mit ihren theoretischen Deutungen auf der richtigen Fährte sein und dabei zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangen, wie sie sich zumindest in einigen Kernaspekten seit hunderten oder gar tausenden von Jahren im Glauben verschiedenster Kulturen niederschlagen, drängt sich aus unserer Sicht ein Verdacht auf: Vielleicht hatten medial begabte Menschen schon immer Zugang zu metaphysischen Seinsbereichen, von denen sie anderen erzählten. Ihre Berichte nährten dann die Glaubenssysteme ihrer jeweiligen Kultur. Je nach gesellschaftlichen Machtstrukturen kleideten sich diese Glaubenssysteme in das Gewand unterschiedlicher institutioneller Formen und Praktiken. Die ursprünglichen Erzählungen mögen dabei mitunter pervertiert und entstellt worden sein. Fakt ist jedenfalls, dass sich quer durch alle Mythologien und Religionen häufig wiederkehrende Muster feststellen lassen (mehr dazu auf den folgenden Artikelseiten). Folglich muss es eine gemeinsame Inspirationsquelle geben, aus der die Menschheit seit jeher ihre religiösen Überzeugungen ableitet.

Naturwissenschaftler würden unterstellen, dass diese Inspirationsquelle bloß unser menschliches Wunschdenken sei und alle Glaubenssysteme letztlich unserer eigenen Fantasie entspringen. Da wir aber aufgrund der Studien aus dem Themenbereich "Bewusstseinsforschung" wissen, dass es sehr wahrscheinlich eine metaphysische Hintergrundrealität geben muss und „dimensionsübergreifende“ Kommunikation vermutlich wirklich möglich ist (siehe hierzu zum Beispiel die EREAMS-Studie), sollten wir zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die Quelle unserer Glaubensüberzeugungen nicht (nur) in unserer Fantasie, sondern (auch) in realen Wahrnehmungen und Erfahrungen gründen könnte. Vielleicht litten nicht alle Visionäre, Propheten, Seher, Magier, Mystiker, Hexen, Schamanen, Priester und Heilige an krankhaften Halluzinationen und Wahnvorstellungen, als ihnen unerklärliche Wunder, tiefgreifende Erweckungserlebnisse oder übernatürliche Begegnungen widerfuhren. Vielleicht erlebten sie authentische paranormale Erfahrungen, auf deren Basis die damaligen Gesellschaften entsprechend ihrem jeweiligen kulturellen Bezugsrahmen passende Mythen und Religionen strickten.

2) Die Moderne als menschheitshistorischer Sonderfall

Interessanterweise gibt es in der gesamten Weltgeschichte nur eine einzige Kultur, in der weite Teile der Bevölkerung die Existenz nichtphysischer Seinsbereiche für Nonsens halten: Wir – die aufgeklärte Moderne. 

Alle anderen Kulturen glauben und haben immer geglaubt, dass es mehr gibt als nur das, was man sehen und anfassen kann. Sind diese Menschen deshalb rückständig und wir fortschrittlich? Gemessen an unseren technischen und wissenschaftlichen Leistungen mag das so erscheinen. Bedenken Sie aber bitte, dass es auch nur eine einzige Kultur gibt, die die Menschheit mit ihrer technologischen Potenz und ihrer wirtschaftlichen Gier an den Rand der Selbstzerstörung gebracht hat: Wir – die aufgeklärte Moderne. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes entgrenzt und entwurzelt. Uns fehlt jegliche Rückbindung an unsere mutmaßlich metaphysische Quelle.

Auf den folgenden Artikelseiten möchten wir zeigen, in welchen grundlegenden Aspekten sich verschiedene Glaubenssysteme nicht nur untereinander ähneln, sondern überdies auch mit den theoretischen Realitätsmodellen von Sheldrake, Heim und Campbell sowie den philosophischen Überlegungen des Idealismus übereinstimmen. Möglicherweise zeichnet sich durch diese übergreifende und vergleichende Spurensuche eine Art gemeinsame Essenz über das Wesen der Wirklichkeit und den Sinn unseres Daseins ab.

3) Weiterführende Informationen und Buchtipps

  • Niessen, Frank: Spiritualität für Kopfmenschen. Eine Sinnsuche für Skeptiker, Band 2: Wie man mit Logik zum Sinn des Lebens vorstoßen kann, Hamburg 2024. Die Buchreihe "Spiritualität für Kopfmenschen" ist eine Eigenveröffentlichung von Matrixwissen und enthält viele unserer Online-Artikel aufeinander aufbauend und in ausführlicherer Form: https://frank-niessen.com/sinnsuche/